Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Zirkuslektionen auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Die Pesade vom Boden vorbereiten: Die ersten Schritte zur kontrollierten Erhebung
Ein Pferd, das sich majestätisch auf die Hinterhand setzt und elegant in der Pesade verharrt – dieses Bild verkörpert Anmut, Kraft und eine tiefe Verbindung zwischen Mensch und Tier. Ein Moment, der in Shows und der Hohen Schule für Gänsehaut sorgt. Doch was wie pure Magie aussieht, ist das Ergebnis monate- oder gar jahrelanger, geduldiger und vor allem korrekter Vorbereitung am Boden. Bevor auch nur an das kleinste Steigen zu denken ist, muss ein solides Fundament aus Vertrauen, Verständnis und Gymnastik geschaffen werden.
Viele Reiter träumen davon, beeindruckende Zirkuslektionen mit ihrem Pferd zu erarbeiten. Der Weg dorthin beginnt jedoch nicht mit dem Ziel, sondern beim allerersten Schritt. Dieser Artikel führt Sie durch die grundlegenden Übungen am Boden, die Ihr Pferd sicher und gesund auf diese anspruchsvolle Lektion vorbereiten.
Warum die Vorbereitung am Boden entscheidend ist
Die Pesade ist weit mehr als ein Trick. Sie ist eine Übung maximaler Versammlung, bei der das Pferd sein gesamtes Gewicht auf die gebeugten Hanken verlagert. Dies erfordert nicht nur enorme Kraft in der Hinterhand, sondern auch ein hohes Maß an Balance und Körperbewusstsein. Ein unvorbereitetes Pferd wäre hier schnell überfordert, was zu Stress, Abwehrreaktionen oder sogar Verletzungen führen kann.
Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus dem Journal of Animal Science and Biotechnology (2021) unterstreicht, dass Bodenarbeit klare Kommunikationskanäle und eine gefestigte Rangordnung etabliert – beides absolute Voraussetzungen für komplexe Lektionen. Ohne diese Basis wird jede anspruchsvolle Übung zu einem Kampf statt zu einem Tanz. Das Ziel ist es, das Pferd zu fragen, nicht zu zwingen.
Die drei Säulen der Vorbereitung: Vertrauen, Gymnastik und Timing
Der Weg zur Pesade ruht auf drei untrennbaren Säulen. Jede davon muss sorgfältig aufgebaut werden, bevor Sie an die eigentliche Lektion denken können.
Säule 1: Das Fundament des Vertrauens
Alles beginnt mit einer klaren und fairen Kommunikation. Ihr Pferd muss Ihre Hilfen verstehen und darauf vertrauen, dass Sie es niemals überfordern. Moderne Trainingsansätze wie die Arbeit mit positiver Verstärkung, etwa durch Clickertraining, können hierbei sehr hilfreich sein. Studien zeigen, dass solche Methoden nicht nur die Motivation steigern, sondern auch den Stress während des Trainings signifikant reduzieren. Ein motiviertes Pferd lernt schneller und vor allem nachhaltiger.
Säule 2: Gezielte gymnastische Übungen am Boden
Die wichtigste körperliche Voraussetzung für die Pesade ist die Fähigkeit des Pferdes, sein Gewicht von der Vorhand auf die Hinterhand zu verlagern. Die folgenden Übungen sind biomechanisch entscheidend, um die nötige Muskulatur und Koordination aufzubauen.
Das korrekte Rückwärtsrichten
Es klingt banal, ist aber fundamental. Beim korrekten Rückwärtsrichten tritt das Pferd mit der Hinterhand aktiv unter den Schwerpunkt, wölbt den Rücken auf und nimmt Last auf. Achten Sie auf einen fließenden, taktreinen Ablauf ohne Zögern oder Widerstand.
Die „Bergziege“ als Vorübung
Eine spielerische Übung zur Aktivierung der Hinterhand ist die sogenannte „Bergziege“. Hierbei animieren Sie Ihr Pferd vom Boden aus, mit den Vorderbeinen auf ein kleines Podest oder eine Palette zu steigen. Um die Balance zu halten, muss es automatisch die Hinterbeine weiter unter den Körper schieben und die Muskulatur anspannen. Eine sanftere Variante ist der Ansatz zum Kompliment, bei dem das Pferd lernt, sich über die Hinterhand abzusenken, um an ein Leckerli zu gelangen.
Seitengänge an der Hand
Übungen wie Schultervor oder Travers an der Hand sind wahre Meister der Gymnastizierung. Sie fördern nicht nur die Längsbiegung und die Beweglichkeit der Schultern, sondern aktivieren vor allem das innere Hinterbein, unter den Schwerpunkt zu treten. Dies ist eine direkte Vorbereitung auf die Hankenbeugung, wie sie die Pesade erfordert.
