Vom Show-Pferd zum Reitpferd: Ein Pferd aus dem „Feria-Modus“ umschulen

Vom Show-Pferd zum Reitpferd: Ein Pferd aus dem „Feria-Modus“ umschulen

Sie haben sich einen Traum erfüllt: ein prachtvolles spanisches Pferd, das die Blicke auf sich zieht. Seine Bewegungen sind ausdrucksstark, seine Haltung ist stolz und seine Präsenz füllt jede Reitbahn. Doch im täglichen Training zeigt sich eine unerwartete Herausforderung: Das Pferd scheint ständig „unter Strom“ zu stehen. Es trägt den Kopf hoch, macht den Rücken fest und bietet bei der kleinsten Anforderung spektakuläre, aber verspannte Bewegungen an. Entspanntes Reiten scheint kaum möglich.

Wenn Ihnen dieses Szenario bekannt vorkommt, haben Sie möglicherweise ein Pferd, das für spanische Volksfeste, die sogenannten Ferias, ausgebildet wurde. Diese Pferde sind darauf trainiert, zu beeindrucken – mit hoher Knieaktion, imposanter Aufrichtung und einer fast elektrisierenden Energie. Dieser „Feria-Modus“ ist für den Show-Effekt gewollt, für eine gesunde, gymnastizierende Reitweise jedoch eine Sackgasse. Die gute Nachricht: Mit Geduld, Wissen und dem richtigen Ansatz können Sie Ihrem Showstar den Weg zu einem gelassenen und durchlässigen Reitpferd ebnen.

Was genau ist der „Feria-Modus“?

Um ein Pferd erfolgreich umzuschulen, müssen wir zunächst verstehen, was seine bisherige Ausbildung geprägt hat. Auf einer Feria geht es um Spektakel, Tradition und Ausdruck. Die Pferde werden oft in traditioneller Ausrüstung und bei lauter Musik präsentiert. Ihre Ausbildung zielt darauf ab, maximale Brillanz und Präsenz zu erzeugen.

Merkmale eines Pferdes im „Feria-Modus“:

  • Hohe Kopf-Hals-Haltung: Der Kopf wird hoch getragen, oft mit einem angespannten Unterhals. Dies erzeugt ein imposantes Bild, verhindert aber, dass der Rücken aufgewölbt und die Hinterhand korrekt aktiviert wird.
  • Fester, weggedrückter Rücken: Die Spannung in der Oberlinie führt dazu, dass der Rückenmuskel nicht mehr schwingen kann. Das Pferd trägt den Reiter nicht mehr mit einem aktiven Rücken, sondern „erträgt“ ihn mit verspannter Muskulatur.
  • Spektakuläre, aber unechte Versammlung: Die hohe Beinaktion entsteht oft aus Spannung und nicht aus der tragenden Kraft der Hinterhand. Das Pferd „zappelt“ auf der Stelle, anstatt sich reell zu versammeln.
  • Hohe mentale Anspannung: Das Pferd ist es gewohnt, auf kleinste Reize explosiv zu reagieren. Es ist in ständiger Erwartungshaltung und findet nur schwer zur inneren Ruhe.

Diese Ausbildung erfüllt zwar ihren Zweck, steht aber im direkten Gegensatz zu den Zielen einer klassischen, gymnastizierenden Pferdeausbildung, bei der es um Losgelassenheit, Takt und Durchlässigkeit geht.

Der Weg zur Gelassenheit: Die Umschulung Schritt für Schritt

Die Umstellung von einem Show-Pferd zu einem Reitpferd ist weniger ein „Umlernen“ als ein „Neulernen“. Sie bieten Ihrem Pferd einen neuen, gesünderen Weg an, seinen Körper zu nutzen und mit Ihnen zu kommunizieren. Geduld, Konsequenz und das richtige Timing werden dabei zu Ihren wichtigsten Begleitern.

1. Zurück zum Anfang: Vertrauen am Boden schaffen

Bevor Sie in den Sattel steigen, beginnt die wichtigste Arbeit am Boden. Das Ziel ist, die mentale Anspannung zu lösen und eine neue, ruhige Kommunikationsbasis zu schaffen.

  • Führübungen: Beginnen Sie mit einfachen Übungen im Schritt. Achten Sie darauf, dass das Pferd ruhig neben Ihnen geht, anhält und rückwärts tritt, ohne sich aufzuregen oder vorwärtszudrängen.
  • Arbeit an der Longe: Longieren Sie in einer ruhigen, gleichmäßigen Gangart. Das Ziel ist nicht, das Pferd müde zu machen, sondern ihm zu helfen, einen konstanten Rhythmus zu finden. Verwenden Sie Hilfszügel nur, wenn Sie damit sehr erfahren sind. Oft ist es besser, abzuwarten, bis das Pferd den Weg in die Tiefe von sich aus anbietet.
  • Das „Vorwärts-Abwärts“ etablieren: Loben Sie jede noch so kleine Tendenz des Pferdes, den Kopf fallen zu lassen und den Hals zu strecken. Dies ist der erste Schritt, um die verspannte Oberlinie zu lösen und den Rücken zu aktivieren.

2. Die ersten Reiteinheiten: Weniger ist mehr

Die ersten Versuche unter dem Sattel sollten kurz sein und ausschließlich der Entspannung dienen. Ihr Pferd wird anfangs wahrscheinlich seine alten Muster anbieten – hohe Kopfhaltung, trippelnde Schritte. Ihre Aufgabe ist es, diese Angebote freundlich zu ignorieren und stattdessen die Ruhe zu belohnen.

