Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Alta Escuela auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Alta Escuela mit untypischen Barockrassen: Das Potenzial von Kladrubern, Murgesen und Knabstruppern
Schließt man die Augen und denkt an die Hohe Schule, steigen oft die gleichen Bilder auf: ein feuriger Pura Raza Española (PRE), der majestätisch durch eine spanische Arena piaffiert, oder ein eleganter Lipizzaner, der in der Wiener Hofreitschule die Levade zelebriert. Dies sind Ikonen, die das Bild der Alta Escuela geprägt haben.
Doch abseits der großen Bühnen wartet eine Welt voller verkannter Talente – Pferde, deren barockes Erbe und einzigartige Fähigkeiten sie zu faszinierenden Partnern für die Lektionen über der Erde machen. Was, wenn die nächste Legende der Hohen Schule nicht aus Andalusien, sondern aus Böhmen, Apulien oder Dänemark stammt? Begleiten Sie uns auf eine Reise zu drei außergewöhnlichen Barockrassen, die das Zeug dazu haben, die Herzen von Liebhabern der klassischen Dressur im Sturm zu erobern.
Was ein Pferd zur Legende der Hohen Schule macht
Die Hohe Schule ist mehr als nur eine Abfolge von Lektionen; sie ist die ultimative Form der Gymnastizierung und des Dialogs zwischen Reiter und Pferd. Sie erfordert ein Höchstmaß an Versammlung, Kraft und mentaler Gelassenheit. Ein Pferd, das sich für diese Kunst eignet, bringt eine Kombination besonderer Merkmale mit:
- Ein barockes Exterieur: Ein kompakter, gut bemuskelter Körper mit einem kräftigen Rücken und einer starken, tragfähigen Hinterhand bildet die physische Grundlage.
- Hohe Versammlungsbereitschaft: Die Fähigkeit, das Gewicht auf die Hinterhand zu verlagern und die Vorhand anzuheben, ist essenziell für Lektionen wie Piaffe, Passage und die Schulsprünge.
- Ein kooperativer Charakter: Intelligenz, Lernwille und eine hohe Sensibilität sind entscheidend, um die feinen Hilfen des Reiters zu verstehen und umzusetzen.
- Mentale Stärke: Die anspruchsvollen Übungen erfordern ein Pferd, das auch unter Druck gelassen bleibt und Freude an der gemeinsamen Arbeit hat.
Während PREs und Lusitanos diese Merkmale zweifellos verkörpern, besitzen auch andere barocke Pferderassen ein verborgenes Potenzial, das es zu entdecken gilt.
Jenseits der Iberischen Halbinsel: Drei verkannte Talente
Einige Rassen, die historisch für andere Zwecke gezüchtet wurden – etwa als imposante Kutschpferde oder robuste Kavalleriepferde –, bringen eine überraschende Eignung für die höchste Form der Reitkunst mit. Ihre Stärke, ihr ausgeglichenes Wesen und ihre einzigartige Ausstrahlung machen sie zu einer spannenden Alternative.
Der Kladruber: Imperiale Kraft aus Böhmen
Der Kladruber, eine der ältesten Pferderassen der Welt, wurde am Hof der Habsburger primär als majestätisches Wagenpferd gezüchtet. Sein imposantes Erscheinungsbild mit dem charakteristischen Ramskopf, dem kräftigen Hals und dem muskulösen Körperbau strahlt eine Kraft und Ruhe aus, die ihn zu einem Geheimtipp für die Hohe Schule machen.
Seine historische Verwendung vor der Kutsche förderte eine enorme Schubkraft aus der Hinterhand und einen unerschütterlichen Charakter. Diese physische Stärke ermöglicht es ihm, anspruchsvolle versammelte Lektionen wie die Piaffe oder die Passage mit beeindruckender Souveränität zu meistern. Im Gegensatz zu leichteren Rassen mag er vielleicht nicht die spritzige Wendigkeit eines Iberers besitzen, doch er kompensiert dies durch eine stoische Gelassenheit und eine immense Tragkraft. Sein sanftes Wesen macht ihn zu einem verlässlichen Partner, den so schnell nichts aus der Ruhe bringt.
Der Murgese: Italiens schwarze Perle
Aus den kargen Hochebenen Apuliens stammt der Murgese, ein Pferd, dessen Zähigkeit und Eleganz gleichermaßen beeindrucken. Ursprünglich als robustes Pferd für die Landwirtschaft und die leichte Kavallerie gezüchtet, vereint er Trittsicherheit, Ausdauer und einen extrem kooperativen Geist.
Sein kompakter, quadratischer Körperbau und seine starke Bemuskelung prädestinieren ihn für die Versammlung. Murgesen gelten als besonders menschenbezogen und lernwillig, was die Ausbildung in den anspruchsvollen Lektionen der Alta Escuela erleichtert. Dank ihrer natürlichen Balance und ihres eifrigen Charakters begreifen sie schnell, was von ihnen gefordert wird. Während sie vielleicht nicht die explosive Energie manch anderer Barockrassen mitbringen, punkten sie mit Zuverlässigkeit und einer tiefen inneren Ruhe. Sie sind die unaufgeregten Athleten, die mit stetiger Leistungsbereitschaft überzeugen und eine tiefe Bindung zu ihrem Reiter aufbauen.
