Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Spanische und barocke Pferderassen auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

PSSM beim Friesen & Melanome beim PRE: Ein ehrlicher Gesundheits-Check
PSSM beim Friesen & Melanome beim PRE: Ein ehrlicher Gesundheits-Check
Stellen Sie sich vor: Sie stehen vor einer Weide und sehen Ihr Traumpferd. Vielleicht ist es ein majestätischer, nachtschwarzer Friese mit wallender Mähne, der Kraft und Sanftmut ausstrahlt. Oder ein schneeweißer Pura Raza Española (PRE), dessen elegante Erscheinung an Märchen und Legenden erinnert. Die Schönheit dieser barocken Pferde zieht einen schnell in ihren Bann. Doch wahre Liebe zum Pferd blickt über das Äußere hinaus und schließt die Verantwortung für seine Gesundheit mit ein.
Jede Rasse hat ihre Stärken, aber auch ihre genetischen Besonderheiten. Zwei der bekanntesten rassetypischen Herausforderungen sind die Polysaccharid-Speicher-Myopathie (PSSM) beim Friesen und die Neigung zu Melanomen beim Schimmel-PRE. Dieser Artikel dient Liebhabern und potenziellen Käufern als ehrliche, faktenbasierte Entscheidungshilfe. Denn Wissen ist der beste Schutz – für Sie und für Ihr zukünftiges Pferd.
PSSM1 beim Friesen: Wenn der Zucker im Muskel zur Falle wird
Der Friese, oft als „schwarze Perle“ bezeichnet, beeindruckt durch seine imposante Erscheinung und seine kraftvollen Gänge. Doch hinter dieser Fassade kann sich eine genetische Veranlagung verbergen, die besondere Aufmerksamkeit erfordert: PSSM Typ 1.
Was genau ist PSSM1?
Die Polysaccharid-Speicher-Myopathie Typ 1 ist eine vererbbare Muskelerkrankung, die durch eine Mutation im GYS1-Gen verursacht wird. Einfach ausgedrückt führt dieser Gendefekt dazu, dass der Pferdekörper übermäßig viel Zucker (Glykogen) in abnormaler Form in den Muskelzellen speichert. Bei Belastung können die Muskeln diese Energiequelle nicht korrekt nutzen, was zu schmerzhaften Symptomen führt.
Studien zeigen, dass etwa 10–12 % der Friesenpopulation von dieser Mutation betroffen sein könnten – ein Umstand, der die Bedeutung des Themas für Käufer und Besitzer verdeutlicht.
Symptome: Die Warnsignale des Körpers
Die Anzeichen von PSSM1 sind vielfältig und treten oft bei körperlicher Arbeit oder Stress auf. Achten Sie auf folgende Symptome:
- Muskelzittern und -krämpfe: Besonders an der Hinterhand und den Flanken.
- Bewegungsunlust: Das Pferd wirkt steif, „klemmig“ oder weigert sich, vorwärtszugehen.
- Starkes Schwitzen: Auch bei leichter Anstrengung.
- Fester, harter Muskeltonus: Die Muskulatur fühlt sich verhärtet an.
- Dunkler Urin: In schweren Fällen ein Zeichen für Muskelzerfall (Myoglobinurie) – dies ist ein Notfall!
Die Symptome können von leichten Leistungseinbußen bis hin zu schweren, kreuzverschlagähnlichen Episoden reichen.
Management ist der Schlüssel zum Erfolg
Die gute Nachricht: PSSM1 ist kein Todesurteil. Mit einem angepassten Management kann ein betroffenes Pferd oft ein weitgehend normales und glückliches Leben führen. Die beiden wichtigsten Säulen sind:
- Fütterung: Eine strikt zucker- und stärkearme Diät ist entscheidend. Heu sollte die Grundlage bilden – idealerweise analysiert und bei hohem Zuckergehalt gewässert. Kraftfutter sollte durch fett- und faserbasierte Alternativen ersetzt werden.
- Bewegung: Tägliche, gleichmäßige Bewegung ist essenziell. Lange Stehtage sind Gift für PSSM-Pferde, da sich der „falsche“ Zucker in den Muskeln anreichert. Regelmäßiges Training in moderater Intensität hilft, den Stoffwechsel im Gleichgewicht zu halten.
