Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Spanische und barocke Pferderassen auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Ein PRE aus Spanien importieren: Der komplette Leitfaden von der Auswahl bis zum Transport
Der Gedanke allein ist schon magisch: Sie stehen auf einer sonnenverwöhnten Finca in Andalusien, umgeben von stolzen Pferden mit wallenden Mähnen, und suchen sich Ihren Traum-PRE direkt in seiner Heimat aus. Was für viele Reiter wie ein ferner Traum klingt, ist in der Realität ein greifbares und lohnendes Abenteuer – wenn man weiß, wie.
Doch die schiere Auswahl kann überwältigend sein. Wussten Sie, dass laut der Züchtervereinigung ANCCE über 270.000 Pura Raza Española Pferde weltweit registriert sind, der weitaus größte Teil davon in Spanien? Zum Vergleich: In Deutschland sind es nur rund 6.000 PREs. Diese Zahlen machen deutlich, welch immense Vielfalt Sie in Spanien erwartet, aber auch, wie wichtig eine sorgfältige Planung ist. Dieser Leitfaden führt Sie Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess, von der ersten Suche bis zur Ankunft Ihres neuen Partners im heimischen Stall.
Phase 1: Die Suche – Wo Sie Ihr Traumpferd in Spanien finden
Die Suche beginnt meist digital, doch die Entscheidung fällt vor Ort. Die Kunst liegt darin, seriöse Quellen von weniger vertrauenswürdigen zu unterscheiden und die richtigen Kontakte zu knüpfen.
Züchter, Vermittler oder Online-Portale?
Jeder Weg hat seine Vor- und Nachteile. Online-Verkaufsportale bieten einen schnellen Überblick, doch die Qualität der Anzeigen variiert stark. Der direkte Kontakt zu renommierten Züchtern (Yeguadas) ist oft der beste Weg, um Pferde mit transparenter Historie und guter Aufzucht zu finden.
Eine oft unterschätzte, aber entscheidende Rolle spielen professionelle Vermittler. Die größten Hürden für deutsche Käufer sind nicht nur die Sprachbarriere, sondern auch kulturelle Unterschiede und die geografische Distanz. Eine vertrauenswürdige Person vor Ort ist daher oft der Schlüssel zum Erfolg: Sie kennt den Markt, koordiniert Termine und steht bei Bedarf als Übersetzerin zur Seite.
Checkliste für Ihre Vorauswahl
Bevor Sie Ihre Reise planen, sollten Sie Ihre Kriterien so genau wie möglich definieren. Das spart Zeit und verhindert Enttäuschungen.
- Ausbildungsstand: Suchen Sie ein Jungpferd zur eigenen Ausbildung oder ein bereits gerittenes Pferd?
- Abstammung und Papiere: Legen Sie Wert auf eine bestimmte Blutlinie oder Körung? Die Eigenschaften und der Charakter eines Pura Raza Española (PRE) sind vielfältig und oft liniengeprägt.
- Charakter und Eignung: Suchen Sie einen verlässlichen Freizeitpartner oder ein talentiertes Pferd für die Working Equitation?
- Preisrahmen: Definieren Sie ein realistisches Budget, das nicht nur den Kaufpreis, sondern auch alle Importkosten abdeckt.
Phase 2: Die Prüfung vor Ort – Besichtigung und Ankaufsuntersuchung
Wenn Sie eine engere Auswahl getroffen haben, beginnt der spannendste Teil: die Reise nach Spanien. Planen Sie genügend Zeit ein, um mehrere Pferde bei verschiedenen Züchtern zu besuchen.
Der entscheidende Moment: Worauf Sie beim Probereiten achten sollten
Lassen Sie sich das Pferd zunächst vom Verkäufer vorreiten, um einen ersten Eindruck von seiner Rittigkeit und seinem Ausbildungsstand zu bekommen. Achten Sie auf den allgemeinen Pflegezustand, das Verhalten im Umgang und die Reaktion auf Hilfen. Beim eigenen Probereiten gilt: Fühlen Sie sich wohl und sicher? Entspricht das Temperament des Pferdes Ihren Erwartungen?
Die Ankaufsuntersuchung (AKU): Ihre wichtigste Absicherung
Niemals ohne! Eine gründliche Ankaufsuntersuchung durch einen unabhängigen Tierarzt ist beim Import unerlässlich. Die Kosten dafür liegen in Spanien je nach Umfang zwischen 500 und 1.500 €.
- Kleine AKU: Klinische Untersuchung (Abhören, Beugeproben, Allgemeinzustand).
- Große AKU: Zusätzlich ein kompletter Satz Röntgenbilder (üblicherweise 18-22 Bilder).
Für einen Import ist eine große AKU mit Röntgenbildern der absolute Standard. Bestehen Sie darauf, einen Tierarzt Ihrer Wahl zu beauftragen, idealerweise einen, der Englisch oder sogar Deutsch spricht, oder ziehen Sie Ihren Vermittler zur Übersetzung hinzu. So können Sie sicher sein, den Befund vollständig zu verstehen und Missverständnisse zu vermeiden.
Phase 3: Der Papierkram – Welche Dokumente unverzichtbar sind
Die spanische Bürokratie hat ihre Eigenheiten. Umso wichtiger ist es, auf die Vollständigkeit aller Papiere zu achten. Folgende Dokumente sind für einen reibungslosen Besitzwechsel und Transport unerlässlich:
- Kaufvertrag (Contrato de Compraventa): Halten Sie alle Details schriftlich fest – Name des Pferdes, Chipnummer, Kaufpreis, Namen und Adressen von Käufer und Verkäufer.