Wendungen auf der Hinterhand
Führen Sie Ihr Pferd an der Hand und bitten Sie es, mit der Vorhand einen kleinen Kreis um die Hinterhand zu treten. Das innere Hinterbein agiert dabei als Drehpunkt. Diese Übung lehrt das Pferd gezielt, Last auf einem Hinterbein aufzunehmen und zu balancieren – eine unerlässliche Fähigkeit für jede Form der Versammlung.
Säule 3: Das richtige Timing
Geduld ist Ihr wichtigster Begleiter. Anspruchsvolle Bewegungen voreilig und ohne ausreichende Konditionierung zu fordern, ist eine der Hauptursachen für Muskel- und Sehnenschäden. Loben Sie kleinste Fortschritte und geben Sie Ihrem Pferd Zeit, die nötige Kraft zu entwickeln. Der Weg zur Pesade ist ein Marathon, kein Sprint.
Ein Wort zur Ausrüstung: Weniger ist oft mehr
Für die Vorbereitung am Boden benötigen Sie nicht viel: einen gut sitzenden Kappzaum oder ein Knotenhalfter, einen langen Strick oder eine Longe und eine Gerte als verlängerter Arm zur feinen Hilfengebung. Wichtig ist, dass die Ausrüstung präzise Signale erlaubt, ohne das Pferd zu stören.
Denken Sie daran: Die Gymnastik am Boden bereitet das Pferd auch auf seine Aufgaben unter dem Sattel vor. Wenn es später darum geht, die Versammlung im Sattel zu fördern, wird ein passender Sattel entscheidend. Gerade barocke Pferde mit ihrem oft kurzen, breiten Rücken benötigen spezielle Lösungen, die eine maximale Schulterfreiheit garantieren und den Druck optimal verteilen.
Partnerhinweis: Hersteller wie Iberosattel haben sich auf genau diese anatomischen Besonderheiten spezialisiert und entwickeln Sättel, die die anspruchsvolle Gymnastizierung bis hin zu Lektionen der Hohen Schule optimal unterstützen.
Häufige Fragen (FAQ) zur Vorbereitung der Pesade
Wie lange dauert die Vorbereitung?
Das ist höchst individuell und hängt vom Alter, Ausbildungsstand und der körperlichen Verfassung Ihres Pferdes ab. Rechnen Sie eher in Monaten und Jahren als in Wochen. Die Grundlagen müssen absolut sicher sitzen.
Ist jedes Pferd für die Pesade geeignet?
Grundsätzlich kann jedes gesunde Pferd die vorbereitenden Übungen lernen und davon profitieren. Ob es eine perfekte Pesade zeigen kann, hängt stark von seinem Gebäude und seiner mentalen Einstellung ab. Pferde mit einer von Natur aus starken, gut gewinkelten Hinterhand haben es leichter.
Welche Fehler sollte ich unbedingt vermeiden?
Der größte Fehler ist Ungeduld. Vermeiden Sie jeglichen Zug am Kopf oder Druck, der das Pferd nach hinten-oben zwingt. Die Erhebung muss aus der Kraft der Hinterhand entstehen, nicht durch das Ziehen an einem Strick. Arbeiten Sie immer an der Leichtigkeit und Motivation.
Wann weiß ich, dass mein Pferd bereit für den nächsten Schritt ist?
Ihr Pferd ist bereit, wenn es alle vorbereitenden Übungen am Boden mühelos und ausbalanciert ausführt und dabei fein auf Ihre Hilfen reagiert. Es sollte entspannt und motiviert wirken und verstanden haben, sein Gewicht bewusst auf die Hinterhand zu verlagern.
Fazit: Der Weg ist das Ziel
Die Vorbereitung der Pesade ist eine faszinierende Reise in die Biomechanik und die Psyche des Pferdes. Sie ist viel mehr als das Training für eine einzelne Lektion – sie ist eine umfassende gymnastische Ausbildung, die Kraft, Balance und Körpergefühl Ihres Pferdes nachhaltig verbessert. Jeder kleine Fortschritt in der Bodenarbeit stärkt nicht nur die Muskulatur Ihres Pferdes, sondern auch die unsichtbare Verbindung zwischen Ihnen beiden.
Genießen Sie diesen Weg der feinen Kommunikation, denn wenn die Grundlagen der Versammlung am Boden einmal gefestigt sind, öffnen sich die Türen zu vielen weiteren beeindruckenden Lektionen.
Vielleicht entdecken Sie als Nächstes die Eleganz des Spanischen Schritts oder tauchen tiefer ein in die anspruchsvolle Welt der Hohen Schule. Das Fundament dafür haben Sie bereits gelegt.