Der Knabstrupper: Der getupfte Künstler Dänemarks
Der Knabstrupper ist nicht nur wegen seiner einzigartigen Fellzeichnung ein Hingucker. Diese dänische Rasse hat ihre Wurzeln in den königlichen Höfen Europas und wurde schon früh für ihre Intelligenz und Dressurbegabung geschätzt. Historisch eng mit den Pferden der spanischen Reitschulen verwandt, wurden sie nicht nur als Reitpferde, sondern auch in Zirkusarenen für ihre Gelehrigkeit gefeiert.
Gerade dieser Hintergrund macht sie zu idealen Kandidaten für die Hohe Schule und Zirkuslektionen. Knabstrupper sind bekannt für ihren wachen Geist und ihren Wunsch, dem Menschen zu gefallen. Diese ‚Will to Please‘-Mentalität macht das Training oft zu einer wahren Freude. Sie lernen schnell, begreifen komplexe Aufgaben und zeigen oft eine spielerische Leichtigkeit bei der Arbeit. Ihre Konstitution kann innerhalb der Rasse variieren, doch ein gut gebauter Knabstrupper mit barockem Fundament vereint die nötige Kraft mit einer außergewöhnlichen Trainierbarkeit.
Worauf Sie bei der Ausbildung achten sollten
Die Ausbildung untypischer Barockrassen für die Hohe Schule erfordert ein tiefes Verständnis für die individuellen Stärken und Schwächen des jeweiligen Pferdes.
- Geduld und Gymnastizierung: Rassen wie der Kladruber benötigen eine sorgfältige gymnastizierende Vorbereitung, um ihre enorme Kraft in elegante Leichtigkeit zu verwandeln. Dabei sollte der Fokus zunächst auf Dehnung und der Aktivierung der Hinterhand liegen, bevor es an die hohe Versammlung geht.
- Motivation erhalten: Intelligente Rassen wie der Knabstrupper brauchen abwechslungsreiches Training, um motiviert zu bleiben. Spielerische Elemente und positive Verstärkung sind hier der Schlüssel zum Erfolg.
- Die passende Ausrüstung: Der Körperbau dieser Pferde stellt besondere Anforderungen an die Ausrüstung, denn ein kurzer, breiter Rücken, eine ausgeprägte Schulter oder ein kräftiger Widerrist sind keine Seltenheit. Der Erfolg des Trainings steht und fällt mit dem Wohlbefinden des Pferdes – deshalb ist ein passender Sattel für barocke Pferde unerlässlich. Er muss nicht nur dem Reiter optimalen Halt geben, sondern vor allem dem Pferd volle Bewegungsfreiheit garantieren, damit es die Muskulatur korrekt aufbauen kann. Hersteller wie Iberosattel haben sich beispielsweise auf solche anatomischen Besonderheiten spezialisiert und bieten durchdachte Lösungen, die eine gesunde Entwicklung fördern.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind diese Rassen für Anfänger in der Hohen Schule geeignet?
Ja, insbesondere der Murgese und der Kladruber können aufgrund ihres ruhigen und ausgeglichenen Wesens sehr gute Partner für Reiter sein, die gerade erst in die Welt der Hohen Schule einsteigen. Ihre Geduld verzeiht auch mal einen Reiterfehler und gibt Sicherheit.
Wie unterscheiden sie sich im Training von einem PRE oder Lusitano?
Während iberische Pferde oft eine natürliche Veranlagung für hohe Versammlung und eine gewisse ‚Show-Attitüde‘ mitbringen, erfordern Rassen wie der Kladruber oft mehr gezielte Grundlagenarbeit zur Gymnastizierung und Mobilisierung. Dafür punkten sie mit mentaler Stärke und Robustheit.
Ist es schwieriger, einen passenden Sattel für Kladruber oder Murgesen zu finden?
Es kann eine Herausforderung sein, da ihr Körperbau (kurzer Rücken, breite Schulter) oft nicht zu Sätteln von der Stange passt. Eine professionelle Sattelberatung und die Wahl eines spezialisierten Herstellers, dessen Sättel anpassbar sind, sind hier entscheidend für die Rückengesundheit und den Trainingserfolg.
Fazit: Ein Plädoyer für die Vielfalt in der Arena
Die Welt der Alta Escuela ist reicher und vielfältiger, als es auf den ersten Blick scheint. Kladruber, Murgesen und Knabstrupper sind der lebende Beweis dafür, dass Talent und Anmut in vielen Formen zu finden sind. Sie fordern uns auf, über den Tellerrand zu blicken und die einzigartigen Qualitäten zu schätzen, die jede Rasse in die anspruchsvolle Kunst der klassischen Dressur einbringt.
Wer sich auf diese Pferde einlässt, wird nicht nur einen fähigen Sportpartner finden, sondern auch ein Stück lebendige europäische Pferdekultur entdecken. Es ist an der Zeit, diesen verborgenen Juwelen die Bühne zu geben, die sie verdienen.



