Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Zirkuslektionen auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Vom Boden zum Sattel: Der Spanische Schritt in 7 logischen Trainingsschritten
Der Moment, in dem ein Pferd majestätisch und taktvoll ein Vorderbein nach dem anderen in die Höhe streckt, gehört zu den eindrucksvollsten Bildern der Reitkunst. Diese Mischung aus Stolz, Kraft und Eleganz fasziniert Pferdeliebhaber seit Jahrhunderten. Doch so mühelos die Lektion im Showring erscheint, so oft ist der Weg dorthin von Unsicherheit geprägt. Eine Studie zeigt, dass über 60 % der Reiter, die sich an fortgeschrittene Lektionen wagen, ohne einen strukturierten Plan vorgehen – was nicht selten zu Frustration bei Pferd und Mensch führt.
Dieser Leitfaden gibt Ihnen einen solchen Plan an die Hand. Wir zerlegen den Weg zum Spanischen Schritt in sieben logische Phasen, von der sicheren Bodenarbeit bis zur feinen Ausführung unter dem Reiter. Entdecken Sie, wie Sie diese Lektion nicht nur als reinen Show-Effekt, sondern als wertvolles gymnastizierendes Werkzeug für Ihr Pferd nutzen.
Mehr als nur Show: Warum der richtige Aufbau entscheidend ist
Bevor wir in die praktischen Schritte eintauchen, ist es wichtig zu verstehen, was bei einem korrekt ausgeführten Spanischen Schritt im Pferdekörper passiert – und was bei falschem Training auf dem Spiel steht. Denn es geht um weit mehr als das bloße Heben der Beine.
Ein biomechanisch korrekter Spanischer Schritt ist eine wertvolle Übung: Er fördert die Beweglichkeit im Schultergelenk und stärkt gezielt die Muskulatur, die den Rumpf zwischen den Schulterblättern trägt. Eine biomechanische Analyse belegt, dass hierbei insbesondere der Serratus ventralis, ein entscheidender Rumpfträger, gekräftigt wird. Das Ergebnis: Das Pferd lernt, den Brustkorb anzuheben, und gewinnt an Aufrichtung und Vorhandmobilität.
Die Kehrseite: Wird die Lektion mit Druck, Zwang oder falschen Hilfen erarbeitet, verkehrt sich der positive Effekt schnell ins Gegenteil. Equine Physiotherapeuten warnen, dass Muskelprobleme bei Pferden, die mit unüberlegten Methoden trainiert werden, um bis zu 30 % zunehmen können. Verspannungen in Schulter, Rücken und Hals sind oft die Folge. Ein systematischer, geduldiger Aufbau ist daher kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für die Gesunderhaltung des Pferdes.
Die Voraussetzungen: Das Fundament für den Erfolg
Nicht jedes Pferd ist sofort bereit für den Spanischen Schritt. Um Überforderung zu vermeiden, ist eine solide Basis unerlässlich. Eine Umfrage unter professionellen Trainern iberischer Pferde bestätigt dies: 85 % von ihnen betrachten eine mindestens sechsmonatige, fundierte Grundausbildung am Boden als absolute Voraussetzung.
Bevor Sie beginnen, sollte Ihr Pferd Folgendes sicher beherrschen:
- Ruhiges, ausbalanciertes Stehen
- Sicheres Führen an der Hand
- Verständnis für die Gertenhilfe als zeigendes, nicht treibendes Instrument
- Eine entspannte und vertrauensvolle Grundeinstellung zur Arbeit
Eine solide und gymnastizierende Pferdeausbildung bildet das Fundament, auf dem Lektionen wie der Spanische Schritt sicher aufgebaut werden können.
In 7 Schritten zum ausdrucksvollen Spanischen Schritt
Geduld ist Ihr wichtigster Begleiter. Geben Sie Ihrem Pferd Zeit, jeden Schritt zu verstehen und zu verinnerlichen, bevor Sie zum nächsten übergehen.
Schritt 1: Die Basis am Boden – Das Touchieren mit der Gerte
Im ersten Schritt lernt Ihr Pferd, auf eine sanfte Berührung mit der Gerte am Vorderbein zu reagieren.
- Position: Stellen Sie sich seitlich auf Schulterhöhe zu Ihrem Pferd.
- Hilfengebung: Tippen Sie mit der Gerte sanft und rhythmisch vorne auf das Röhrbein des Vorderbeins.
- Reaktion: Anfangs wird Ihr Pferd vielleicht nur zucken oder das Bein leicht anheben. Loben Sie jede noch so kleine Reaktion in die richtige Richtung sofort mit Ihrer Stimme und beenden Sie die Übung für diesen Moment. Wiederholen Sie dies auf beiden Seiten.
Schritt 2: Das bewusste Anheben auf Signal
Ihr Pferd lernt nun, das Bein auf das Gertensignal hin bewusst anzuheben und für einen kurzen Moment in der Luft zu halten.
- Timing: Geben Sie das Signal wie in Schritt 1. Sobald das Pferd das Bein hebt, nehmen Sie die Gerte weg und loben es ausgiebig.
- Verfeinerung: Steigern Sie die Anforderung langsam. Warten Sie, bis das Pferd das Bein einen Moment länger in der Luft hält, bevor das Lob folgt. Eine absolut ruhige und positive Atmosphäre ist hier entscheidend.
Schritt 3: Die ersten Schritte im Takt
Jetzt verbinden Sie das Heben der Beine mit einer Vorwärtsbewegung.
- Führen: Führen Sie Ihr Pferd im Schritt an. Geben Sie im Takt der Bewegung das Signal zum Anheben des jeweiligen Vorderbeins, kurz bevor es von Natur aus abfußen würde.
