Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Zirkuslektionen auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Die Pesade im Stand verbessern: Der Weg zu mehr Balance und Ausdruck

Ein Moment der Stille, in dem die Zeit stillzustehen scheint: Das Pferd erhebt sich majestätisch auf die Hinterhand, verharrt in perfekter Balance und strahlt eine Mischung aus Kraft und Gelassenheit aus. Die Pesade ist eine der eindrucksvollsten Lektionen der Hohen Schule. Doch der Weg dorthin ist oft von kleinen Hürden geprägt. Das Pferd hält die Position nur einen Wimpernschlag lang, fällt zur Seite oder springt hektisch nach vorn.

Wenn Sie dieses Gefühl kennen, sind Sie nicht allein. Denn der Feinschliff einer bereits erlernten Pesade ist die wahre Kunst. Es geht nicht mehr darum, ob das Pferd steigt, sondern wie es steigt. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie durch gezielte Übungen die Balance, die Kraft und die mentale Ruhe Ihres Pferdes fördern, damit aus einem flüchtigen Heben eine ausdrucksstarke und gehaltene Pesade wird.

Mehr als nur Steigen: Was eine gute Pesade ausmacht

Eine echte Pesade unterscheidet sich fundamental von einem unkontrollierten Steigen. Sie ist das Ergebnis höchster Versammlung, bei der das Pferd sein Gewicht bewusst auf die gebeugten Hanken verlagert. Der Winkel zum Boden sollte idealerweise etwa 45 Grad betragen, wobei der Rücken gerade bleibt und die Vorderbeine elegant angewinkelt sind.

Die biomechanische Belastung ist dabei enorm. Eine Studie von Dr. Hilary Clayton (2015) belegt dies eindrucksvoll: In der Pesade tragen die Hanken – also Hüft- und Kniegelenke – bis zu 60 % des gesamten Pferdegewichts. Das macht deutlich, warum eine unzureichend trainierte Hinterhandmuskulatur oft zu Instabilität und einem vorzeitigen, unkontrollierten Absetzen führt. Eine stabile Pesade zeugt daher von korrekter Gymnastizierung und Kraft.

Die häufigsten Probleme und ihre Ursachen

Um die Pesade zu verfeinern, gilt es zunächst, die typischen Fehlerquellen zu verstehen. Häufig liegt die Ursache nicht in der Lektion selbst, sondern in der Vorbereitung.

  • Das Pferd „fällt“ aus der Pesade: Dies deutet meist auf mangelnde Kraft in der Hinterhand oder fehlende Balance hin. Das Pferd kann das Gewicht schlicht nicht lange genug tragen.
  • Unruhe und Zappeln: Hektik ist ein Zeichen für mentale Überforderung oder Missverständnisse in der Kommunikation. Das Pferd bietet die Lektion zwar an, hat aber nicht gelernt, in der Position zu verharren und auf die nächste Hilfe zu warten.
  • Zu flacher Winkel oder zu hohes Steigen: Ein zu flacher Winkel kann auf eine unzureichende Versammlung hindeuten. Ein zu steiles, fast senkrechtes Steigen, das an eine Levade erinnert, ist zwar beeindruckend, erfordert aber noch mehr Kraft und ist oft das Ergebnis von Spannung statt bewusster Kraftentfaltung.
  • Der Reiter stört die Balance: Ein unruhiger Sitz, eine feste Hand oder unklares Timing können das Pferd aus dem Gleichgewicht bringen und es zur vorzeitigen Landung zwingen.

Schlüssel zur Perfektion: Gezielte Übungen für eine stabile Pesade

Die Verbesserung der Pesade ist ein Zusammenspiel aus körperlichem und mentalem Training. Mit den folgenden Übungen stärken Sie gezielt die entscheidenden Komponenten.

Fundament stärken: Kraftaufbau für die Hinterhand

Die tragende Kraft der Hinterhand ist das A und O. Ohne eine starke „Hinterachse“ wird die Pesade immer eine flüchtige Momentaufnahme bleiben.

  • Rückwärtsrichten am Hang: Diese Übung ist Gold wert. Beim bergauf Rückwärtsrichten muss das Pferd die Hanken stark beugen und die Kruppenmuskulatur aktivieren – genau die Muskelgruppen, die für die Pesade benötigt werden. Beginnen Sie mit wenigen Tritten an einer leichten Steigung.
  • Piaffe und Passage: Die Piaffe, oft als Königin der Lektionen bezeichnet, ist die ultimative Vorbereitung für jede Übung der Hohen Schule. Sie schult die Fähigkeit des Pferdes, Last auf die Hinterhand aufzunehmen und im Rhythmus zu bleiben. Die Übergänge zwischen Piaffe, Passage und Halten verbessern die Durchlässigkeit und die Reaktionsfähigkeit auf feinste Hilfen.
  • Terre à Terre: Diese historische Lektion, ein Seitwärtssprung auf zwei Takten, ist eine exzellente Übung, um die Kraft und Schnellkraft der Hinterbeine zu fördern und das Pferd daran zu gewöhnen, sich aus der Hinterhand abzustoßen und zu tragen.

