Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Spanische Reitkultur auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Therapiepferd mit barockem Charme: Warum PREs und Lusitanos weltweit im therapeutischen Reiten eingesetzt werden
Stellen Sie sich einen Moment vor: die sanfte, rhythmische Bewegung eines Pferderückens, die Wärme, die durch den Körper strömt, und das Gefühl vollkommenen Vertrauens zu einem vierbeinigen Partner. Für viele Menschen ist dies nicht nur ein Reiterlebnis, sondern ein Weg zur Heilung. Im therapeutischen Reiten wird das Pferd zum Co-Therapeuten – ein Spiegel der Seele und ein Motor für körperliche Fortschritte. Doch nicht jedes Pferd ist für diese anspruchsvolle Aufgabe geboren. Sie erfordert eine seltene Kombination aus Gelassenheit, Sensibilität und Menschenbezogenheit. Genau hier betreten die barocken Pferde die Bühne und fascinieren Therapeuten wie Patienten weltweit.
Was macht ein Pferd zum idealen Therapiepartner?
Therapeutisches Reiten, oft auch Hippotherapie genannt, ist weit mehr als nur Reitunterricht für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Es ist ein anerkannter Ansatz, der sich die dreidimensionalen Bewegungen des Pferdes zunutze macht, um motorische, sensorische und emotionale Fähigkeiten zu fördern. Der Reiter muss sich ständig an die Bewegungen des Pferdes anpassen, was Gleichgewicht, Koordination und Muskeltonus schult. Einem Bericht der FEI (Fédération Equestre Internationale) zufolge hat diese Interaktion nachweislich positive Auswirkungen auf die motorischen Fähigkeiten und das psychologische Wohlbefinden der Patienten.
Doch die Basis für jeden therapeutischen Erfolg ist das Pferd selbst. Eine Umfrage von Hippotherapy International unter Therapiezentren ergab, dass über 70 % der Einrichtungen Pferde mit einem ruhigen, vorhersehbaren und geduldigen Temperament bevorzugen. Es sind genau diese Eigenschaften, die in der DNA spanischer und portugiesischer Rassen tief verankert sind.
Die inneren Werte: Drei Säulen des barocken Temperaments
Was prädestiniert gerade den Pura Raza Española (PRE) und den Lusitano für diese sensible Arbeit? Es ist eine Mischung aus jahrhundertelang gefestigten Charaktereigenschaften und einem Exterieur, das wie für den Menschen gemacht scheint.
1. Gelassenheit und Nervenstärke unter Druck
Ein Therapiepferd wird mit unerwarteten Situationen konfrontiert: laute Geräusche, plötzliche Bewegungen eines Patienten oder ungewöhnliche Hilfsmittel. Ein Pferd, das hier schreckhaft reagiert, stellt ein Risiko dar. Iberische Pferde sind bekannt für ihre innere Ruhe. Diese Eigenschaft ist nicht nur ein Züchtermythos, sondern wissenschaftlich belegbar. Eine Studie im Journal of Equine Veterinary Science zeigte, dass iberische Pferderassen in neuen oder potenziell stressigen Situationen signifikant niedrigere Cortisolspiegel (Stresshormone) aufwiesen als viele andere Rassen. Ihre angeborene Gelassenheit macht sie zu einem Fels in der Brandung, auf den sich Therapeuten und Patienten verlassen können.
2. Sensibilität und eine tiefe Menschenbezogenheit
Während Gelassenheit für Sicherheit sorgt, ist es die Sensibilität, die die eigentliche „Magie“ der Therapie ermöglicht. Spanische Pferde sind unglaublich feinfühlig und aufmerksam gegenüber den Stimmungen und der Körpersprache des Menschen. Sie scheinen zu spüren, wann ein Patient ängstlich ist und Trost braucht oder wann er zu mehr Mut ermutigt werden muss.
(Bildbeschreibung: Ein PRE-Pferd in sanfter Interaktion mit einem Menschen im Therapieumfeld)
Diese hohe Kooperationsbereitschaft wurde ebenfalls wissenschaftlich untersucht. Eine Studie in der Fachzeitschrift Animals (Basel) bestätigte die außergewöhnliche Trainierbarkeit und den Willen zur Zusammenarbeit bei PRE-Pferden. Sie suchen aktiv die Verbindung zum Menschen und arbeiten gerne mit – eine Eigenschaft, die aus ihrer langen Geschichte als Partner von Rittern und Königen erwächst.
