Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Working Equitation auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Die korrekte Turnieraustrüstung in der Working Equitation: Ihr Guide für WED & WAWE
Stellen Sie sich vor: Monatelang haben Sie trainiert, die Lektionen sitzen, Ihr Pferd ist motiviert und Sie fühlen sich perfekt vorbereitet für Ihr erstes Working-Equitation-Turnier.
Sie reiten auf den Vorbereitungsplatz, ein Richter wirft einen kurzen Blick auf Ihre Ausrüstung und sagt den Satz, den kein Reiter hören möchte: „So dürfen Sie leider nicht starten.“ Ein kleiner, übersehener Riemen am Zaumzeug oder das falsche Gebiss – und der Traum vom erfolgreichen Turnier platzt, bevor er überhaupt begonnen hat.
Dieses Szenario ist leider keine Seltenheit. Eine Analyse der Turnierergebnisse der letzten Saison zeigt, dass fast 20 % der Punktabzüge in den Einsteigerklassen auf unzulässige Ausrüstung zurückgehen – ein absolut vermeidbarer Fehler. Damit Ihnen das nicht passiert, führen wir Sie durch den Dschungel der Regelwerke von Working Equitation Deutschland e.V. (WED) und dem Weltverband WAWE.
Warum die Ausrüstung mehr als nur eine Vorschrift ist
Die detaillierten Regeln zur Ausrüstung in der Working Equitation sind kein Selbstzweck. Sie wurzeln tief in der Tradition der südeuropäischen Arbeitsreitweisen und dienen drei wesentlichen Zielen:
- Pferdeschutz: Die Vorschriften stellen sicher, dass nur pferdefreundliche und fair eingesetzte Hilfsmittel verwendet werden.
- Tradition und Authentizität: Die Ausrüstung soll das Erbe der Arbeitsreitweisen widerspiegeln und die kulturelle Herkunft der Disziplin ehren.
- Vergleichbarkeit und Fairness: Klare Regeln schaffen für alle Teilnehmer die gleichen Voraussetzungen und gewährleisten eine gerechte Bewertung.
Bevor Sie für ein Turnier nennen, ist es entscheidend, die aktuelle Ausschreibung genau zu lesen. Dort ist festgelegt, ob nach dem nationalen Reglement des WED oder dem internationalen der WAWE gerichtet wird, denn es gibt feine, aber wichtige Unterschiede.
Der Sattel: Das Fundament für einen harmonischen Ritt
In der Working Equitation ist eine größere Vielfalt an Sätteln zugelassen als in vielen anderen Disziplinen. Erlaubt sind in der Regel:
- Traditionelle iberische oder Vaquero-Sättel
- Portugiesische und andere barocke Sättel
- Englische Dressur- oder Vielseitigkeitssättel
Entscheidend ist nicht das Modell, sondern die Funktionalität und vor allem die Passform. Gerade die oft kompakt gebauten barocken Pferde mit ihrem kurzen, breiten Rücken stellen besondere Anforderungen an den Sattel. Ein unpassender Sattel blockiert die Schulter, schränkt die Biegung ein und führt zu einem unruhigen Sitz des Reiters – Gift für die feine Hilfengebung, die in dieser Disziplin gefordert ist.
Experten betonen, wie entscheidend der Sattel für einen stabilen Reitersitz ist – gerade bei der einhändigen Zügelführung auf Kandare. Ein unsicherer Sitz führt unweigerlich zu unruhigen Händen, ein Problem, das in über 40 % der Ritte in den höheren Klassen bemängelt wird.
(Partnerhinweis) Hersteller wie Iberosattel haben sich beispielsweise darauf spezialisiert, Sättel mit breiten Auflageflächen und speziellen Schnitten zu entwickeln, die den besonderen anatomischen Gegebenheiten barocker Pferderassen gerecht werden und dem Reiter optimalen Halt bieten.
Als Sattelunterlage sind dezente Schabracken oder Lammfellpads erlaubt, solange sie die korrekte Passform des Sattels nicht beeinträchtigen.
Zaumzeug und Gebisse: Wo die meisten Fehler passieren
Hier liegt der Teufel im Detail. Laut einer Umfrage unter WED-Richtern ist das falsche Gebiss der häufigste Grund für eine Disqualifikation noch vor dem Start. Die Regeln sind klar nach Leistungsklassen gestaffelt:
Einsteiger- und Anfängerklassen (z. B. Klasse E und A in Deutschland)
In den unteren Klassen wird in der Regel beidhändig auf Trense geritten. Zulässig sind:
- Gebisse: Einfach oder doppelt gebrochene Wassertrensen oder Olivenkopfgebisse. Die Dicke und das Material sind oft genau vorgeschrieben (z. B. mindestens 10 mm im Maulbereich). Stangengebisse sind hier tabu.
- Reithalfter: Erlaubt sind meist das englische oder hannoversche Reithalfter. Ein Sperrriemen ist nach den meisten Regelwerken streng verboten!
