Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Reiturlaub, Events und Feste auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Die Portugiesische Hofreitschule (EPAE): Ein Besuch bei den Meistern in Lissabon
Stellen Sie sich vor, Sie betreten eine andere Zeit. Reiter in prachtvollen Uniformen des 18. Jahrhunderts gleiten auf majestätischen, braunen Pferden durch eine lichtdurchflutete Reitbahn. Jede ihrer Bewegungen zeugt von purer Harmonie, einer jahrhundertealten Choreografie aus Kraft und Eleganz. Dies ist keine Szene aus einem Historienfilm, sondern der lebendige Alltag in der Escola Portuguesa de Arte Equestre (EPAE) – der Portugiesischen Hofreitschule in Lissabon. Ein Besuch hier ist mehr als nur eine touristische Attraktion; es ist eine Reise zu den Wurzeln der europäischen Reitkultur.
Ein lebendiges Museum der Reitkunst
Die Portugiesische Hofreitschule ist eine der vier großen klassischen Reitschulen Europas, oft in einem Atemzug mit der Spanischen Hofreitschule in Wien, dem Cadre Noir in Saumur und der Königlich-Andalusischen Reitschule in Jerez genannt. Ihre Mission ist es, die traditionelle portugiesische Reitkunst zu bewahren und vorzuführen, so wie sie am königlichen Hof im 18. Jahrhundert praktiziert wurde.
Gegründet wurde die Schule offiziell erst 1979, doch ihre geistigen Wurzeln reichen viel weiter zurück. Sie ist die direkte Nachfolgerin der Real Academia Equestre, der königlichen Reitakademie, die von 1726 bis zur napoleonischen Invasion 1807 bestand. Unter der Leitung von Visionären wie Dr. Filipe Graciosa wurde dieses einzigartige Kulturerbe wiederbelebt und für die Nachwelt erhalten.
Die Stars der Arena: Die Alter-Real-Lusitanos
Im Mittelpunkt der Schule stehen ihre Pferde. Die EPAE arbeitet ausschließlich mit Hengsten der Rasse Alter Real, einer besonders edlen Zuchtlinie der berühmten Lusitano-Pferde. Diese Pferde, bekannt für ihre charakteristische braune Farbe, sind das Ergebnis einer Zuchttradition, die im 18. Jahrhundert eigens für den königlichen Hof ins Leben gerufen wurde.
Doch was macht diese Pferde so besonders? Es ist ihre einzigartige Kombination aus Mut, Intelligenz, Agilität und einem barocken Körperbau, die sie für die anspruchsvollen Lektionen prädestiniert. Ihr kurzes, kräftiges Fundament und ihre natürliche Versammlungsfähigkeit ermöglichen es ihnen, selbst anspruchsvollste Übungen mit einer scheinbaren Leichtigkeit auszuführen, die den Zuschauern den Atem raubt.
Die Kunst der Meister: Das Repertoire der EPAE
Ein Besuch bei einer Gala oder einem Training der EPAE gleicht einer Lehrstunde in der Geschichte der klassischen Dressur. Das Repertoire basiert auf den Lehren großer Reitmeister des 18. Jahrhunderts und umfasst sowohl Arbeit an der Hand als auch gerittene Übungen. Höhepunkte jeder Vorführung sind zweifellos die spektakulären „Schulen über der Erde“.
Diese Lektionen der Hohen Schule sind der höchste Ausdruck von Vertrauen, Kraft und Gymnastizierung des Pferdes:
- Levade: Das Pferd hebt seine Vorhand und verharrt in einem Winkel von etwa 35 Grad, wobei das gesamte Gewicht auf den stark gebeugten Hinterbeinen lastet.
- Courbette: Aus der Levade springt das Pferd mehrmals auf den Hinterbeinen nach vorne, ohne mit den Vorderbeinen den Boden zu berühren.
- Capriole: Der wohl spektakulärste Sprung, bei dem das Pferd in die Luft steigt und am höchsten Punkt mit den Hinterbeinen kraftvoll ausschlägt.
