Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Spanische und barocke Pferderassen auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Fütterung und Haltung des Kladrubers: Was ein barockes Großpferd wirklich braucht
Sie stehen vor der Weide und bewundern die majestätische Erscheinung: ein Kladruber, Inbegriff barocker Eleganz, dessen Geschichte bis in die Zeit der prunkvollen Habsburger Kutschen zurückreicht. Seine imposante Statur, der sanfte Blick und der charakteristische Ramskopf strahlen Ruhe und Kraft aus. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein Stoffwechsel, der so sparsam und effizient ist wie der eines alten Adelshauses – eine Eigenschaft, die für moderne Halter zugleich Segen und Herausforderung ist.
Instinktiv neigen viele Besitzer dazu, ein so großes Pferd mit reichlich Futter zu versorgen. Doch genau dieser Impuls birgt die größte Gefahr. Der Kladruber ist ein sogenannter „Spätentwickler“ und zudem extrem „leichtfuttrig“. Eine unangepasste Fütterung und Haltung kann schnell zu Problemen führen, die weit über ein paar Kilo zu viel hinausgehen. Dieser Leitfaden hilft Ihnen dabei, die einzigartigen Bedürfnisse Ihres Kladrubers zu verstehen und ihm ein langes, gesundes Leben zu ermöglichen.
Das Erbe der Sparsamkeit: Warum der Kladruber anders ist
Um die Bedürfnisse des Kladrubers zu verstehen, hilft ein Blick auf seine Herkunft. Über Jahrhunderte wurde er als ausdauerndes und robustes Kutschpferd gezüchtet. Seine Aufgabe bestand darin, über lange Strecken mit konstanter Leistung eine schwere Last zu ziehen – und das bei oft kargem Futterangebot. Diese Zuchtgeschichte formte zwei zentrale Eigenschaften:
- Leichtfuttrigkeit: Sein Organismus ist darauf programmiert, aus wenig Futter maximale Energie zu gewinnen und Reserven effizient zu speichern. Moderne Weiden und energiereiches Kraftfutter sind für diesen Stoffwechsel wie ein All-you-can-eat-Buffet.
- Spätentwicklung: Ein Kladruber ist erst mit etwa sechs bis sieben Jahren körperlich voll ausgereift. Knochen, Sehnen und Bänder benötigen viel Zeit, um sich zu festigen. Eine zu frühe oder zu intensive Belastung in Kombination mit energiereicher Fütterung kann das Wachstum negativ beeinflussen.
Diese beiden Faktoren verlangen dem Halter ein hohes Maß an Weitblick und Disziplin ab – vor allem bei der Fütterung.
Die goldene Regel: Raufutter als Fundament
Die Basis jeder artgerechten Pferdefütterung ist hochwertiges Raufutter. Beim Kladruber sind Qualität und Menge jedoch ganz besonders entscheidend. Vergessen Sie die Faustregel „Heu ad libitum“ (zur freien Verfügung). Für einen Kladruber wäre das der direkte Weg zu gesundheitlichen Problemen.
Die richtige Menge: Als Richtwert gilt eine Menge von 1,5 kg Heu pro 100 kg Soll-Körpergewicht pro Tag. Bei einem 650 kg schweren Kladruber wären das rund 9,75 kg Heu. Diese Menge muss individuell angepasst werden. Beobachten Sie den Futterzustand Ihres Pferdes genau: Können Sie die Rippen leicht fühlen, aber nicht sehen? Perfekt.
Die richtige Qualität: Achten Sie auf spät geerntetes, zuckerarmes Heu. Eine Heuanalyse, die Aufschluss über den Zucker- und Proteingehalt gibt, ist eine lohnende Investition in die Gesundheit Ihres Pferdes. Zu energiereiches Heu kann den Stoffwechsel überlasten.
Fresszeiten verlängern: Um den Verdauungstrakt beschäftigt zu halten und Fresspausen zu minimieren, sind engmaschige Heunetze oder Futterautomaten ideal. Sie verlangsamen die Futteraufnahme und ahmen das natürliche Fressverhalten nach.
Die Tücke des Kraftfutters: Weniger ist oft mehr
Ein Übermaß an Kraftfutter gehört zu den häufigsten Fehlern in der Kladruber-Haltung. Getreide wie Hafer, Gerste oder Mais liefert schnell verfügbare Energie in Form von Stärke und Zucker – und damit genau das, was der Stoffwechsel des Kladrubers nicht braucht. Die Folgen sind gravierend und reichen von Übergewicht bei Pferden über Stoffwechselerkrankungen wie das Equine Metabolische Syndrom (EMS) bis hin zur gefürchteten Hufrehe.
Ein Kladruber im Freizeit- oder leichten Sporteinsatz benötigt daher in der Regel kein oder nur sehr wenig Kraftfutter. Sein Energiebedarf wird fast vollständig durch das Raufutter gedeckt.
Was tun, wenn mehr Energie benötigt wird?
