Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Spanische und barocke Pferderassen auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Die Fütterung des Knabstruppers: Ein Leitfaden für das robuste Barockpferd
Stellen Sie sich einen Knabstrupper vor: Ein Pferd wie aus einem Märchen, dessen getupftes Fell in der Sonne glänzt. Seine kraftvolle Statur und sein ruhiges Auge erzählen von einer langen Geschichte, von dänischen Königshöfen und den Wirren der Kriege, und zeugen von einer bemerkenswerten Robustheit und Genügsamkeit. Doch genau in dieser Stärke liegt in der modernen Haltung eine der größten Herausforderungen für seine Gesundheit verborgen.
Viele Besitzer neigen dazu, diese Pferde wie moderne Sportpferde zu füttern – mit reichlich Kraftfutter und unbegrenztem Weidegang. Das Ergebnis ist oft ein gut gemeintes, aber gefährliches Zuviel. Denn der Stoffwechsel des Knabstruppers ist nach wie vor auf karge Kost und harte Arbeit eingestellt. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie die Fütterung optimal auf die besonderen Bedürfnisse dieser faszinierenden Rasse abstimmen und damit die Grundlage für ein langes, gesundes Pferdeleben schaffen.
Vom Kriegspferd zum Freizeitpartner: Warum der Knabstrupper so genügsam ist
Die Wurzeln des Knabstruppers reichen tief in die Geschichte der europäischen barocken Pferderassen zurück. Gezüchtet für Militär und Adel, mussten diese Pferde ausdauernd, nervenstark und vor allem anpassungsfähig sein. Sie gediehen auf kargen Weiden und mit Raufutterrationen, die ein modernes Hochleistungspferd kaum als Vorspeise ansehen würde.
Diese Eigenschaft, aus wenig Futter viel Energie zu gewinnen, nennt man „Leichtfuttrigkeit“ – ihr Organismus ist ein Meister der Effizienz. Was früher ein Überlebensvorteil war, wird in unserer Welt des Überflusses schnell zur Achillesferse. Saftige Wiesen, zuckerreiche Müslis und ein Mangel an anspruchsvoller Arbeit überfordern dieses sparsame System rasch.
Die unsichtbare Gefahr: Stoffwechselprobleme bei leichtfuttrigen Pferden
Wenn ein leichtfuttriges Pferd wie der Knabstrupper dauerhaft mehr Energie aufnimmt, als es verbraucht, beginnt ein schleichender Prozess mit potenziell fatalen Folgen. Die häufigsten Probleme sind dabei eng miteinander verknüpft:
- Übergewicht (Adipositas): Dies ist mehr als nur ein Schönheitsmakel. Jedes Kilo zu viel belastet Gelenke, Sehnen und das Herz-Kreislauf-System.
- Equines Metabolisches Syndrom (EMS) & Insulinresistenz: Vereinfacht gesagt, werden die Körperzellen „taub“ für das Hormon Insulin, das den Blutzucker reguliert. Der Zucker verbleibt im Blut, während die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin produziert – ein Teufelskreis. Typische Anzeichen sind Fetteinlagerungen am Mähnenkamm, der sogenannte „Speckhals“, und an der Schweifwurzel.
- Hufrehe: Diese extrem schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut ist oft die direkte Folge einer Insulinresistenz oder einer plötzlichen Überladung mit Zucker und Fruktan, etwa durch zu viel frisches Gras im Frühling. Für viele Pferde bedeutet eine schwere Hufrehe das Ende.
Das Tückische ist, dass diese Probleme oft lange unbemerkt bleiben, bis die Symptome offensichtlich werden und die Schäden bereits fortgeschritten sind.
Das Fundament der Knabstrupper-Fütterung: Weniger ist oft mehr
Die gute Nachricht ist: Mit einem bewussten Futtermanagement können Sie diesen Risiken effektiv vorbeugen. Die goldene Regel für den Knabstrupper lautet: Raufutter bildet die Basis, alles andere kommt nur bei echtem Bedarf hinzu.
1. Raufutter als Basis: Die richtige Wahl treffen
Das A und O der Fütterung ist hochwertiges Heu. Es liefert essenzielle Rohfaser für eine gesunde Verdauung und sorgt für lange Fresszeiten, was dem natürlichen Verhalten des Pferdes entgegenkommt.
Für einen Knabstrupper ist nicht jedes Heu geeignet. Ideal ist strukturreiches Heu von einem späten Schnittzeitpunkt nach der Blüte, da es tendenziell weniger Zucker und Fruktan enthält. Bei Pferden, die bereits zu Stoffwechselproblemen neigen, kann eine Heuanalyse Aufschluss über den genauen Zuckergehalt geben. Die empfohlene Tagesmenge liegt bei etwa 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht, um den Grundbedarf zu decken und die Verdauung in Gang zu halten.
2. Weidemanagement: Die grüne Versuchung kontrollieren
Eine saftige grüne Wiese ist für viele Pferdebesitzer der Inbegriff artgerechter Haltung. Für einen Knabstrupper kann sie jedoch zur Gefahrenzone werden, denn besonders im Frühjahr und Herbst ist der Fruktangehalt im Gras sehr hoch.
Kontrollierter Weidegang ist daher unerlässlich:
- Begrenzen Sie die Weidezeit: Oft reichen wenige Stunden pro Tag bereits aus.