3. Kompaktes Exterieur und bequeme Gänge
Neben dem Charakter spielt auch der Körperbau eine entscheidende Rolle. Barocke Pferde sind oft kompakt, mit einem kurzen, starken Rücken und einer gut bemuskelten Kruppe. Dieses Gebäude verleiht ihnen eine hohe Trittsicherheit und Balance. Ihre Gänge, insbesondere der Schritt, sind schwingend und rhythmisch – eine ideale Bewegungsgrundlage für die Therapie. Der Patient spürt eine sanfte, schaukelnde Bewegung, die der des menschlichen Gehens sehr ähnlich ist und so das motorische Lernen fördert.
Für das Pferd ist diese anspruchsvolle Arbeit jedoch auch eine physische Belastung. Deshalb ist sein Wohlbefinden die Grundlage für seine Leistungsfähigkeit. Ein perfekt passender Sattel für barocke Pferde mit breiter Auflagefläche und viel Schulterfreiheit ist unerlässlich, um Verspannungen vorzubeugen und dem Pferd die Freude an seiner wichtigen Aufgabe zu erhalten.
Ein Blick in die Praxis: PREs und Lusitanos im weltweiten Einsatz
Rund um den Globus haben Therapiezentren das Potenzial dieser besonderen Rassen erkannt. In den USA setzen Programme für Kriegsveteranen mit posttraumatischen Belastungsstörungen gezielt auf PREs, da ihre ruhige und intuitive Art hilft, Vertrauen wiederaufzubauen. In Europa arbeiten Zentren für Kinder mit Zerebralparese oder Autismus-Spektrum-Störungen mit Lusitanos, deren sanfte Bewegungen die Muskulatur lockern und die soziale Interaktion fördern.
(Bildbeschreibung: Ein Kind erlebt während einer Reittherapiestunde eine positive Verbindung zum Pferd)
Diese Programme berichten übereinstimmend von den Erfolgen: Patienten werden nicht nur körperlich stärker und koordinierter, sondern auch selbstbewusster und emotional ausgeglichener. Das Pferd wird zum Motivator, zum Freund und zum stillen Therapeuten, der ohne Worte versteht.
Fazit: Mehr als nur ein schönes Pferd
Der Einsatz von PREs und Lusitanos im therapeutischen Reiten ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis einer einzigartigen Kombination aus einem von Natur aus gelassenen, menschenbezogenen und intelligenten Wesen sowie einem Körperbau, der Sicherheit und Komfort vermittelt. Sie verkörpern die Ruhe und Kraft, die Menschen in herausfordernden Lebenssituationen benötigen, und beweisen eindrucksvoll, dass wahre Stärke in der Sanftmut liegt. Sie sind nicht nur Botschafter einer alten Kultur, sondern auch moderne Heiler auf vier Hufen.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Thema Therapiepferde
Ist jeder PRE oder Lusitano als Therapiepferd geeignet?
Nein, nicht jedes Pferd ist automatisch geeignet. Auch innerhalb dieser Rassen gibt es individuelle Unterschiede im Temperament. Entscheidend sind eine sorgfältige Auswahl und eine spezialisierte Ausbildung. Wichtige Kriterien sind ein einwandfreier Charakter, Nervenstärke und eine gute gesundheitliche Verfassung.
Was ist der Unterschied zwischen therapeutischem Reiten und Hippotherapie?
Obwohl die Begriffe oft synonym verwendet werden, gibt es eine Unterscheidung. Die Hippotherapie ist eine physiotherapeutische oder ergotherapeutische Behandlungsform, bei der die Bewegung des Pferdes im Vordergrund steht und die von speziell ausgebildeten Therapeuten durchgeführt wird. Das therapeutische Reiten (oder heilpädagogische Reiten) hat einen breiteren Fokus, der auch psychologische, pädagogische und soziale Ziele verfolgt.
Gibt es eine Altersgrenze für Patienten im therapeutischen Reiten?
Grundsätzlich nicht. Therapeutisches Reiten kann sowohl für Kleinkinder als auch für Senioren von großem Nutzen sein. Die Therapieziele und die Auswahl des Pferdes werden individuell an das Alter, die körperlichen Voraussetzungen und die Bedürfnisse des Patienten angepasst.
Welche Ausbildung benötigt ein Therapiepferd?
Ein Therapiepferd durchläuft eine fundierte Grundausbildung als Reitpferd und wird anschließend gezielt auf seine Aufgaben vorbereitet. Dazu gehört die Gewöhnung an verschiedene Hilfsmittel wie Bälle, Ringe oder Rampen, das Training des ruhigen Stehens beim Auf- und Absteigen sowie die Desensibilisierung gegenüber unerwarteten Geräuschen und Bewegungen.



