Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Working Equitation auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Zweiter Frühling im Sattel: Mein Einstieg in die Klassische Dressur mit über 60

Haben Sie auch diesen Traum? Den Duft von Heu in der Nase, das leise Schnauben eines Pferdes und das Gefühl, eins zu sein mit einem edlen Tier. Viele Jahre lang war dieser Traum für mich eine verblasste Erinnerung. Die Jugend verging, der Beruf forderte seinen Tribut, die Familie stand im Mittelpunkt. Doch der Gedanke an Pferde ließ mich nie ganz los. Mit über 60 stand ich vor der Frage: Ist es zu spät, um wieder anzufangen? Heute kann ich sagen: Nein, es ist der perfekte Zeitpunkt für einen zweiten Frühling. Es ist die Geschichte, wie ich mit einem wunderbaren Menorquiner die Klassische Dressur für mich entdeckte.

Der Wiedereinstieg: Zwischen Sehnsucht und Zweifel

Der Entschluss, wieder in den Sattel zu steigen, war von ebenso viel Vorfreude wie Respekt geprägt. Da waren die Erinnerungen an unbeschwerte Reitstunden in der Jugend, doch ebenso die neuen Realitäten meines Körpers. Die Gelenke waren nicht mehr ganz so geschmeidig, die Muskeln brauchten länger zur Erholung und, ehrlich gesagt, der Gedanke an einen Sturz machte mir mehr Sorgen als früher.

Studien bestätigen, was viele Wiedereinsteiger in meinem Alter erleben: Die größten Hürden sind oft nicht die körperlichen, sondern die mentalen. Es geht darum, neues Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen und die eigenen Grenzen zu akzeptieren, ohne sich von ihnen ausbremsen zu lassen. Der Schlüssel liegt darin, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen – und das beginnt mit der Wahl des passenden Pferdes.

Die Wahl des perfekten Partners: Warum ein Menorquiner?

Ich wusste, ich brauchte kein hochgezüchtetes Sportpferd mit explosiven Gängen. Ich suchte einen Partner: nervenstark, menschenbezogen, verlässlich und mit bequemen Gängen. Meine Suche führte mich zu einer Rasse, die oft im Schatten der berühmten Andalusier und Lusitanos steht – dem Menorquiner.

Diese schwarzen Perlen von der Baleareninsel Menorca brachten alles mit, was ich mir wünschte:

  • Charakterstärke: Menorquiner sind für ihr ausgeglichenes und unerschrockenes Wesen bekannt. Sie bleiben auch in neuen Situationen gelassen – ein unschätzbarer Vorteil, wenn man selbst erst wieder Sicherheit gewinnen muss.
  • Bequeme Gänge: Ihre Bewegungen sind taktklar und eher „sitzbequem“ als raumgreifend, was meinem Rücken sehr entgegenkam.
  • Intelligenz und Lernbereitschaft: Sie sind neugierig und arbeiten gerne mit. Das Training wird so zu einem Dialog auf Augenhöhe statt zu einem Kampf.
  • Robuste Gesundheit: Als robuste Landrasse sind sie oft unkompliziert in der Haltung und weniger anfällig als manche hochspezialisierten Sportpferderassen.

Mein Menorquiner-Wallach wurde schnell zu meinem Fels in der Brandung. Seine ruhige Art gab mir die Sicherheit, die ich brauchte, um mich im Sattel wieder zu Hause zu fühlen.

Die Entdeckung der Klassischen Dressur: Harmonie statt Höchstleistung

Mit dem richtigen Pferd an meiner Seite stellte sich die nächste Frage: Welche Reitweise passt zu uns? Der moderne Turniersport mit seinem Fokus auf spektakuläre Bewegungen kam für mich nicht infrage. Ich suchte nach einem Weg, der die Gesunderhaltung des Pferdes und die harmonische Kommunikation in den Mittelpunkt rückt.