Die mentale Komponente: Ruhe und Vertrauen fördern

Eine ausdrucksstarke Pesade erfordert ein Pferd, das nicht nur körperlich, sondern auch mental in der Lage ist, die Position zu halten. Es muss dem Reiter vertrauen und gelernt haben, in der Anstrengung zu entspannen.

  • Halten und Loben im Ansatz: Der häufigste Fehler ist, sofort mehr Höhe oder eine längere Haltedauer zu fordern. Belohnen Sie stattdessen den kleinsten, ruhigen Ansatz. Lassen Sie Ihr Pferd nur leicht ansteigen, halten Sie es für einen Sekundenbruchteil und loben Sie es sofort, wenn es ruhig landet. So lernt es: Ruhe wird belohnt.
  • Positive Verstärkung nutzen: Eine wissenschaftliche Untersuchung der University of Guelph (2018) untermauert diesen Ansatz. Laut dieser Studie zeigen Pferde, die in kurzen, positiven Intervallen trainiert werden, eine signifikant höhere Lernbereitschaft und weniger Stressanzeichen bei anspruchsvollen Lektionen. Der Schlüssel liegt darin, den Druck zu minimieren und das Vertrauen zu maximieren.

Der Feinschliff: Timing und Reiterhilfen

Stimmen Kraft und Gelassenheit, liegt der Fokus auf dem Reiter. Ihre Aufgabe ist es, ein stabiler, ausbalancierter Partner zu sein.

  • Der unabhängige Sitz: Sobald das Pferd steigt, müssen Sie mit ruhigem Oberkörper und ausbalanciertem Becken in der Bewegung mitgehen, ohne zu klammern oder nach vorn zu fallen. Ihr Schwerpunkt sollte zentriert über dem des Pferdes bleiben.
  • Die Bedeutung des Sattels: Ein passender Sattel ist hierbei unerlässlich. Er muss dem Reiter Stabilität geben, ohne die Bewegung des Pferdes zu blockieren. Gerade für barocke Pferderassen mit ihrem oft kurzen, kräftigen Rücken sind spezielle Sattelkonzepte entscheidend. Ein Sattel, der die Schulter einengt oder im Lendenbereich drückt, macht eine korrekte Versammlung und damit eine gute Pesade unmöglich.
  • (Partnerhinweis) Hersteller wie Iberosattel haben sich auf diese Anforderungen spezialisiert und entwickeln Sättel, die dem Pferd die nötige Rückenfreiheit für maximale Hankenbeugung geben und dem Reiter einen sicheren, ausbalancierten Sitz ermöglichen.

Häufige Fragen (FAQ) zur Verbesserung der Pesade

Wie lange sollte ein Pferd die Pesade halten können?
Qualität geht immer vor Quantität. Eine ruhige, ausbalancierte Pesade, die zwei bis drei Sekunden gehalten wird, ist weitaus wertvoller als ein hektisches Zappeln über fünf Sekunden. Das Ziel ist Ausdruck, nicht Ausdauer.

Mein Pferd wird hektisch, wenn ich die Pesade übe. Was tun?
Das ist ein klares Zeichen für Überforderung. Gehen Sie sofort einen Schritt zurück. Üben Sie nur noch den Ansatz und loben Sie ausgiebig für jede ruhige Reaktion. Verkürzen Sie die Trainingseinheiten und beenden Sie sie immer mit einer positiven Erfahrung.

Kann jedes Pferd eine Pesade lernen?
Theoretisch können viele Pferde eine angedeutete Form lernen. Eine qualitativ hochwertige Pesade erfordert jedoch eine bestimmte körperliche Veranlagung, insbesondere eine starke, gut winkelbare Hinterhand. Viele spanische Rassen wie der PRE oder Lusitano bringen von Natur aus gute Voraussetzungen mit.

Welche Rolle spielt der Boden beim Training?
Eine entscheidende. Der Boden muss absolut rutschfest und eben sein. Ein unsicherer Untergrund nimmt dem Pferd das Vertrauen, sein Gewicht sicher auf die Hinterbeine zu verlagern. Trainieren Sie anfangs immer auf einem Ihnen vertrauten, griffigen Hallen- oder Platzboden.

Fazit: Die Pesade als Dialog zwischen Reiter und Pferd

Die Perfektionierung der Pesade ist eine Reise, die Geduld, Wissen und Einfühlungsvermögen erfordert. Sie ist weit mehr als eine Zirkuslektion – sie ist der sichtbare Beweis für eine harmonische Partnerschaft, korrekte Gymnastizierung und gegenseitiges Vertrauen. Indem Sie gezielt an der Kraft der Hinterhand, der mentalen Gelassenheit und Ihrem eigenen, ausbalancierten Sitz feilen, verwandeln Sie eine flüchtige Bewegung in einen Moment vollendeter Harmonie und Ausdruckskraft.

Nehmen Sie sich die Zeit, die Grundlagen zu festigen, und sehen Sie jeden kleinen Fortschritt als Erfolg. Denn die Pesade ist kein Ziel, das man erzwingen kann, sondern ein Geschenk, das ein ausbalanciertes und zufriedenes Pferd seinem Reiter macht.

Birgit Thoma
Birgit Thoma

Birgit Thoma ist Gründerin von Das-Spanische-Pferd.de und Geschäftsführerin von Iberosattel Reitsport GmbH, spezialisiert auf iberische Pferde und klassische Sattelsysteme.