Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Doma Vaquera auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Fütterung für das Vaquero-Pferd: Energie für Explosivität ohne Nervosität
Stellen Sie sich eine typische Szene bei der Arbeit auf den Feldern Andalusiens vor: Ein Reiter galoppiert auf seinem Pferd über das Land und treibt einen Stier vor sich her. Plötzlich eine blitzschnelle Wendung, ein explosiver Antritt, gefolgt von einer perfekten parada a raya – einem Stop aus vollem Tempo, bei dem der Sand aufwirbelt. Das Pferd steht, die Muskeln angespannt, doch der Blick ist klar und konzentriert. Es wartet auf das nächste Kommando, ohne nervös zu tänzeln oder gegen die Hand zu gehen.
Diese Kombination aus explosiver Kraft und absoluter Gelassenheit ist das Herzstück der Doma Vaquera. Doch wie erreicht man diesen mentalen Zustand? Es ist eine Kunst, die weit über das Training hinausgeht und direkt im Futtertrog beginnt. Denn die falsche Fütterung kann aus dem zuverlässigsten Partner einen nervösen, überhitzten Hektiker machen.
![Ein Vaquero-Reiter in voller Aktion, der sein Pferd durch einen schnellen Stop manövriert. Das Pferd ist muskulös und konzentriert.]()
Dieser Artikel führt Sie durch die Grundlagen einer Fütterungsstrategie, die Ihrem Pferd die nötige Kraft für die anspruchsvollen Manöver gibt, ohne seinen wertvollen Charakter zu beeinträchtigen.
Das Dilemma: Kraftfutter zwischen Leistung und Hysterie
Viele Reiter kennen das Problem: Das Training wird anspruchsvoller, und das Pferd scheint mehr Energie zu benötigen. Der erste Impuls ist oft, eine Schippe Hafer mehr in den Trog zu geben. Das Ergebnis ist jedoch häufig nicht ein leistungsbereiteres, sondern ein nervöseres Pferd. Es wird schreckhafter, ist weniger konzentriert und reagiert auf Hilfen überhitzt statt durchlässig.
Der Grund dafür ist ein Missverständnis darüber, wie Pferde Energie verstoffwechseln. Es geht nicht darum, mehr Energie zu füttern, sondern die richtige Art von Energie zur richtigen Zeit bereitzustellen. Das Geheimnis liegt in der Balance zwischen langsam und schnell freisetzenden Energiequellen.
Die Energiequellen verstehen: Der Treibstoff für den Vaquero
Ein Vaquero-Pferd ist ein Athlet, der sowohl Ausdauer für lange Arbeitstage als auch explosive Kraft für kurze, intensive Aktionen benötigt. Sein „Treibstoff“ muss diesen Anforderungen gerecht werden.
Langsame Energie: Das Fundament für Ausdauer und Gelassenheit
Die Basis jeder gesunden Pferdefütterung ist Raufutter. Hochwertiges Heu liefert nicht nur lebenswichtige Rohfaser für eine gesunde Verdauung, sondern auch einen beachtlichen Teil der benötigten Energie. Diese wird aus den Fasern langsam und gleichmäßig freigesetzt – ideal für Ausdauer und einen ausgeglichenen Blutzuckerspiegel.
Fette und Öle sind eine weitere exzellente Quelle für „kühle“ Energie. Sie sind extrem energiereich, werden aber ohne die nervös machenden Blutzuckerspitzen von Getreide verstoffwechselt. Ein Schuss hochwertiges Pflanzenöl (z. B. Leinöl) über dem Futter kann die Ausdauerleistung signifikant steigern und gleichzeitig das Temperament stabil halten.
Vorteile der langsamen Energie:
- Stabile Leistung: Konstante Energiezufuhr ohne Leistungslöcher.
- Gesunder Darm: Eine faserbasierte Diät fördert eine gesunde Darmflora, die über die Darm-Hirn-Achse nachweislich das Verhalten und die Stressresistenz des Pferdes positiv beeinflusst.
- Gelassenheit: Ein ausgeglichener Blutzuckerspiegel verhindert nervöse Überreaktionen.
![Nahaufnahme eines Futtertrogs mit einer Mischung aus Heucobs, Öl und einer kleinen Menge Hafer. Kontrast zu einem Trog nur mit Getreide.]()
Schnelle Energie: Der Funke für die Explosion
Für die blitzschnellen Sprints, Stops und Wendungen der [LINK: URL-zu-Artikel-über-Doma-Vaquera-Grundlagen]Doma Vaquera wird kurzfristig verfügbare Energie benötigt. Diese stammt hauptsächlich aus Stärke und Zucker (Nicht-Strukturkohlenhydrate, NSC), die in Getreide wie Hafer, Gerste oder Mais enthalten sind.
Hier liegt jedoch die größte Gefahr. Zu viel Getreide führt zu einem schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels, gefolgt von einem ebenso schnellen Abfall. Dieser Prozess kann zu Nervosität, Konzentrationsschwäche und im schlimmsten Fall zu Stoffwechselproblemen wie Kreuzverschlag oder Magengeschwüren führen.
Der Schlüssel liegt in der Dosierung: Getreide sollte nicht die Basis, sondern der gezielt eingesetzte „Booster“ sein. Kleine Mengen, strategisch um die anspruchsvollen Trainingseinheiten herum gefüttert, stellen die nötige Schnellkraft bereit, ohne das System zu überlasten.