Bei höherer sportlicher Belastung sollten Sie auf stärke- und zuckerarme Alternativen zurückgreifen:
- Luzernecobs: Liefern hochwertige Proteine für den Muskelaufbau.
- Reiskleie: Eine gute Energiequelle mit niedrigem Zuckergehalt.
- Hochwertige Öle (z. B. Leinöl): Liefern Energie, ohne den Blutzuckerspiegel zu belasten.
Gezielte Nährstoffe für einen späten Athleten
Während Energie im Überfluss schadet, ist eine gezielte Versorgung mit Proteinen und Mineralstoffen für den spät reifenden Kladruber unerlässlich.
- Proteine für den Muskelaufbau: Insbesondere im Wachstum und im Training benötigt der Körper Bausteine für eine starke Muskulatur. Achten Sie auf hochwertige Proteinquellen wie Luzerne oder Sojaextraktionsschrot in moderaten Mengen. Ein Mangel kann zu einem schwachen Rücken und fehlender Bemuskelung führen.
- Mineralien für stabile Knochen: Die lange Wachstumsphase stellt hohe Anforderungen an den Knochenstoffwechsel. Ein gutes, getreidefreies Mineralfutter ist Pflicht. Es sollte ein ausgewogenes Verhältnis von Spurenelementen wie Zink, Kupfer, Selen und Mangan aufweisen, um Gelenke und Skelett optimal zu unterstützen. Lassen Sie sich hierzu am besten von einer professionellen Futterberatung unterstützen, die auf Basis Ihrer Heuanalyse eine individuelle Empfehlung ausspricht.
Haltung und Training: Der Schlüssel zu einem gesunden Leben
Die beste Fütterung entfaltet ihre volle Wirkung nur in Kombination mit der richtigen Haltung und einem angepassten Training. Der Kladruber ist kein Pferd für 23 Stunden Boxenhaft. Er braucht Bewegung, um seinen Stoffwechsel in Schwung zu halten und Kalorien zu verbrennen.
- Haltungsform: Ein Offenstall oder Aktivstall, der zu kontinuierlicher, langsamer Bewegung anregt, ist ideal. Hier kann das Pferd seinem natürlichen Bewegungsdrang nachkommen und so Gelenke sowie Stoffwechsel gesund erhalten.
- Training: Beginnen Sie die Ausbildung langsam und geben Sie Ihrem Pferd Zeit zu reifen. Der Fokus sollte auf einem soliden Muskelaufbau durch gymnastizierende Arbeit liegen. Lange Schrittphasen, Klettern im Gelände und abwechslungsreiche Dressurarbeit stärken den Rücken und fördern eine gesunde Entwicklung. Ein solcher Rücken benötigt dann aber auch einen perfekt passenden Sattel. Spezialisierte Hersteller wie Iberosattel bieten Konzepte, die auf die breiten Rücken barocker Pferde ausgelegt sind und die Bewegungsfreiheit nicht einschränken (Partnerhinweis).
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Kladruber-Fütterung
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Wie erkenne ich, ob mein Kladruber zu dick ist?
Verlassen Sie sich nicht nur auf Ihr Auge. Der sogenannte „Body Condition Score“ ist eine verlässliche Methode. Fahren Sie mit den Fingern über den Rippenbogen: Sie sollten die Rippen leicht fühlen, aber nicht sehen können. Ein harter, schwellender Mähnenkamm ist ebenfalls ein deutliches Warnzeichen für Fetteinlagerungen und ein erhöhtes Hufreherisiko. -
Darf mein Kladruber auf die Weide?
Ja, aber mit großer Vorsicht. Weidegras, besonders im Frühjahr und Herbst, enthält hohe Mengen an Fruktan (einer Zuckerart), das Hufrehe auslösen kann. Begrenzen Sie die Weidezeit strikt, nutzen Sie einen Weidemaulkorb und lassen Sie Ihr Pferd niemals auf eine gestresste (z. B. kurz abgefressene) Weide. -
Welches Mineralfutter ist das richtige?
Wählen Sie ein getreide- und melassefreies Produkt. Die genaue Zusammensetzung sollte auf Ihre Heu- und Weidequalität abgestimmt sein. Im Zweifel hilft eine Blutanalyse durch den Tierarzt oder eine professionelle Futterberatung, Mängel oder Überschüsse aufzudecken.
Fazit: Mit Wissen und Weitblick zum gesunden Partner
Der Kladruber ist ein außergewöhnliches Pferd, dessen Haltung weniger eine Frage des Budgets als vielmehr des Wissens und der Konsequenz ist. Indem Sie seine genetische Veranlagung als sparsamer Athlet verstehen und respektieren, schaffen Sie die besten Voraussetzungen für ein gesundes und langes Leben.
Der Schlüssel liegt in der Reduktion: weniger Energie im Futter, mehr kontrollierte Bewegung und vor allem Geduld mit seiner Entwicklung. So wird aus dem barocken Juwel ein starker, gesunder und leistungsbereiter Partner an Ihrer Seite.