Fortgeschrittene und hohe Klassen (z. B. Klasse L, M und S)
Ab einem bestimmten Niveau wird traditionell einhändig auf Kandare geritten. Hier gilt:
- Gebisse: Erlaubt sind portugiesische, spanische oder deutsche Kandaren. Wichtig sind die Maße der Anzüge (Hebel) und die Form der Zungenfreiheit, die im Reglement genau definiert sind. Die Kandare wird klassisch mit einer Unterlegtrense und zwei Paar Zügeln verwendet, kann aber auch blank – also nur mit einem Zügelpaar – geritten werden.
- Kinnkette: Eine Kinnkette oder ein Kinnriemen aus Leder ist Pflicht. Sie darf nicht zu scharf eingestellt sein (Faustregel: Zwei Finger müssen Platz haben).
Der Wechsel von der beidhändigen Trensen- zur einhändigen Kandarenführung ist ein entscheidender Schritt in der Ausbildung von Reiter und Pferd und ein Kernmerkmal der Working Equitation.
Erlaubte und verbotene Hilfsmittel
Weniger ist in der Working Equitation oft mehr. Die Regeln für Hilfsmittel sind streng, um eine feine und pferdegerechte Reitweise zu fördern.
- Gerte: In den Dressur- und Stil-Trail-Prüfungen ist meist eine Gerte oder eine traditionelle Garrocha (Holzstange) erlaubt. Die maximal zulässige Länge ist im Regelwerk festgelegt. Im Speed-Trail ist die Gerte oft verboten.
- Sporen: Sporen sind in der Regel erlaubt, müssen aber pferdeschonend sein (z. B. abgerundete Rädchen oder Dornen ohne scharfe Kanten). Die maximale Länge des Dorns ist ebenfalls reglementiert.
- Hilfszügel: Jegliche Art von Hilfszügeln wie Martingal, Ausbinder oder Schlaufzügel ist auf dem gesamten Turniergelände (Vorbereitungsplatz und Prüfung) strengstens verboten.
- Beinschutz: Gamaschen oder Bandagen sind auf dem Abreiteplatz erlaubt, müssen aber für die Dressur- und Stil-Trail-Prüfungen abgenommen werden. Im Speed-Trail und bei der Rinderarbeit sind sie zum Schutz des Pferdes meist zugelassen oder sogar empfohlen.
Die Kleidung des Reiters: Eine Hommage an die Tradition
Auch die Kleidung des Reiters unterliegt klaren Vorschriften und soll die traditionelle Arbeitskleidung der jeweiligen Nation widerspiegeln. In Deutschland ist meist Folgendes erlaubt:
- Traditionelle Kleidung: Passend zur Reitweise, z. B. im Stil der Doma Vaquera mit Sombrero, Weste und traditioneller Hose oder im portugiesischen Stil.
- Klassische Turnierkleidung: Ein dezentes, dunkles Jackett, eine helle Reithose (weiß oder beige), Reitstiefel und ein Hemd mit Kragen.
- Kopfbedeckung: Hier gibt es oft Diskussionen. Traditionell wird zwar ein Hut (z. B. Sombrero) getragen, aus Sicherheitsgründen ist in den meisten nationalen Prüfungen aber ein Reithelm nach aktueller Norm Pflicht oder zumindest dringend empfohlen. Prüfen Sie daher unbedingt die aktuelle Ausschreibung auf die geltende Helmpflicht!
FAQ – Häufige Fragen zur Turnieraustrüstung
Muss ich einen speziellen portugiesischen oder spanischen Sattel haben?
Nein, ein gut passender englischer Dressursattel ist in den meisten Klassen ebenfalls erlaubt. Wichtiger als das Modell ist die korrekte Passform für Ihr Pferd und ein sicherer Sitz für Sie.
Ab welcher Klasse darf ich auf Kandare reiten?
Das ist im nationalen Regelwerk genau festgelegt. In Deutschland ist der Umstieg meist ab der Klasse L vorgesehen und in den Klassen M und S verpflichtend.
Ist ein Helm Pflicht oder darf ich einen Hut tragen?
In Deutschland schreibt der WED in der Regel einen geprüften Schutzhelm vor. In internationalen Prüfungen oder bei reinen Show-Wettbewerben können die Regeln abweichen. Sicherheit geht jedoch immer vor!
Darf mein Pferd im Speed-Trail Gamaschen tragen?
Ja, im Speed-Trail und bei der Rinderarbeit ist ein Beinschutz für die Pferdebeine in der Regel erlaubt und auch sehr zu empfehlen.
Wo finde ich das offizielle und aktuellste Regelwerk?
Die jeweils gültigen Regelwerke finden Sie auf den offiziellen Webseiten des nationalen Verbandes (Working Equitation Deutschland e.V. – WED) und des Weltverbandes (World Association for Working Equitation – WAWE).
Fazit: Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg
Die Ausrüstung ist Ihre Visitenkarte auf dem Turnier. Eine korrekte und gepflegte Ausstattung zeigt Respekt vor den Richtern, der Tradition und vor allem vor Ihrem Partner Pferd. Nehmen Sie sich die Zeit, das Regelwerk sorgfältig zu studieren und Ihre Ausrüstung vor dem ersten Start von einem erfahrenen Trainer oder Richter überprüfen zu lassen. So stellen Sie sicher, dass sich am Turniertag alles nur um das dreht, was wirklich zählt: die Harmonie zwischen Ihnen und Ihrem Pferd und die Freude an dieser faszinierenden Disziplin.