- Eigentumsurkunde (Carta de Titularidad): Dies ist der „Fahrzeugbrief“ des Pferdes. Der Verkäufer muss den Besitzwechsel hier eintragen und an den spanischen Zuchtverband (ANCCE) senden.
- Equidenpass (Pasaporte Equino): Der offizielle Pass des Pferdes, der alle wichtigen Informationen enthält.
- Gesundheitszeugnis (TRACES): Für den Transport innerhalb der EU ist ein offizielles Gesundheitszeugnis erforderlich, das von einem Amtstierarzt ausgestellt wird. Seriöse Transportunternehmen kümmern sich in der Regel um die Organisation dieses Dokuments.
Phase 4: Der Transport – So kommt Ihr PRE sicher in den neuen Stall
Ein spezialisiertes Transportunternehmen ist für die lange Reise von Spanien nach Deutschland die beste Wahl. Diese Firmen sind auf Langstrecken spezialisiert und gewährleisten, dass die Pferde unterwegs regelmäßig versorgt und kontrolliert werden.
Die Kosten für einen Sammeltransport belaufen sich in der Regel auf 800 bis 1.500 €. Die Reise dauert je nach Route und Startpunkt zwischen zwei und vier Tagen. Bereiten Sie Ihr Pferd gut auf die Reise vor, indem Sie sicherstellen, dass es an das Tragen eines Halfters und das Verladen gewöhnt ist.
Wenn Ihr neues Familienmitglied dann endlich ankommt, beginnt die spannende Zeit der Eingewöhnung. Geben Sie ihm Zeit, sich an die neue Umgebung, das Futter und das Klima zu gewöhnen. Ebenso entscheidend für sein Wohlbefinden ist von Anfang an die passende Ausrüstung. Der Rücken eines PRE ist oft kürzer und breiter als der eines typischen Warmbluts. Ein Sattel, der auf diese spezielle Anatomie ausgelegt ist, ist entscheidend für die Rückengesundheit und den Trainingserfolg. Spezialisierte Hersteller wie Iberosattel bieten hierfür durchdachte Konzepte, die eine optimale Druckverteilung und Schulterfreiheit für barocke Pferdetypen gewährleisten.
Kostenübersicht: Mit diesem Budget sollten Sie planen
Neben dem reinen Kaufpreis fallen weitere Kosten an, die Sie von Anfang an einplanen sollten.
- Kaufpreis: Stark variabel, von ca. 5.000 € für ein solides Freizeitpferd bis weit in den fünfstelligen Bereich für gekörte Hengste oder hoch ausgebildete Pferde.
- Ankaufsuntersuchung (groß): ca. 500 € – 1.500 €
- Transport nach Deutschland: ca. 800 € – 1.500 €
- Papiere & Verwaltung (Umschreibung, Gesundheitszeugnis): ca. 200 € – 300 €
Gesamte Nebenkosten (ohne Kaufpreis): Rechnen Sie mit zusätzlichen 1.500 € bis 3.300 € für einen reibungslosen Import.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Pferdeimport aus Spanien
Muss ich fließend Spanisch sprechen, um ein Pferd zu importieren?
Nein, es ist nicht zwingend erforderlich, erleichtert die Kommunikation aber ungemein. Falls Ihre Spanischkenntnisse nicht ausreichen, ist die Zusammenarbeit mit einem zweisprachigen Vermittler oder einer Agentur dringend zu empfehlen, um Missverständnisse bei Verträgen und tierärztlichen Befunden zu vermeiden.
Wie lange dauert der gesamte Prozess von der Suche bis zur Ankunft?
Das hängt stark von Ihrer Planung ab. Rechnen Sie realistisch mit einem Zeitraum von 4 bis 8 Wochen. Die Suche kann variieren, die Organisation von Reise und AKU dauert etwa ein bis zwei Wochen, und der Transport sowie die Ummeldung der Papiere nehmen weitere zwei bis vier Wochen in Anspruch.
Gibt es einen Unterschied zwischen einem PRE und einem Andalusier?
Ja, auch wenn die Begriffe oft synonym verwendet werden. Ein PRE (Pura Raza Española) ist ein Andalusier mit offiziellen, vom spanischen Zuchtverband ANCCE anerkannten Abstammungspapieren. Ein Andalusier ohne diese Papiere gilt formal als „Caballo de Pura Raza Andaluza“ und ist nicht im Stutbuch eingetragen.
Was sind die größten Risiken beim Kauf im Ausland?
Die größten Risiken sind versteckte gesundheitliche Mängel und unvollständige oder falsche Papiere. Beide Risiken können Sie durch eine gründliche Ankaufsuntersuchung bei einem unabhängigen Tierarzt und die sorgfältige Prüfung aller Dokumente vor der Zahlung minimieren.
Fazit: Ein Abenteuer mit Happy End
Der Kauf eines PRE in Spanien ist mehr als nur ein Pferdekauf – es ist eine Reise zu den Wurzeln dieser faszinierenden Rasse. Mit sorgfältiger Vorbereitung, den richtigen Partnern an Ihrer Seite und einem klaren Verständnis des Prozesses verwandelt sich der Traum vom eigenen spanischen Pferd in eine realistische und erfüllende Erfahrung. Der Lohn ist ein treuer Partner, der die Sonne und den Stolz seiner Heimat in Ihren Stall bringt.
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