Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Working Equitation auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Turniertag-Management: So bleiben Pferd und Reiter bis zur letzten Prüfung fit
Die erste Prüfung lief hervorragend: Ihr Pferd war motiviert, die Lektionen saßen und die Richter waren sichtlich angetan. Doch Stunden später, kurz vor dem entscheidenden zweiten Start, ist die Situation eine völlig andere. Ihr Pferd wirkt müde, die spritzige Energie ist verflogen, und auch Ihre eigene Konzentration lässt nach – ein Szenario, das viele Turnierreiter kennen. Es zeigt sich: Oft entscheidet nicht nur das Training im Vorfeld über den Erfolg, sondern das kluge Management der Stunden zwischen den Prüfungen.
Ein Turniertag ist ein Marathon, kein Sprint. Jede Pause wird so zu einer strategischen Gelegenheit, die Batterien von Pferd und Reiter wieder aufzuladen. Wer hier klug agiert, verschafft sich den entscheidenden Vorteil, um auch am späten Nachmittag noch eine Spitzenleistung abrufen zu können. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Pausen optimal nutzen, um Energie, Fokus und Wohlbefinden für Ihr Pferd und sich selbst zu bewahren.
Das Pferd im Fokus: Energie clever managen
Für Ihr Pferd ist eine Turnierprüfung eine intensive körperliche Anstrengung. Dabei verbrennen die Muskeln wertvolle Energie, die in Form von Glykogen gespeichert ist. Studien zeigen, dass diese Speicher bei kurzen, kraftvollen Belastungen – etwa in einer Dressurprüfung oder einem Trail-Parcours – schnell geleert werden. Das Problem: Es dauert mehr als 24 Stunden, um sie wieder vollständig aufzufüllen. Ein kluges Pausenmanagement zielt deshalb darauf ab, die vorhandene Energie zu bewahren und die Regeneration bestmöglich zu unterstützen.
Fütterung in der Pause: Weniger ist mehr
Der Impuls, dem Pferd nach einer Anstrengung eine große Portion Kraftfutter zu geben, ist verständlich, aber kontraproduktiv. Die Verdauung von Getreide und Pellets verbraucht selbst viel Energie und lenkt das Blut von der Muskulatur in den Verdauungstrakt. Zudem können hohe Kraftfuttermengen den Blutzuckerspiegel stark schwanken lassen, was nicht selten zu einem anschließenden Leistungstief führt.
Die bessere Strategie:
- Heu als Basis: Bieten Sie Ihrem Pferd in der Pause kleine, leicht verdauliche Mengen hochwertiges Heu an. Das Kauen beruhigt, hält die Verdauung in einem gesunden Rhythmus und liefert langsam freisetzende Energie, ohne den Organismus zu belasten.
- Mash zur Belohnung: Ein warmes Mash ist nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern hilft auch, den Flüssigkeitshaushalt aufzufüllen. Wählen Sie eine leicht verdauliche Variante ohne zu viel Zucker.
Flüssigkeitshaushalt: Der Schlüssel zur Leistung
Schon ein geringer Flüssigkeitsverlust kann die Leistungsfähigkeit eines Pferdes erheblich reduzieren. Dehydration führt zu dickerem Blut, einer höheren Herzfrequenz und einer schnelleren Ermüdung der Muskeln. Bieten Sie Ihrem Pferd daher regelmäßig frisches Wasser an, auch wenn es scheinbar keinen großen Durst hat. Manche Pferde trinken an fremden Orten schlecht. Ein Schuss Apfelsaft oder etwas Mash im Wasser können helfen, es schmackhafter zu machen.
Aktive Erholung statt passiver Pause
Das Pferd nach der Prüfung einfach in der Box oder am Hänger abzustellen, führt oft zu steifen Muskeln in der nächsten Prüfung. Während der Belastung bildet sich Laktat (Milchsäure) in den Muskeln, das zu Ermüdung und Steifheit führt.
Was wirklich hilft:
- Schritt führen: Führen oder reiten Sie Ihr Pferd nach einer kurzen Verschnaufpause für 10 bis 15 Minuten im lockeren Schritt. Diese leichte Bewegung fördert die Durchblutung und hilft dem Körper, Stoffwechselendprodukte wie Laktat schneller abzubauen. Die Muskulatur bleibt locker und geschmeidig.
Ausrüstungs-Check: Druck rausnehmen
Die Ausrüstung, die in der Prüfung für Stabilität sorgt, kann in der Pause zur Belastung werden.
- Sattel lockern oder abnehmen: Lockern Sie den Sattelgurt deutlich oder nehmen Sie den Sattel für eine Weile komplett ab. Das entlastet die Rückenmuskulatur, lässt die Haut atmen und beugt Druckstellen vor. Gerade bei den oft kurzen, kräftigen Rücken barocker Pferde ist eine passende Ausrüstung entscheidend, um Druck von Beginn an zu minimieren. Die richtige Ausrüstung für barocke Pferde ist daher mehr als nur Zubehör – sie ist ein Teil des Gesundheitsmanagements.
- Beinschutz entfernen: Nehmen Sie Gamaschen und Bandagen ab, um einen Hitzestau zu vermeiden und den Sehnen die Möglichkeit zum Abkühlen zu geben.
Ein perfekt angepasster Sattel, wie ihn spezialisierte Manufakturen wie Iberosattel für die Anatomie barocker Pferde entwickeln, verteilt den Druck gleichmäßig und beugt Verspannungen vor, die sich über den Tag summieren würden.