  • Fokus auf den Schritt: Reiten Sie lange Schrittphasen am langen oder hingegebenen Zügel. Erkunden Sie die Reitbahn, reiten Sie große, weiche Linien und vermeiden Sie enge Wendungen, die Spannung erzeugen könnten.
  • Belohnen Sie die Entspannung: Sobald Ihr Pferd abschnaubt, den Hals fallen lässt oder auch nur für einen Moment den Rücken lockerer lässt, loben Sie es ausgiebig. Beenden Sie die Einheit mit diesem positiven Gefühl.
  • Die Ausrüstung überprüfen: Ein verspannter Rücken ist extrem empfindlich. Ein unpassender Sattel kann den Umschulungsprozess blockieren oder sogar Schmerzen verursachen. Besonders barocke Pferde haben oft einen kurzen, breiten Rücken, der spezielle Anforderungen an die Passform stellt. Ein Sattel, der die Schulter blockiert oder Druckpunkte erzeugt, macht es dem Pferd unmöglich, sich zu entspannen und den Rücken aufzuwölben.

Partner-Hinweis: Spezialisierte Hersteller wie Iberosattel haben Sattelkonzepte entwickelt, die genau auf die Anatomie spanischer und barocker Pferde zugeschnitten sind. Eine breite Auflagefläche und maximale Schulterfreiheit können den entscheidenden Unterschied machen, damit sich das Pferd wohlfühlt und den Weg in die Dehnungshaltung findet.

3. Herausforderungen meistern und langfristig denken

Die Umschulung verläuft selten linear. Es wird Tage geben, an denen Ihr Pferd in alte Muster zurückfällt, besonders in aufregenden Situationen.

  • Bleiben Sie der Fels in der Brandung: Wenn Ihr Pferd sich aufregt, reagieren Sie nicht mit Härte oder Gegendruck. Atmen Sie tief durch, kehren Sie zu einer einfachen Übung im Schritt zurück und geben Sie ihm die Sicherheit, die es braucht.
  • Vermeiden Sie Trigger: Trainieren Sie anfangs in einer ruhigen Umgebung. Vermeiden Sie laute Musik, viele Zuschauer oder andere Pferde, die hektische Lektionen üben.
  • Ein neues Ziel vor Augen: Langfristig kann Ihr Pferd lernen, seine beeindruckende Präsenz mit echter Durchlässigkeit zu verbinden. Disziplinen wie die Working Equitation sind ein wunderbares Ziel, da sie Gehorsam, Gelassenheit und die spektakulären Fähigkeiten iberischer Pferde auf harmonische Weise vereinen.

Fazit: Eine lohnende Reise zu einem neuen Partner

Ein Pferd aus dem „Feria-Modus“ umzuschulen, ist eine anspruchsvolle, aber unglaublich lohnende Aufgabe. Sie fordert vom Reiter mehr als nur technisches Können – sie verlangt Einfühlungsvermögen, Geduld und die Fähigkeit, kleine Fortschritte wertzuschätzen. Sie geben Ihrem Pferd damit nicht nur eine neue Aufgabe: Sie schenken ihm die Möglichkeit, sich körperlich und mental zu entspannen und zu einem gesunden, langlebigen und vielseitigen Reitpartner heranzuwachsen. Jeder Moment, in dem Ihr ehemaliger Showstar zufrieden abschnaubt und sich vertrauensvoll dehnt, ist der Lohn für Ihre Mühe.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie lange dauert die Umschulung eines Feria-Pferdes?
Die Dauer ist sehr individuell und hängt vom Pferd, seiner Vorgeschichte und der Konsequenz des Reiters ab. Rechnen Sie mit mehreren Monaten bis hin zu über einem Jahr. Der Schlüssel ist nicht Geschwindigkeit, sondern Beständigkeit und Geduld.

Kann mein Pferd seine alten „Show-Lektionen“ komplett verlernen?
Nicht unbedingt „verlernen“, aber es lernt, sie nicht mehr als Standardreaktion auf Anspannung anzubieten. Ziel ist, dass das Pferd lernt, zwischen einem entspannten „Arbeitsmodus“ und einem gezielt abgerufenen „Showmodus“ zu unterscheiden. Die Lektionen bleiben als Fähigkeit erhalten, werden aber kontrollierbar.

Ist ein solches Pferd für einen Anfänger geeignet?
In der Regel nicht. Die Umschulung erfordert einen erfahrenen, einfühlsamen Reiter, der die feinen Signale des Pferdes lesen und mit Ruhe und Konsequenz reagieren kann. Ein unsicherer Reiter könnte die Anspannung des Pferdes unbeabsichtigt verstärken.

Welche Rolle spielt der Sattel bei der Umschulung?
Eine entscheidende. Ein Pferd, das aus einer festen, hohen Haltung kommt, muss erst lernen, seine Rückenmuskulatur zu nutzen. Ein unpassender Sattel kann diesen Prozess durch Schmerzen oder Blockaden unmöglich machen. Ein gut angepasster Sattel, der Bewegungsfreiheit erlaubt, ist die Grundlage für eine erfolgreiche Gymnastizierung.

Patrick Thoma
Patrick Thoma

Patrick Thoma ist Gründer von Mehrklicks.de und JVGLABS.com.
Er entwickelt Systeme für KI-Sichtbarkeit und semantische Architektur – mit Fokus auf Marken, die in ChatGPT, Perplexity und Google SGE sichtbar bleiben wollen.

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