Neben diesen Solodarbietungen fasziniert die Quadrille, ein präzises „Ballett“ von mehreren Pferden und Reitern, die in perfekter Synchronität komplexe Formationen reiten.
Ihr Besuch bei der Portugiesischen Hofreitschule: Praktische Tipps
Wo finden die Vorführungen statt?
Die Galas und öffentlichen Trainings finden in der Reithalle Henrique Calado im Stadtteil Belém in Lissabon statt, unweit berühmter Sehenswürdigkeiten wie dem Hieronymuskloster und dem Turm von Belém.
Kann man auch das Training besuchen?
Ja, die Schule bietet regelmäßig öffentliche Trainingseinheiten an. Sie geben einen faszinierenden Einblick in die tägliche Arbeit und den geduldigen Ausbildungsweg von Reiter und Pferd. Hier erleben Sie die Reitkunst in ihrer reinsten Form – ohne Musik und Showeffekte.
Was kostet der Eintritt?
Die Preise variieren je nach Veranstaltung (Gala, Training, geführte Tour). Tickets buchen Sie am besten im Voraus online auf der offiziellen Website von Parques de Sintra, dem Betreiber der Schule.
Kann man die Stallungen besichtigen?
Ja, im Rahmen von geführten Touren können Besucher auch einen Blick in die Stallungen werfen und die prächtigen Alter-Real-Hengste aus der Nähe bewundern.
Mehr als eine Show: Das Erbe der EPAE
Die Portugiesische Hofreitschule ist eine lebendige Kultureinrichtung, die ein jahrhundertealtes Wissen über die pferdegerechte Ausbildung bewahrt. Die lange und geduldige Ausbildung, die auf Vertrauen und Respekt basiert, steht als Gegenentwurf zum schnelllebigen modernen Turniersport und ist eine Inspiration für Reiter auf der ganzen Welt. Sie zeigt, zu welcher Harmonie Mensch und Tier fähig sind, wenn die Kunst und das Wohl des Pferdes im Mittelpunkt stehen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zur Spanischen Hofreitschule in Wien?
Der offensichtlichste Unterschied liegt in der Pferderasse: In Wien werden ausschließlich weiße Lipizzanerhengste geritten, während in Lissabon braune Alter-Real-Lusitanos zum Einsatz kommen. Beide Schulen pflegen jedoch die Traditionen der klassischen Reitkunst auf höchstem Niveau.
Darf man während der Vorführung fotografieren?
In der Regel ist das Fotografieren ohne Blitzlicht für den privaten Gebrauch erlaubt. Dennoch sollten Sie sich vor Ort nach den aktuellen Bestimmungen erkundigen, um die Pferde und Reiter nicht zu stören.
Sind die Shows für Kinder geeignet?
Absolut. Die Eleganz der Pferde und die prachtvollen Kostüme faszinieren Zuschauer jeden Alters und machen den Besuch zu einem unvergesslichen Familienerlebnis.
Wie lange dauert eine Vorstellung?
Eine Gala-Vorstellung dauert üblicherweise etwa eineinhalb Stunden. Die öffentlichen Trainings sind oft kürzer und bieten flexiblere Besuchszeiten.
Ein Besuch bei der Escola Portuguesa de Arte Equestre ist eine Verneigung vor der tiefen Verbindung zwischen Mensch und Pferd. Er erinnert uns daran, dass wahre Reitkunst nicht in sportlichen Rekorden, sondern in Geduld, Harmonie und der Bewahrung eines kostbaren kulturellen Erbes liegt.
Partnerhinweis: Die Harmonie zwischen Reiter und Pferd, wie sie bei der EPAE zelebriert wird, beginnt bei der Grundlagenarbeit und der passenden Ausrüstung. Besonders die barocken Pferdetypen mit ihrem kompakten Rücken stellen besondere Anforderungen an den Sattel. Spezialisierte Konzepte, wie sie etwa von Iberosattel entwickelt werden, tragen dieser einzigartigen Anatomie Rechnung und sind ein Schlüssel für eine gesunde, pferdegerechte Ausbildung.