Der Reiter im Mittelpunkt: Konzentration und Energie bewahren
Nicht nur das Pferd braucht ein gutes Management – auch Sie als Reiter sind ein Athlet. Ihre körperliche und mentale Verfassung hat direkten Einfluss auf die Leistung Ihres Pferdes.
Der richtige Treibstoff für den Reiter
Ein schweres Mittagessen macht müde und träge. Setzen Sie stattdessen auf leichte, kohlenhydratreiche Snacks, die schnell Energie liefern, ohne den Körper zu belasten.
- Bewährte Energielieferanten: Bananen, Müsliriegel, Nüsse oder ein belegtes Vollkornbrot sind ideale Begleiter für den Turniertag.
- Trinken nicht vergessen: Flüssigkeitsmangel führt auch bei Reitern schnell zu Konzentrationsschwäche und Kopfschmerzen. Wasser oder leicht isotonische Getränke halten Sie fit.
Mentale Stärke: Den Fokus neu kalibrieren
Zwischen den Prüfungen mental abzuschalten, ist wichtig, um nicht auszubrennen. Finden Sie eine Balance zwischen Entspannung und dem Bewahren der nötigen Grundspannung.
- Visualisierung: Gehen Sie die nächste Aufgabe im Kopf durch. Stellen Sie sich einen perfekten Ritt vor.
- Atemübungen: Wenige tiefe Atemzüge können helfen, Nervosität abzubauen und den Puls zu senken.
- Bewusste Ablenkung: Ein Gespräch mit Freunden, Ihre Lieblingsmusik oder das Beobachten anderer Reiter kann helfen, den Kopf freizubekommen und den Druck zu reduzieren.
Praxis-Beispiel: Ein Turniertag in der Working Equitation
Gerade in einer so vielseitigen Disziplin wie der Working Equitation, die Konzentration, Präzision und am Ende auch Geschwindigkeit verlangt, ist ein kluges Pausenmanagement entscheidend.
- Nach der Dressur: Das Pferd war hier mental gefordert. Nach dem Abreiten und Versorgen steht eine lange Schrittphase an. Der Reiter nutzt die Zeit, um den Trail-Parcours abzugehen und sich die Linien einzuprägen. Ein leichter Snack gibt neue Kraft für die nächste Runde.
- Nach dem Trail: Bei dieser Aufgabe war Präzision gefragt. Das Pferd bekommt Heu und Wasser, der Sattel wird gelockert. Der Reiter analysiert kurz den Ritt, legt dann aber den Fokus komplett auf die bevorstehende Speed-Prüfung. Kurze Dehnübungen halten den eigenen Körper locker.
- Vor dem Speed-Trail: Die letzte Prüfung erfordert maximale Energie von Pferd und Reiter. Das Warm-up ist kurz und knackig, um die verbliebenen Kraftreserven zu schonen. Der Reiter fokussiert sich mit Atemübungen und positiven Gedanken.
Dieser strukturierte Ablauf hilft, die Herausforderungen eines langen Tages zu meistern, der für spanische Pferde und ihre Reiter gleichermaßen anspruchsvoll ist.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie lange sollte die Pause zwischen zwei Prüfungen idealerweise sein?
Optimal sind zwei bis vier Stunden. Das gibt dem Pferd genug Zeit, sich körperlich zu erholen, ohne dass es mental „herunterfährt“. Bei kürzeren Pausen ist die aktive Erholung (Schritt führen) umso wichtiger.
Sollte ich meinem Pferd Elektrolyte geben?
An einem normalen Turniertag bei moderaten Temperaturen ist das meist nicht nötig, sofern das Pferd ausreichend Raufutter und Zugang zu einem Salzleckstein hat. Bei großer Hitze und starkem Schwitzen kann eine Elektrolytgabe über das Mash oder Trinkwasser sinnvoll sein.
Was kann ich tun, wenn mein Pferd auf dem Turnier nicht trinken will?
Probieren Sie, Wasser von zu Hause mitzubringen, da fremdes Wasser oft anders riecht und schmeckt. Ein Schuss Apfelsaft oder etwas Mash im Wasser aufgelöst können die Akzeptanz ebenfalls erhöhen.
Wie gehe ich mit meiner eigenen Nervosität zwischen den Prüfungen um?
Akzeptieren Sie die Anspannung als Teil des Wettkampfs. Strukturieren Sie Ihre Pause mit festen Abläufen (Pferd versorgen, Parcours abgehen, Snack essen). Das gibt Sicherheit. Atemtechniken und sich bewusst auf den nächsten Ritt statt auf das mögliche Ergebnis zu konzentrieren, helfen ebenfalls.
Fazit: Mit Strategie zum Erfolg
Ein erfolgreicher Turniertag ist das Ergebnis vieler kleiner, richtiger Entscheidungen. Indem Sie die Pausen aktiv gestalten und die körperlichen wie mentalen Bedürfnisse Ihres Pferdes sowie Ihre eigenen im Blick behalten, schaffen Sie die besten Voraussetzungen für konstante Leistungen. Es geht darum, als Team zu agieren und die verfügbaren Ressourcen klug einzuteilen. So stellen Sie sicher, dass Sie und Ihr Pferd den Tag nicht nur irgendwie überstehen, sondern ihn mit derselben Energie und Freude beenden, mit der Sie ihn begonnen haben.
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