- Nutzen Sie eine Fressbremse: Sie reduziert die Grasaufnahme erheblich, ohne die soziale Interaktion und Bewegung einzuschränken.
- Richten Sie Portionsweiden ein: Stecken Sie täglich nur ein kleines Stück der Weide ab, anstatt die gesamte Fläche freizugeben.
- Besondere Vorsicht gilt nach Nachtfrost: An sonnigen, kalten Tagen ist der Fruktangehalt im Gras besonders hoch.
3. Kraftfutter: Nur bei echtem Bedarf
Ein Knabstrupper, der als Freizeitpferd moderat bewegt wird, benötigt in der Regel kein zusätzliches Kraftfutter wie Hafer, Gerste oder Müsli, da sein Energiebedarf bereits vollständig durch das Raufutter gedeckt wird.
Ein Mehrbedarf kann bei intensiver sportlicher Nutzung entstehen, etwa im Fahrsport oder in anspruchsvollen Disziplinen wie der Working Equitation. In diesem Fall sollten Sie auf getreidefreie und zuckerreduzierte Alternativen zurückgreifen:
- Unmelassierte Rübenschnitzel
- Heucobs als Kraftfutter-Ersatz
- Hochwertige Öle (z. B. Leinöl) als konzentrierte Energiequelle
4. Mineralfutter: Gezielt Lücken schließen
Trotz reduzierter Energiezufuhr muss die Versorgung mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen sichergestellt sein. Eine reine Heu-Diät deckt den Bedarf an Spurenelementen wie Zink, Selen und Kupfer oft nicht ab. Ein hochwertiges, getreidefreies Mineralfutter ist daher unerlässlich, um das Immunsystem, die Haut, das Fell und den gesamten Stoffwechsel zu unterstützen.
Praktische Tipps für den Alltag
Die beste Fütterungsstrategie nützt nichts, wenn der Erfolg nicht kontrolliert wird. Das wichtigste Werkzeug dafür haben Sie immer zur Hand: Ihre Augen und Hände.
Lernen Sie, den Futterzustand Ihres Pferdes objektiv zu beurteilen. Der sogenannte Body Condition Score (BCS) hilft dabei, Übergewicht frühzeitig zu erkennen. Anstatt sich nur auf das Gewicht auf der Waage zu verlassen, beurteilen Sie die Fettdepots an Rippen, Schulter, Rücken und Schweifansatz.
Ein idealer BCS für einen Knabstrupper liegt bei 5 auf einer Skala von 1 bis 9. Die Rippen sollten nicht sichtbar, aber mit leichtem Druck gut fühlbar sein. Genauso wichtig wie die Fütterung ist aber auch die regelmäßige Bewegung. Sie kurbelt den Stoffwechsel an, baut Muskulatur auf und hilft, das Gewicht zu regulieren.
Häufige Fragen (FAQ) zur Knabstrupper-Fütterung
Braucht mein Knabstrupper im Winter mehr Futter?
Ja und nein. Zum Temperaturausgleich benötigt er mehr Energie, die er hauptsächlich aus Raufaser gewinnt. Eine erhöhte Heugabe ist daher sinnvoll. Zusätzliches Kraftfutter ist meist nicht notwendig, solange das Pferd sein Gewicht hält.
Darf ein Knabstrupper Leckerlis bekommen?
In Maßen ja, aber wählen Sie mit Bedacht. Verzichten Sie auf zuckerhaltige Drops. Besser geeignet sind Heucobs, ein Stück Karotte oder zuckerfreie Leckerlis. Denken Sie daran, dass sich auch kleine Mengen summieren.
Ist mein Knabstrupper zu dick? Woran erkenne ich das?
Ein untrügliches Zeichen ist ein harter, fester Mähnenkamm, der sogenannte „Speckhals“. Auch wenn Sie die Rippen selbst mit festem Druck kaum noch fühlen können oder sich an der Schweifwurzel Fettpolster bilden, ist Ihr Pferd übergewichtig. Nutzen Sie die BCS-Grafik zur Orientierung.
Sind Knabstrupper in der Fütterung mit Rassen wie dem Pura Raza Española (PRE) vergleichbar?
Ja, viele barocke Pferdetypen, einschließlich des Pura Raza Española (PRE), sind ebenfalls leichtfuttrig und neigen zu ähnlichen Stoffwechselproblemen. Die hier genannten Grundsätze – Raufutter-basiert, zuckerarm und bedarfsgerecht – gelten für die meisten dieser Rassen.
Fazit: Gesundheit durch bewusstes Futtermanagement
Die Fütterung eines Knabstruppers ist kein Hexenwerk, erfordert aber Umdenken und Disziplin. Anstatt ihn mit energiereichen Futtermitteln zu überschütten, liegt der Schlüssel zu seiner Gesundheit in einer einfachen, naturnahen und kontrollierten Ernährung. Indem Sie seine genetische Veranlagung als genügsamer Futterverwerter verstehen und respektieren, schaffen Sie die beste Voraussetzung für ein vitales und glückliches Pferdeleben an Ihrer Seite.
Wer sich bewusst mit der bedarfsgerechten Fütterung auseinandersetzt, zeigt damit Verantwortung und Wertschätzung für die Einzigartigkeit dieser wundervollen Barockpferde.