![Infografik, die den Unterschied zwischen schnell freisetzender Energie (Zucker/Stärke-Spitze) und langsam freisetzender Energie (Faser/Fett-Kurve) zeigt.]()
Bausteine für Athleten: Mehr als nur Energie
Ein leistungsfähiges Vaquero-Pferd braucht mehr als nur den richtigen Treibstoff. Sein Körper muss fähig sein, sich von den hohen Belastungen zu erholen und starke Muskeln aufzubauen.
Protein: Der Schlüssel zur Muskelreparatur
Die abrupten Manöver der Doma Vaquera führen zu winzigen Rissen in den Muskelfasern. Um diese zu reparieren und stärkere Muskeln aufzubauen, benötigt der Körper Protein, genauer gesagt dessen Bausteine, die essenziellen Aminosäuren (insbesondere Lysin). Viele [LINK: URL-zu-Artikel-über-PRE-Pferde]spanischen Pferderassen sind zwar leichtfuttrig, benötigen aber bei anspruchsvoller Arbeit dennoch eine hochwertige Proteinquelle. Luzerne oder Soja können hier eine sinnvolle Ergänzung sein, damit die Muskulatur optimal versorgt wird.
Elektrolyte: Die vergessenen Leistungshelfer
Bei intensivem Training verliert ein Pferd durch Schwitzen große Mengen an wichtigen Mineralstoffen wie Natrium, Kalium und Chlorid. Dieser Verlust kann zu Dehydration, Muskelkrämpfen und einem drastischen Leistungsabfall führen. Deshalb ist ein einfacher Salzleckstein, der ständig zur Verfügung steht, oder die gezielte Gabe von Elektrolyten nach schweißtreibender Arbeit unerlässlich, damit der Mineralhaushalt im Gleichgewicht bleibt.
Die Fütterungsstrategie in der Praxis: Ein Plan für Ihr Vaquero-Pferd
Jedes Pferd ist ein Individuum. Passen Sie die Fütterung daher immer an den spezifischen Bedarf, das Temperament und den [LINK: URL-zu-Artikel-über-Pferdeausbildung]Ausbildungsstand des Pferdes an.
- Basis Raufutter: Stellen Sie sicher, dass Ihr Pferd täglich mindestens 1,5 bis 2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht erhält. Die Qualität des Heus ist entscheidend.
- Energie anpassen: Decken Sie den Grundbedarf an Energie über Heu, ergänzt durch Fette (Öle) oder hochverdauliche Fasern (z. B. unmelassierte Rübenschnitzel).
- Getreide als Werkzeug: Setzen Sie Getreide nur in kleinen Mengen (z. B. 200–500 g pro Mahlzeit) und gezielt vor oder nach intensivem Training ein. Beobachten Sie die Reaktion Ihres Pferdes genau.
- Protein sicherstellen: Prüfen Sie den Proteingehalt Ihrer Ration. Bei hohem Trainingspensum kann eine Ergänzung mit luzernehaltigen Produkten sinnvoll sein.
- Wasser und Salz: Sorgen Sie für ständigen Zugang zu frischem Wasser und einem Salzleckstein.
FAQ: Häufige Fragen zur Fütterung von Vaquero-Pferden
Wie viel Hafer ist zu viel?
Das ist individuell, aber eine gute Faustregel lautet: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Für ein 500-kg-Pferd in anspruchsvollem Training sollte die Gesamtmenge an Getreide 1 kg pro Tag selten überschreiten und immer auf mehrere kleine Mahlzeiten verteilt werden.
Kann ich mein Pferd nur mit Heu für die Doma Vaquera trainieren?
Für leichtes bis mittleres Training ist das oft möglich, wenn das Heu von ausgezeichneter Qualität ist. Für hohe Leistungsanforderungen wird jedoch in der Regel eine zusätzliche Energiequelle wie Öl oder eine moderate Menge Getreide benötigt, um die Glykogenspeicher der Muskeln aufzufüllen.
Mein PRE wird schnell dick. Wie füttere ich für Leistung, ohne dass er zunimmt?
Konzentrieren Sie sich auf hochwertige, aber zuckerarme Futtermittel. Verwenden Sie analysiertes, zuckerarmes Heu und ersetzen Sie stärkereiches Getreide durch Fette (Öle) als Energielieferant. Achten Sie auf eine bedarfsgerechte Zufuhr von Proteinen und Mineralstoffen, ohne unnötige Kalorien zu füttern.
Welche Rolle spielt Wasser?
Eine entscheidende. Bereits eine leichte Dehydration verringert die Leistungsfähigkeit und Konzentration drastisch. Stellen Sie sicher, dass Ihr Pferd jederzeit Zugang zu frischem, sauberem Wasser hat, besonders nach dem Training.
Fazit: Ein kühler Kopf für explosive Leistung
Die Fütterung eines Vaquero-Pferdes ist ein Balanceakt. Das Ziel ist es, einen Athleten zu formen, der im entscheidenden Moment voller Kraft und Energie ist, aber gleichzeitig die Ruhe und Konzentration bewahrt, um präzise auf die Hilfen seines Reiters zu reagieren.
Verabschieden Sie sich von einer getreidelastigen Fütterung und setzen Sie auf eine Basis aus hochwertigem Raufutter, ergänzt durch „kühle“ Energie aus Fetten und Fasern. So schaffen Sie die ideale Grundlage und stellen sicher, dass die Energie Ihres Pferdes nicht verpufft, sondern genau dann zur Verfügung steht, wenn sie gebraucht wird – für die explosive Eleganz, die die Doma Vaquera so faszinierend macht.
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