Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Zirkuslektionen auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Der Reiter als Ruhepol: Wie Ihre innere Haltung die Ausbildung Ihres Barockpferdes prägt
Haben Sie das schon einmal erlebt? Sie haben den Trainingsplan perfekt im Kopf, die Ausrüstung liegt bereit, und doch fühlt sich vom ersten Moment an alles zäh an. Ihr sonst so kooperatives spanisches Pferd ist verspannt, blickt sich um oder reagiert auf Ihre Hilfen nur verzögert. Sie werden ungeduldig, die Lektionen wollen nicht gelingen, und am Ende sind beide frustriert. Oft suchen wir den Grund beim Pferd – doch was, wenn die Ursache für die Anspannung im Sattel sitzt?
Barocke Pferde wie PRE oder Lusitano sind für ihre feinfühlige und menschenbezogene Art bekannt. Diese Sensibilität ist ein Geschenk, doch sie macht sie auch zu einem unbestechlichen Spiegel unserer eigenen inneren Verfassung. Sie reagieren nicht nur auf unsere Hilfen, sondern genauso auf unseren Herzschlag, unsere Atmung und unsere Anspannung. Zu verstehen, wie tief diese Verbindung reicht, ist der entscheidende Schlüssel zu einer harmonischen Partnerschaft und einer erfolgreichen Ausbildung.
Warum Ihr Pferd Ihr emotionaler Spiegel ist
Die Vorstellung, dass unsere Gefühle auf unser Pferd „überspringen“, ist keine esoterische Spinnerei, sondern wissenschaftlich belegt. Pferde haben über Jahrtausende als Beutetiere überlebt, indem sie die Stimmungen und Absichten anderer Lebewesen, einschließlich des Menschen, blitzschnell erfassten. Diese Fähigkeit ist heute noch genauso präsent und beeinflusst jede einzelne Trainingseinheit.
Das unsichtbare Band: Herzratenvariabilität (HRV) erklärt
Wissenschaftler haben ein faszinierendes Phänomen entdeckt: die Synchronisation der Herzfrequenz. Eine Studie, veröffentlicht im Fachjournal The Horse, zeigte, dass sich die Herzratenvariabilität (HRV) von Pferden an die ihrer Besitzer anpasst, wenn sie in engem Kontakt sind.
Die HRV ist, vereinfacht gesagt, ein Maß für die Balance in Ihrem Nervensystem.
- Eine hohe, gleichmäßige HRV deutet auf Entspannung, Ruhe und Erholungsfähigkeit hin. Ihr Körper ist im „Rest-and-Digest“-Modus.
- Eine niedrige, unruhige HRV ist ein Zeichen für Stress, Angst oder Anspannung. Ihr Körper befindet sich im „Fight-or-Flight“-Modus.
Wenn Sie also mit innerer Unruhe zu Ihrem Pferd gehen, passt sich sein Nervensystem Ihrem an. Ihr Stress wird zu seinem Stress. Das Pferd versteht nicht, warum Sie angespannt sind; es spürt nur die Anspannung und interpretiert sie als potenzielle Gefahr in der Umgebung.
Die Macht der Spiegelneuronen
Ein weiterer Baustein dieser emotionalen Verbindung sind die Spiegelneuronen – Gehirnzellen, die nicht nur aktiv werden, wenn wir eine Handlung selbst ausführen, sondern auch, wenn wir sie bei jemand anderem beobachten. Sie sind der Grund, warum wir gähnen, wenn jemand anderes gähnt, oder zusammenzucken, wenn sich jemand verletzt.
Pferde besitzen ebenfalls Spiegelneuronen. Wenn Sie also mit einer ruhigen, selbstsicheren Körperhaltung und einem entspannten Gesichtsausdruck auf Ihr Pferd zugehen, „spiegelt“ sein Gehirn diesen Zustand. Es fühlt sich sicher und verstanden. Kommen Sie hingegen mit verspannten Schultern und flacher Atmung, spiegelt es auch diese Unsicherheit.
Stress, den man riechen kann: Cortisol und seine Wirkung
Wenn wir gestresst sind, schüttet unser Körper vermehrt das Stresshormon Cortisol aus. Pferde mit ihrem extrem feinen Geruchssinn können diese chemische Veränderung in unserem Schweiß wahrnehmen. Ein erhöhter Cortisolspiegel signalisiert dem Pferd: „Achtung, mein Mensch ist alarmiert!“ Die Folge: Das Pferd geht ebenfalls in Alarmbereitschaft, spannt den Rücken an und ist weniger aufnahmefähig für neue Lektionen.
Vom Problem zur Lösung: Praktische Wege zu mehr innerer Ruhe
Die gute Nachricht ist: Sie sind diesem Prozess nicht hilflos ausgeliefert. Indem Sie bewusst an Ihrer eigenen Haltung arbeiten, werden Sie zum Fels in der Brandung für Ihr Pferd – zum Ruhepol, an dem es sich orientieren kann.
