Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Spanische und barocke Pferderassen auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Erbkrankheiten beim PRE: Was Käufer über Melanome, PSSM1 und das ‚Grau-Gen‘ wissen müssen
Erbkrankheiten beim PRE: Was Käufer über Melanome, PSSM1 und das Grau-Gen wissen müssen
Der Traum vom eigenen spanischen Pferd ist oft das Bild eines majestätischen Schimmels: elegant, feurig und von einer fast mythischen Schönheit. Doch hinter der strahlend weißen Fassade verbirgt sich eine genetische Besonderheit, die jeder potenzielle Käufer kennen sollte. Es ist die gleiche Genmutation, die dem Pura Raza Española (PRE) seine begehrte Farbe verleiht – und die zugleich ein deutlich erhöhtes Gesundheitsrisiko birgt.
Wir beleuchten hier die wichtigsten genetischen Veranlagungen des PRE, erklären den Zusammenhang zwischen der Schimmelfarbe und Melanomen und zeigen auf, warum auch ein Test auf die Muskelkrankheit PSSM1 bei der Kaufentscheidung eine entscheidende Rolle spielen sollte.
Das Grau-Gen: Mehr als nur eine Farbe
Fast kein PRE wird weiß geboren. Die Fohlen kommen als Rappen, Braune oder Füchse zur Welt und durchlaufen einen faszinierenden Prozess: das „Ausschimmeln“. Verantwortlich dafür ist eine spezifische Mutation im Gen STX17 – das sogenannte „Grau-Gen“. Es sorgt dominant dafür, dass die Pigmentproduktion im Fell mit den Jahren nachlässt und die Haare weiß nachwachsen.
Dieser Prozess bringt die beeindruckende Vielfalt an Apfelschimmeln, Eisenschimmeln und schließlich den strahlend weißen Pferden hervor. Doch die Wirkung des Gens beschränkt sich nicht auf die Haarfarbe – sie greift tief in die Biologie der Pigmentzellen ein und legt damit den Grundstein für eine der häufigsten Erkrankungen bei Schimmeln.
Die Schattenseite des Schimmels: Das erhöhte Melanom-Risiko
Genau jene genetische Anweisung, die das Fell aufhellt, kann zu einer Überaktivität der pigmentbildenden Zellen (Melanozyten) führen. Diese können sich unkontrolliert vermehren und gutartige Tumore bilden: die sogenannten Melanome. Studien belegen eine alarmierende Häufigkeit: Etwa 80 % aller Schimmel entwickeln ab einem Alter von 15 Jahren im Laufe ihres Lebens diese schwarzen Hautknoten.
Was sind Melanome und wie gefährlich sind sie?
Melanome sind Tumore, die aus Pigmentzellen entstehen. Bei Schimmeln treten sie meist als kleine, harte, schwarze Knoten unter der Haut auf. Typische Stellen sind:
- Unter der Schweifrübe
- Rund um den Anus und die Genitalien
- Am Maul und den Augenlidern
- An der Ohrspeicheldrüse
Zunächst die gute Nachricht: Die meisten dieser Melanome sind gutartig (benign). Sie wachsen langsam und stören das Pferd oft über Jahre hinweg nicht. Das Problem ist, dass sie entarten und bösartig (maligne) werden, in umliegendes Gewebe einwachsen oder Metastasen in inneren Organen bilden können. Große, gutartige Melanome können zudem mechanische Probleme verursachen, etwa beim Absetzen von Kot oder bei der Nutzung des Zaumzeugs.
Als Käufer sollten Sie daher bei jedem Schimmel eine genaue Untersuchung dieser Prädilektionsstellen vornehmen lassen und den Befund im Kaufvertrag festhalten.
PSSM1 – Wenn die Muskeln nicht mitspielen
Unabhängig von der Fellfarbe ist eine weitere Erbkrankheit für Käufer von PREs und anderen barocken Rassen relevant: die Polysaccharid-Speicher-Myopathie Typ 1 (PSSM1). Dahinter verbirgt sich eine Störung des Zuckerstoffwechsels in der Muskulatur.
Durch einen Defekt im GYS1-Gen speichert der Muskel übermäßig viel und zudem abnormal strukturiertes Glykogen, die Speicherform von Zucker. Dies führt dazu, dass dem Muskel bei Belastung nicht genügend Energie zur Verfügung steht.
Die Symptome von PSSM1 sind oft unspezifisch und werden leicht fehlinterpretiert:
- Unerklärliche Steifheit und Muskelverspannungen, besonders in der Hinterhand
- Bewegungsunlust bis hin zur völligen Verweigerung
- Starkes Schwitzen bereits bei leichter Arbeit
- Muskelzittern und harte Muskulatur
- In schweren Fällen (Kreuzverschlag) kaffeebrauner Urin, verursacht durch die Zerstörung von Muskelzellen
Gerade bei einem temperamentvollen spanischen Pferd werden diese Anzeichen oft fälschlicherweise als Widersetzlichkeit oder mangelnde Kooperation abgetan. Dahinter kann jedoch ein handfestes metabolisches Problem stecken, das dem Pferd Schmerzen bereitet.
