Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Zirkuslektionen auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Von der Erde zur Levade: Der Weg über Handarbeit und langen Zügel
Stellen Sie sich einen Moment lang das Bild vor: Ein majestätisches Pferd, das sein ganzes Gewicht auf die gebeugten Hinterbeine verlagert und die Vorhand elegant vom Boden hebt. Es verharrt in dieser Pose, eine Skulptur aus Kraft und Anmut – die Levade. Für viele Reiter ist dies der Inbegriff der Hohen Schule, ein Moment magischer Harmonie. Doch was wie Magie aussieht, ist das Ergebnis jahrelanger, geduldiger und systematischer Gymnastizierung. Der Weg zu den Schulen über der Erde beginnt nicht im Sattel, sondern am Boden – mit der klassischen Handarbeit und der Arbeit am langen Zügel.
Diese traditionellen Techniken sind weit mehr als nur eine Vorübung. Sie sind das Fundament für Kraft, Balance und das tiefe Verständnis zwischen Mensch und Pferd – die unverzichtbaren Zutaten für die Lektionen der [INTERNAL LINK: URL=/alta-escuela-hohe-schule/ TEXT=Alta Escuela].
Warum Handarbeit die Basis für höchste Versammlung ist
Die Arbeit an der Hand ist so alt wie die Reitkunst selbst. Schon der große Reitmeister François Robichon de la Guérinière beschrieb sie in seiner „Ecole de Cavalerie“ (1733) als essenziell, um ein Pferd ohne das Gewicht des Reiters zu schulen. Dieser Ansatz hat zwei unschätzbare Vorteile:
- Klares Lernen: Ohne das Reitergewicht kann sich das Pferd ganz auf seinen eigenen Körper und die feinen Hilfen des Ausbilders konzentrieren. Es lernt, seine Balance neu zu finden und die korrekten Muskelgruppen zu aktivieren.
- Schonender Muskelaufbau: Moderne biomechanische Studien, wie die von Dr. Hilary M. Clayton, bestätigen, was die alten Meister bereits wussten: Lektionen wie die Levade erfordern eine immense Kraft in der Hinterhand und der Rumpfmuskulatur. Die Handarbeit ermöglicht es, diese Muskeln langsam und gezielt aufzubauen, Sehnen und Gelenke zu stärken und das Pferd körperlich auf die enorme Anstrengung vorzubereiten – ein Krafttraining, das Verletzungen vorbeugt.
Die ersten Schritte: Kraftaufbau am Boden
Der Weg zur Levade beginnt nicht mit dem Versuch, die Vorderbeine in die Luft zu bekommen. Er beginnt mit der Perfektion einfacher, aber fundamentaler Seitengänge und Übungen, in denen das Pferd lernt, mehr Gewicht auf die Hinterhand zu übernehmen.
Der Leitsatz von Gustav Steinbrecht, „Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade“, gilt auch am Boden. Jede Übung sollte aus einer fließenden Vorwärtsbewegung entstehen. Die Basisübungen an der Hand umfassen:
- Schulterherein: Von Guérinière als „Alpha und Omega aller Lektionen“ bezeichnet, fördert es die Geschmeidigkeit der Schultern und animiert das innere Hinterbein, vermehrt unter den Schwerpunkt zu treten.
- Travers und Renvers: Diese Übungen verstärken die Hankenbeugung und verbessern die Fähigkeit des Pferdes, sich seitlich zu biegen, während die Hinterhand die Last trägt.
Mit der Zeit werden diese Übungen verfeinert und münden schließlich in die Entwicklung der Piaffe, dem vielleicht wichtigsten Meilenstein auf dem Weg zur Levade.
Die Piaffe als Schlüssel zur Hankenbeugung
Die Piaffe, das Traben auf der Stelle, ist die ultimative Übung zur Stärkung der Hinterhand. In ihr lernt das Pferd, sich im höchsten Maße zu versammeln, die Hanken maximal zu beugen und die Vorhand anzuheben. Der legendäre Reitmeister Nuno Oliveira betonte stets: „Die Reitkunst beginnt mit der Perfektion der einfachen Dinge.“ Eine gute Piaffe ist das Ergebnis tausender korrekter Schritte im Schulterherein und Travers. Sie ist keine erzwungene Lektion, sondern das logische Resultat korrekter Gymnastizierung.
An der Hand kann der Ausbilder die Piaffe Schritt für Schritt entwickeln, das Pferd für jeden korrekten Ansatz loben und ihm die nötige Sicherheit geben, sich so weit zu setzen.
Der Übergang zum langen Zügel: Verfeinerung aus der Distanz
Wenn das Pferd die Lektionen an der Hand verstanden hat und über die nötige Kraft verfügt, folgt der nächste Schritt: die Arbeit am langen Zügel. Dabei geht der Ausbilder hinter oder seitlich neben dem Pferd. Dieser größere Abstand fordert vom Pferd, die Balance und den Takt noch eigenständiger zu halten.