Die Macht der Intention: Mentale Vorbereitung vor dem Reiten
Nehmen Sie sich vor jeder Trainingseinheit fünf Minuten Zeit nur für sich. Schließen Sie die Augen, atmen Sie tief in den Bauch und stellen Sie sich vor, wie Anspannung und Alltagsstress mit jedem Ausatmen von Ihnen weichen. Setzen Sie eine klare, positive Intention für das Training: „Heute kommunizieren wir harmonisch“ oder „Wir haben Freude an der gemeinsamen Bewegung“. Diese simple Übung verändert Ihre gesamte Ausstrahlung.
Geduld als Superkraft, besonders bei der Ausbildung von Jungpferden
Kaum etwas ist für den Lernerfolg so entscheidend wie Geduld. Besonders die sensible Ausbildung von Jungpferden erfordert ein Höchstmaß an Ruhe und Verständnis. Wenn ein Pferd eine Lektion nicht sofort versteht, ist es nicht stur, sondern hat Ihre Frage womöglich nur noch nicht verstanden. Ungeduld führt zu härteren Hilfen und einem ungerechten Timing bei der Druckentlastung (Negative Verstärkung). Das Pferd lernt dann nicht die Lektion, sondern nur, dass der Mensch unberechenbar und eine Quelle von Stress ist.
Fehler als Feedback, nicht als Versagen
Ändern Sie Ihre Perspektive. Wenn Ihr Pferd eine Übung verweigert oder sich verspannt, ist das kein Scheitern. Es ist wertvolles Feedback. Fragen Sie sich:
- Bin ich selbst verspannt?
- Ist meine Hilfegebung klar und verständlich?
- Überfordere ich mein Pferd körperlich oder mental?
Ein ruhiger Reiter kann dieses Feedback annehmen und seine Strategie anpassen, anstatt in einen Kampf zu verfallen.
Konkrete Auswirkungen auf das Training mit Barockpferden
Die Fähigkeit, ein Ruhepol zu sein, ist in allen Disziplinen von unschätzbarem Wert, entfaltet aber bei der Arbeit mit sensiblen Barockpferden ihr volles Potenzial.
In der klassischen Dressur mit barocken Pferden sind feinste, fast unsichtbare Hilfen das Ziel. Sie lassen sich nur aus einem losgelassenen, zentrierten Sitz heraus geben. Jede Anspannung in Ihrem Körper blockiert die feine Kommunikation und damit die Versammlung und Leichtigkeit.
Bei anspruchsvollen Übungen, die enormes Vertrauen erfordern – wie bei Zirkuslektionen wie dem Spanischen Schritt – ist Ihre innere Ruhe die wichtigste Voraussetzung. Ein Pferd wird sich nur dann vertrauensvoll erheben oder eine komplexe Bewegung ausführen, wenn es spürt, dass sein Mensch absolut sicher und gelassen ist.
Ein weiterer Baustein für ein entspanntes Pferd ist schmerzfreie Bewegung. Ein passender Sattel, der die besondere Anatomie barocker Pferde berücksichtigt, wie es beispielsweise Konzepte von Iberosattel tun, verhindert Druckpunkte und Verspannungen. Ein schmerzfreies Pferd ist von Grund auf gelassener und kann sich besser auf die feinen Signale eines ruhigen Reiters einlassen. (Partnerhinweis)
FAQ – Häufige Fragen zum mentalen Training für Reiter
Was kann ich tun, wenn ich während des Reitens gestresst werde?
Halten Sie an. Nehmen Sie die Zügel in eine Hand und legen Sie die andere auf Ihren Bauch. Atmen Sie mehrmals tief ein und aus, bis Sie spüren, wie sich Ihre Schultern senken. Konzentrieren Sie sich auf die gleichmäßige Bewegung des Pferdes im Schritt. Oft genügen wenige Minuten, um den Reset-Knopf zu drücken.
Mein Pferd ist von Natur aus nervös. Liegt das wirklich an mir?
Jedes Pferd hat seinen eigenen Charakter. Ein von Natur aus nervöses Pferd wird nicht plötzlich zur Schlaftablette. Sie können jedoch lernen, der stabile Anker zu sein, an dem es sich orientieren kann. Je ruhiger und souveräner Sie sind, desto mehr Sicherheit geben Sie ihm, um mit seiner eigenen Nervosität umzugehen.
Wie lange dauert es, bis ich eine Veränderung bemerke?
Die Arbeit an der eigenen inneren Haltung ist ein lebenslanger Prozess. Doch Pferde sind so unmittelbar in ihrer Reaktion, dass Sie oft schon nach der ersten bewussten Trainingseinheit eine positive Veränderung spüren werden. Jeder kleine Schritt zu mehr Gelassenheit wird sich direkt auf Ihr Pferd übertragen.
Fazit: Der erste Schritt beginnt bei Ihnen
Die Ausbildung eines Barockpferdes ist weit mehr als die Summe technischer Lektionen. Es ist ein Dialog, der auf Vertrauen, Respekt und einer tiefen emotionalen Verbindung basiert. Der effektivste Weg, ein ruhiges, selbstbewusstes und lernbereites Pferd zu formen, ist, selbst zu diesem Reiter zu werden.
Indem Sie lernen, Ihre eigene innere Welt zu meistern, schenken Sie Ihrem Pferd das größte Geschenk: einen verlässlichen Partner und einen sicheren Hafen. Die wahre Reitkunst beginnt nicht im Sattel, sondern in Ihnen selbst.