So fand ich zur Klassischen Dressur mit barocken Pferden. Anders als oft angenommen, geht es hier nicht primär um schwere Lektionen wie Piaffe oder Passage. Das Fundament bildet die Gymnastizierung des Pferdes – es wird durch gezielte Übungen stark, geschmeidig und lernt, sich auszubalancieren. Für mich als Reiterin hatte dieser Ansatz entscheidende Vorteile:

  • Fokus auf den Sitz: Die klassische Lehre legt enormen Wert auf einen ausbalancierten, losgelassenen Sitz. Das schult das eigene Körpergefühl und ermöglicht eine feine Hilfengebung ohne Kraftaufwand.
  • Gesundheit an erster Stelle: Jede Übung dient dazu, das Pferd gesünder und stärker zu machen. Das Tempo bestimmen wir selbst, ganz ohne den Druck eines Turnierkalenders.
  • Mentale Verbindung: Es entsteht eine tiefe Partnerschaft, weil man lernt, genau auf die Signale seines Pferdes zu hören und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.

Praktische Tipps für den späten Einstieg

Der Weg zurück in den Sattel war nicht immer geradlinig, aber jeder Schritt hat sich gelohnt. Die wichtigste Lektion war, auf meinen Körper und mein Pferd zu hören. Genauso wichtig ist es, die Bedeutung der richtigen Ausrüstung nicht zu unterschätzen. Ein gut passender Sattel für barocke Pferde mit ihrem oft kurzen, breiten Rücken ist Gold wert. Er gibt nicht nur dem Pferd die nötige Schulterfreiheit, sondern bietet auch dem Reiter einen sicheren und tiefen Sitz, der das Vertrauen stärkt.

Partner-Hinweis: Spezialisierte Hersteller wie Iberosattel haben sich auf die Anatomie barocker Pferde eingestellt und bieten Lösungen an, die Pferd und Reiter ein Höchstmaß an Komfort und Sicherheit gewährleisten. Eine Investition in eine professionelle Sattelanpassung ist eine Investition in die Gesundheit und die Freude am Reiten.

Mein Fazit? Es ist nie zu spät, Träume zu leben. Reiten im fortgeschrittenen Alter ist keine Frage des Mutes, sondern der klugen Vorbereitung. Mit dem richtigen Pferdepartner, einer pferdegerechten Reitweise und der Bereitschaft, auf den eigenen Körper zu hören, kann der zweite Frühling im Sattel zur schönsten Zeit des Lebens werden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) für Wiedereinsteiger

Bin ich zu alt, um wieder mit dem Reiten anzufangen?

Nein. Das Alter ist nur eine Zahl. Wichtiger sind die körperliche Grundfitness und eine realistische Selbsteinschätzung. Reiten trainiert Balance, Koordination und Rumpfmuskulatur, was gerade im Alter ein wertvoller gesundheitlicher Vorteil ist. Beginnen Sie langsam und holen Sie sich professionelle Unterstützung.

Welches Pferd eignet sich für ältere Reiter?

Ein ideales Pferd für Wiedereinsteiger ist charakterfest, gut ausgebildet und hat ein ruhiges Temperament. Rassen wie der Menorquiner, aber auch PREs oder Lusitanos aus guten Linien, sind oft eine ausgezeichnete Wahl. Wichtiger als die Rasse ist jedoch immer das individuelle Pferd.

Ist Klassische Dressur nicht sehr anspruchsvoll?

Die Grundlagen der Klassischen Dressur sind für jedes Pferd und jeden Reiter geeignet. Es geht um gymnastizierende Basisarbeit, die das Pferd gesund erhält und die Kommunikation verfeinert. Die sogenannten „Hohen Lektionen“ sind nur die Spitze des Eisbergs und kein Muss.

Wie finde ich den richtigen Reitlehrer?

Suchen Sie nach einem Trainer, der Erfahrung mit erwachsenen Wiedereinsteigern und barocken Pferden hat. Er sollte geduldig sein und auf Ihre Ängste eingehen. Im Mittelpunkt sollte eine solide, pferdegerechte Grundausbildung stehen, nicht schnelle Erfolge.

Welche Ausrüstung ist am Anfang wirklich wichtig?

Investieren Sie in drei Dinge: einen gut passenden Reithelm, bequeme Kleidung und vor allem einen professionell angepassten Sattel. Ein guter Sattel ist die wichtigste Verbindung zwischen Ihnen und Ihrem Pferd und entscheidend für Sicherheit und Wohlbefinden beider Partner.


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Birgit Thoma
Birgit Thoma

Birgit Thoma ist Gründerin von Das-Spanische-Pferd.de und Geschäftsführerin von Iberosattel Reitsport GmbH, spezialisiert auf iberische Pferde und klassische Sattelsysteme.