- Rhythmus: Beginnen Sie mit nur einem oder zwei angehobenen Schritten. Der Fokus liegt darauf, den Takt zu erhalten, nicht auf der Höhe. Loben Sie sofort, wenn es klappt, und gehen Sie dann wieder einige Schritte im normalen Schritt weiter.
Schritt 4: Ausdruck und Höhe entwickeln
Wenn die ersten Schritte im Takt sicher funktionieren, können Sie an Ausdruck und Höhe arbeiten.
- Motivation: Regen Sie Ihr Pferd mit Ihrer Energie und Stimme an, das Bein etwas höher oder schwungvoller zu heben. Ein kurzes, motivierendes Stimmkommando kann hierbei helfen.
- Qualität vor Quantität: Achten Sie darauf, dass der Rücken aktiv bleibt und das Pferd nicht ins Hohlkreuz fällt. Weniger Höhe mit guter Haltung ist wertvoller als ein hochgerissenes Bein mit weggedrücktem Rücken.
Schritt 5: Die Übertragung auf den Sattel – Die Vorbereitung
Bevor Sie die Lektion reiten, muss sie am Boden absolut sicher und auf feine Signale abrufbar sein. Ihr Pferd sollte nun auf ein leichtes Touchieren mit der Gerte an der Schulter reagieren, da Sie diese Stelle vom Sattel aus leichter erreichen. Üben Sie dies zunächst vom Boden aus.
Schritt 6: Die ersten Versuche unter dem Reiter
Jetzt kommt der spannendste Teil. Sorgen Sie für eine ruhige und konzentrierte Umgebung.
- Position: Sitzen Sie ruhig und ausbalanciert im Sattel. Ein gut angepasster Sattel, der die Schulterbewegung nicht einschränkt, ist hier entscheidend. Spezialisierte Konzepte, wie sie etwa von Iberosattel für den breiten Rücken barocker Pferde entwickelt werden, bieten die nötige Freiheit und Stabilität. (Partnerhinweis)
- Hilfengebung: Nehmen Sie Ihr Pferd im Schritt leicht an die Hilfen. Berühren Sie mit der Gerte die Schulter des Vorderbeins, das als Nächstes abfußen würde. Ihre Gewichtshilfe bleibt zentriert, die Zügelhilfen rahmen nur sanft ein.
- Erste Reaktion: Loben Sie auch hier jede noch so kleine richtige Reaktion. Erwarten Sie anfangs nicht die gleiche Höhe wie am Boden. Es geht zunächst nur darum, dass Ihr Pferd die Hilfe versteht.
Schritt 7: Verfeinerung und Ausdruck unter dem Reiter
Sobald Ihr Pferd die Hilfe im Sattel verstanden hat, beginnt die Feinarbeit.
- Zusammenspiel der Hilfen: Mit der Zeit können Sie die Gertenhilfe immer weiter reduzieren und durch eine feinere Schenkel- und Gewichtshilfe ersetzen.
- Balance und Ausdruck: Arbeiten Sie daran, Takt und Balance zu erhalten. Der Spanische Schritt sollte aus der gesamten Bewegung des Pferdes entstehen und nicht nur aus der Vorhand „gemacht“ werden. Ziel ist ein harmonisches, stolzes und ausbalanciertes Gesamtbild.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Für welche Pferde eignet sich der Spanische Schritt?
Grundsätzlich kann jedes Pferd den Spanischen Schritt lernen. Rassen mit natürlicher Veranlagung zur Versammlung und einer hohen Knieaktion, wie der Pura Raza Española, tun sich oft leichter. Wichtiger als die Rasse sind jedoch ein korrekter Körperbau und eine solide Grundausbildung.
Wie lange dauert es, den Spanischen Schritt zu erlernen?
Das ist individuell sehr unterschiedlich und hängt vom Talent des Pferdes und der Qualität des Trainings ab. Rechnen Sie mit mehreren Monaten bis hin zu einem Jahr, bis die Lektion sicher und ausdrucksvoll sitzt. Geduld ist der Schlüssel.
Was sind die häufigsten Fehler?
Zu den häufigsten Fehlern gehören zu viel Druck, ein zu schnelles Vorgehen, das Ignorieren des Taktes und das Ziehen am Zügel. Dies führt zu Verspannungen, einem weggedrückten Rücken und einem unharmonischen Bewegungsablauf.
Ist der Spanische Schritt schädlich für das Pferd?
Nein, im Gegenteil. Korrekt ausgeführt ist er eine wertvolle gymnastizierende Übung, die die Vorhand stärkt und die Beweglichkeit fördert. Schädlich wird er nur durch falsches, erzwungenes Training, das zu Blockaden und Verschleiß führen kann.
Fazit: Ein Weg zu mehr Harmonie und Ausdruck
Der Spanische Schritt ist weit mehr als eine imposante Lektion. Der systematische Weg dorthin schult das Vertrauen zwischen Ihnen und Ihrem Pferd, verfeinert Ihre Kommunikation und fördert bei korrekter Ausführung die Rückengesundheit und Tragkraft Ihres Pferdes.
Betrachten Sie diesen Leitfaden als Landkarte. Der Weg selbst ist eine Reise, die Sie gemeinsam mit Ihrem Pferd unternehmen – und die Sie mit Geduld, Fairness und einem guten Plan zu einem beeindruckenden Ziel führen wird. Wenn Sie die Grundlagen des Spanischen Schritts gemeistert haben, öffnet sich die Tür zu einer ganzen Welt faszinierender Zirkuslektionen, die die Beziehung zu Ihrem Pferd weiter vertiefen können.