Für einen detaillierten Einblick in die Rasse und ihre Eigenschaften empfehlen wir unseren Artikel über [Der Friese: Die schwarze Perle aus Friesland].
Melanome beim Schimmel-PRE: Die Schattenseite der weißen Pracht
Ein weißer Andalusier – für viele der Inbegriff des spanischen Pferdes. Doch die genetische Besonderheit, die für das Ausschimmeln verantwortlich ist, birgt auch ein erhöhtes Risiko für Hauttumore, die sogenannten Melanome.
Warum sind gerade Schimmel betroffen?
Die beeindruckende weiße Farbe entsteht durch das „Grey-Gen“, eine Mutation im STX17-Gen. Dieses Gen führt dazu, dass die Farbpigmente (Melanin) aus den Haaren wandern, während die Haut dunkel pigmentiert bleibt. Gleichzeitig fördert es eine Überproduktion von Pigmentzellen (Melanozyten) in der Haut, was zur Bildung von Melanomen führen kann.
Forschungen belegen, dass bis zu 80 % aller Schimmel, die älter als 15 Jahre sind, Melanome entwickeln. [Das Pura Raza Española (PRE) Pferd: Spaniens ganzer Stolz] ist oft von dieser Thematik betroffen, da ein großer Teil der Population aus Schimmeln besteht.
Gutartig oder bösartig? Eine Frage der Beobachtung
Die meisten Melanome bei Schimmeln sind zunächst gutartig. Sie wachsen langsam und treten typischerweise an bestimmten Stellen auf:
- Unter der Schweifrübe
- Rund um den Anus und die Genitalien
- An den Lippen, Augenlidern und im Ohrbereich
- In der Ganaschenregion
Obwohl sie oft harmlos beginnen, können sie durch ihre Größe oder Lage mechanische Probleme verursachen, zum Beispiel beim Äppeln oder Auftrensen. In selteneren Fällen können Melanome bösartig werden und in innere Organe streuen (metastasieren). Eine regelmäßige Kontrolle durch den Besitzer und den Tierarzt ist deshalb unerlässlich.
Management: Wachsamkeit und Pflege
Anders als bei PSSM gibt es für Melanome keine Management-Strategie, die auf Fütterung oder Bewegung basiert. Die wichtigste Maßnahme ist die regelmäßige und gründliche Kontrolle des gesamten Pferdekörpers.
- Regelmäßige Checks: Tasten Sie die Prädilektionsstellen mindestens einmal im Monat ab.
- Dokumentation: Fotografieren Sie Veränderungen und notieren Sie Größe und Wachstum der Knoten.
- Tierärztliche Absprache: Ziehen Sie bei neuen oder schnell wachsenden Knoten sofort Ihren Tierarzt hinzu. Er kann entscheiden, ob eine Entfernung oder eine Biopsie sinnvoll ist.
Direkter Vergleich: PSSM vs. Melanome – Was bedeutet das für den Käufer?
| Merkmal | PSSM Typ 1 (beim Friesen) | Melanome (beim Schimmel-PRE) |
|---|---|---|
| Ursache | Genetische Mutation (GYS1-Gen), Stoffwechselstörung | Genetische Veranlagung (Grey-Gen), Überproduktion von Pigmentzellen |
| Diagnose | Eindeutiger Gentest (Blut-/Haarprobe) | Visuelle Inspektion, Abtasten, Biopsie zur Abklärung |
| Management | Tägliches Management (Fütterung, Bewegung) | Regelmäßige Beobachtung, ggf. chirurgischer Eingriff |
| Auswirkungen | Akute, schmerzhafte Episoden möglich, beeinträchtigt die Nutzung | Meist langsam wachsend und kosmetisch, kann aber mechanisch stören oder bösartig werden |
| Prävention | Anpaarung von getesteten Tieren; Management verhindert Symptome | Keine Prävention möglich; Früherkennung ist entscheidend |
Verantwortung beim Pferdekauf: Wissen schützt vor Enttäuschungen
Ein Pferdekauf ist eine emotionale und finanzielle Investition. Umso wichtiger ist es, sich vorab ehrlich mit den gesundheitlichen Aspekten auseinanderzusetzen.