Wissen ist Macht: Was Sie als Käufer tun können
Die Kenntnis dieser genetischen Risiken sollte Sie nicht entmutigen, sondern befähigen. Ein informierter Käufer kann die richtigen Fragen stellen und die notwendigen Schritte einleiten, um ein gesundes Pferd zu finden und ihm ein langes, glückliches Leben zu ermöglichen.
Genetische Tests als Standard-Werkzeug
Die moderne Veterinärmedizin macht es einfach, Risiken aufzudecken. Für PSSM1 gibt es einen unkomplizierten Gentest, für den lediglich eine Haarprobe mit Wurzel oder eine Blutprobe benötigt wird. Fragen Sie den Verkäufer direkt, ob ein solcher Test bereits vorliegt. Falls nicht, bestehen Sie darauf, ihn im Rahmen der Ankaufsuntersuchung durchführen zu lassen.
Die gründliche Ankaufsuntersuchung
Eine umfassende klinische und gegebenenfalls röntgenologische Untersuchung durch einen Tierarzt ist vor jedem Pferdekauf unerlässlich. Weisen Sie den Tierarzt explizit darauf hin, die Haut des Pferdes sorgfältig auf eventuelle Melanome abzutasten und jeden Befund zu dokumentieren.
Management ist alles
Ein positives Testergebnis für PSSM1 ist nicht zwangsläufig ein K.-o.-Kriterium. Pferde mit PSSM1 können bei angepasstem Management oft ein normales Leben als Freizeitpartner führen. Dies erfordert jedoch eine strikte Diät (wenig Stärke und Zucker, viel Fett) und ein sehr regelmäßiges, durchdachtes Bewegungsprogramm.
Um zusätzlichen Stress und Schmerzen zu vermeiden, ist bei Pferden mit Muskelproblemen wie PSSM1 auch die richtige Ausrüstung entscheidend. Ein perfekt passender Sattel, der den Druck gleichmäßig verteilt und die Bewegungsfreiheit der Schulter nicht einschränkt, ist hier von zentraler Bedeutung. Spezialisierte Konzepte, wie sie etwa Iberosattel für die besonderen Anforderungen barocker Pferde entwickelt hat, können eine wertvolle Unterstützung sein, um Verspannungen vorzubeugen.(Partnerhinweis)
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Erbkrankheiten beim PRE
Muss jeder Schimmel Melanome bekommen?
Nein, aber das Risiko ist genetisch bedingt extrem hoch. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schimmel im fortgeschrittenen Alter Melanome entwickelt, liegt bei rund 80 %.
Sind Melanome immer gefährlich?
Nicht sofort. Die meisten sind anfangs gutartig und wachsen langsam. Sie müssen jedoch engmaschig beobachtet werden, da sie bösartig werden oder durch ihre Größe mechanische Probleme verursachen können.
Kann man ein Pferd mit PSSM1 normal reiten?
Das hängt vom Schweregrad und vor allem vom Management ab. Mit einer konsequenten Fütterungs- und Haltungsanpassung sind viele PSSM1-Pferde als Freizeitpferde gut reitbar. Leistungssport ist jedoch oft nur eingeschränkt oder gar nicht möglich.
Sollte ich vom Kauf eines PRE abraten, wenn er Träger von PSSM1 ist?
Das ist eine persönliche Entscheidung. Sie müssen sich bewusst sein, dass das Pferd lebenslang ein spezielles Management benötigt, das mit Mehrkosten und -aufwand verbunden ist. Für einen reinen Freizeitreiter, der bereit ist, diese Verantwortung zu übernehmen, kann es dennoch das passende Pferd sein.
Wie teuer sind Gentests für PSSM1?
Ein Gentest auf PSSM1 ist relativ kostengünstig. Die Preise der Labore liegen in der Regel zwischen 40 und 60 Euro – eine kleine Investition, die vor einer großen Enttäuschung schützen kann.
Fazit: Ein informierter Kauf für eine gesunde Zukunft
Das Pura Raza Española ist eine außergewöhnliche Rasse, die Reiter weltweit mit ihrer Anmut, Intelligenz und Rittigkeit begeistert. Die Faszination für den Schimmel ist verständlich, doch wahre Pferdeliebe bedeutet, über die Farbe hinauszuschauen und die Verantwortung für die Gesundheit des Tieres zu übernehmen.
Wenn Sie sich über genetische Veranlagungen wie Melanome und PSSM1 informieren, die richtigen Fragen stellen und moderne Diagnostik nutzen, treffen Sie eine fundierte Entscheidung. So stellen Sie sicher, dass der Traum vom spanischen Pferd auf einem soliden Fundament steht und Sie viele gesunde Jahre mit Ihrem vierbeinigen Partner genießen können. Denn zum Wissen um die Merkmale einer Rasse gehört auch das Verständnis für ihre genetischen Besonderheiten.