Am langen Zügel werden dann alle Seitengänge, die Piaffe und Übergänge weiter verfeinert. Diese Arbeit fördert in besonderem Maße die Selbsthaltung und bereitet den mentalen Sprung vor, den ein Pferd für die Schulen über der Erde machen muss: das Vertrauen, die Vorhand komplett dem Reiter zu überlassen.
Von der Theorie zur Praxis: Worauf Sie achten müssen
Der Weg zu Lektionen wie Pesade und Levade ist ein Marathon, kein Sprint. Geduld ist der wichtigste Begleiter.
- Geduld und Timing: Erzwingen Sie nichts. Beobachten Sie Ihr Pferd genau. Muskelaufbau dauert Monate und Jahre. Jeder Schritt sollte auf einem soliden, sicheren Fundament aufbauen.
- Die richtige Ausrüstung: Eine gut sitzende Trense oder ein Kappzaum sind essenziell für eine feine Kommunikation. Genauso entscheidend ist jedoch die Ausrüstung im Sattel, denn die Arbeit an der Hand ergänzt das Reiten. Ein unpassender Sattel kann die Muskelentwicklung blockieren und zu Verspannungen führen, die eine korrekte Hankenbeugung unmöglich machen.
- Partnerhinweis: Hersteller wie Iberosattel haben sich auf die Entwicklung von Sätteln spezialisiert, die den besonderen Anforderungen barocker Pferde gerecht werden. Mit breiten Auflageflächen und viel Schulterfreiheit unterstützen sie den Aufbau der Rückenmuskulatur, die für höchste Versammlung unabdingbar ist.
- Das richtige Pferd: Rassen wie der [INTERNAL LINK: URL=/pferderassen/pre-pura-raza-espanola/ TEXT=PRE (Pura Raza Española)], Lusitanos oder Lipizzaner bringen oft eine natürliche Veranlagung zur Versammlung mit. Ihr Körperbau mit einem kräftigen Rücken und einer gut bemuskelten Hinterhand erleichtert ihnen die Hankenbeugung. Dennoch braucht jedes Pferd eine korrekte und pferdegerechte Ausbildung.
FAQ – Häufige Fragen zur Vorbereitung auf Pesade und Levade
Was ist der Unterschied zwischen Pesade und Levade?
Die Pesade ist oft die Vorstufe. Das Pferd hebt die Vorhand in einem Winkel von etwa 45 Grad. Die Levade ist anspruchsvoller: Der Winkel ist flacher (ca. 30–35 Grad), die Hanken sind stärker gebeugt und die Position wird länger gehalten. Sie erfordert deutlich mehr Kraft.
Wie lange dauert es, einem Pferd eine Levade beizubringen?
Es gibt keinen festen Zeitplan. Der Weg dorthin führt über eine jahrelange, korrekte Grundausbildung. Ein Pferd muss körperlich und mental reif sein, was selten vor dem 8. oder 9. Lebensjahr der Fall ist.
Kann jedes Pferd diese Lektionen lernen?
Gymnastisch betrachtet, kann jedes gesunde Pferd lernen, seine Hinterhand zu stärken und mehr Last aufzunehmen. Ob es zu einer perfekten Levade kommt, hängt stark vom individuellen Körperbau und Talent ab. Das Ziel sollte aber immer die Verbesserung der Gymnastik sein, nicht die Lektion als Selbstzweck.
Ist das nicht dasselbe wie der [INTERNAL LINK: URL=/pferdeausbildung/zirkuslektionen-showreiten/ TEXT=Spanischer Schritt] oder andere Zirkuslektionen?
Nein. Während Showlektionen oft auf beeindruckende Optik abzielen, sind die Schulen über der Erde das Ergebnis höchster gymnasialer Versammlung. Sie entstehen aus der Kraft der Hinterhand und demonstrieren perfekte Balance. Der Spanische Schritt hingegen ist eine Lektion, die primär die Schulterfreiheit fördert und einen anderen gymnastischen Zweck erfüllt.
Fazit: Ein Dialog in höchster Harmonie
Die Arbeit an der Hand und am langen Zügel ist der Schlüssel, der die Tür zu den anspruchsvollsten Lektionen der Reitkunst öffnet. Sie ist eine Reise, die auf den zeitlosen Prinzipien der alten Meister aufbaut und durch moderne Erkenntnisse der Biomechanik bestätigt wird. Es geht nicht darum, einem Pferd einen Trick beizubringen. Es geht darum, durch systematische Gymnastik einen Athleten zu formen, der stark, geschmeidig und selbstbewusst genug ist, um in perfekter Harmonie mit seinem Menschen zu tanzen. Die Levade ist dann nicht mehr nur eine Lektion, sondern der sichtbare Ausdruck dieses tiefen Dialogs.