- Ankaufsuntersuchung (AKU): Eine gründliche AKU durch einen unabhängigen Tierarzt ist unerlässlich. Sprechen Sie rassetypische Probleme gezielt an.
- Gentests anfordern: Beim Kauf eines Friesen sollten Sie auf einem negativen PSSM1-Test bestehen oder den Status des Pferdes kennen, um das Management entsprechend planen zu können.
- Genauer Blick beim Schimmel: Untersuchen Sie einen Schimmel-Kandidaten gründlich auf bereits vorhandene Melanome. Fragen Sie den Besitzer nach der Entwicklung bekannter Knoten.
Neben der Genetik beeinflusst auch die passende Ausrüstung die Gesundheit eines Pferdes ganz maßgeblich. Ein schlecht sitzender Sattel kann zu Verspannungen und Schmerzen führen, die gerade bei Pferden mit muskulären Vorbelastungen wie PSSM problematisch sein können. Die kompakte, kräftige Anatomie barocker Pferde stellt besondere Anforderungen an die Passform.
(Partnerhinweis) Spezialisierte Hersteller wie Iberosattel haben Konzepte entwickelt, die auf den kurzen Rücken und die breite Schulter von Friesen und PREs zugeschnitten sind und so zur Gesunderhaltung beitragen.
Ein gesundes und gut trainiertes Pferd ist die beste Basis für gemeinsame Freude, beispielsweise in Disziplinen wie der [Working Equitation: Die moderne iberische Reitweise], die Körper und Geist dieser intelligenten Tiere fordert.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sollte ich den Kauf eines Friesen oder Schimmel-PRE also meiden?
Nein, auf keinen Fall. Es geht darum, eine informierte Entscheidung zu treffen. Ein PSSM1-positives Pferd kann mit dem richtigen Management ein wunderbarer Partner sein. Ein Schimmel kann bis ins hohe Alter frei von problematischen Melanomen bleiben. Seien Sie sich der potenziellen Herausforderungen bewusst und prüfen Sie ehrlich, ob Sie bereit sind, die entsprechende Verantwortung zu übernehmen.
Kann man PSSM1 heilen?
Nein, da es sich um einen Gendefekt handelt, ist PSSM1 nicht heilbar. Die Symptome lassen sich aber durch ein konsequentes Management aus Fütterung und Bewegung sehr gut kontrollieren.
Sind alle Melanome bei Schimmeln gefährlich?
Nein, die überwiegende Mehrheit ist gutartig und wächst sehr langsam. Die Gefahr besteht darin, dass sie an ungünstigen Stellen wachsen oder in seltenen Fällen entarten. Daher ist die regelmäßige Kontrolle so wichtig.
Wie teuer ist ein Gentest auf PSSM1?
Ein Gentest ist eine einmalige und überschaubare Investition, meist unter 100 Euro, die absolute Klarheit über den Status des Pferdes verschafft. Er kann über jeden Zuchtverband oder direkt bei spezialisierten Laboren beauftragt werden.
Fazit: Informierte Liebe ist die beste Basis
Die Entscheidung für ein Pferd ist immer eine Herzensangelegenheit. Doch das Herz sollte Hand in Hand mit dem Verstand gehen. Sowohl Friesen als auch Pura Raza Española sind faszinierende Rassen mit einzigartigen Charakteren. Ihre rassetypischen Gesundheitsthemen sind kein Grund zur Panik, sondern ein Aufruf zu verantwortungsvollem Handeln.
Wenn Sie sich transparent informieren, gezielte Fragen stellen und wissen, worauf Sie achten müssen, schaffen Sie die bestmögliche Grundlage für eine lange, gesunde und glückliche Partnerschaft mit Ihrem Traumpferd. Sie verwandeln Unsicherheit in Kompetenz und legen den Grundstein für eine Zukunft, in der die Freude am Pferd im Mittelpunkt steht.



