Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Alta Escuela auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Die Courbette: Vom ersten Ansatz bis zum kraftvollen, getragenen Sprung

Ein Pferd, das sich auf die Hinterhand setzt, die Vorderbeine elegant anwinkelt und dann – wie von einer unsichtbaren Feder getragen – kraftvoll nach vorn und oben springt. Die Courbette ist mehr als nur eine Lektion der Hohen Schule; sie ist ein Moment purer Kraft, Harmonie und höchster Versammlung. Für viele Reiter ist sie der Inbegriff der klassischen Reitkunst, ein faszinierendes Bild, das man aus Shows wie der Spanischen Hofreitschule in Wien kennt.

Doch hinter dieser scheinbar mühelosen Demonstration von Stärke verbirgt sich ein langer, systematischer und pferdegerechter Ausbildungsweg. Die Courbette ist keine Zirkuslektion, die einem Pferd einfach antrainiert wird. Vielmehr ist sie das logische Ergebnis jahrelanger gymnastizierender Arbeit, die auf Vertrauen, Balance und Kraft fußt. Begleiten Sie uns auf eine Reise in die Welt der Schulsprünge und entdecken Sie, wie die Courbette nach den Lehren der Alten Meister entwickelt wird.

Das Fundament: Ohne Versammlung kein Sprung

Bevor überhaupt an den ersten Ansatz einer Courbette zu denken ist, muss das Pferd ein Höchstmaß an Versammlung erreicht haben. Die Lektion entsteht nicht aus Schwung, sondern aus der reinen Kraft der Hinterhand. Das bedeutet, das Pferd muss gelernt haben, sein Gewicht deutlich auf die gebeugten Hanken zu verlagern und die Vorhand zu entlasten.

Die Piaffe als Grundstein der Kraft

Die Basis für jede Übung der Hohen Schule ist eine exzellent gerittene Piaffe. In dieser Lektion entwickelt das Pferd die notwendige Kraft in der Hinterhand, lernt, sich unter dem Reiter auszubalancieren und die Hanken aktiv zu beugen. Ohne eine solide, taktreine und gesetzte Piaffe fehlt die physische Grundlage, um das gesamte Körpergewicht für einen Sprung aufzufangen.

Von der Levade zur Courbette: Ein logischer Weg

Die direkte Vorübung zur Courbette ist die Levade oder die Pesade. Beide Lektionen gehören zu den „Schulen auf der Erde“.

  • Die Levade: Das Pferd senkt die Kruppe stark ab, winkelt die Hanken extrem (ca. 30–35 Grad) und hebt die Vorhand an. In dieser Position verharrend, zeigt es höchste Versammlung und Balance. Die Levade gilt als Ausdruck maximaler Kraft und Getragenheit.
  • Die Pesade: Sie ähnelt der Levade, allerdings wird die Vorhand höher angehoben und der Winkel zum Boden ist steiler (ca. 45 Grad). Die Pesade erfordert weniger Kraft, dafür aber mehr Geschicklichkeit und dient oft als Zwischenschritt zur Levade.

Aus einer dieser stabilen, getragenen Positionen entwickelt sich der erste Sprung der Courbette. Das Pferd springt aus der Beugung der Hinterhand nach vorne-oben, ohne dass die Vorhand zwischendurch den Boden berührt.

Ein Pferd in einer sauberen Levade, die Muskeln angespannt, der Reiter ausbalanciert.

Das Training der Courbette: Geduld, Timing und Feingefühl

Die Ausbildung zur Courbette ist ein Prozess, der über Jahre reift. Der Weg dorthin erfordert vom Reiter nicht nur technisches Können, sondern vor allem ein tiefes Verständnis für die Biomechanik des Pferdes und ein untrügliches Gefühl für den richtigen Moment.

Der erste Sprung: Aus der Ruhe die Kraft entfalten

Der erste Sprung wird aus einer absolut sicheren und ruhigen Levade oder Pesade abgefragt. Der Reiter gibt einen minimalen Impuls, quasi die „Erlaubnis“ zum Sprung. Das Pferd soll lernen, die gesammelte Energie nicht in unkontrolliertes Steigen, sondern in einen kontrollierten, kurzen Sprung nach vorn umzuwandeln. Wichtig ist hierbei:

  • Kein Ziehen am Zügel: Die Hände des Reiters bleiben weich und geben nach. Ein Festhalten würde das Pferd im Rücken blockieren.
  • Der Reiter bleibt zentriert: Der Sitz des Reiters muss absolut ausbalanciert sein, um das Pferd in seiner Bewegung nicht zu stören.
  • Lob für den kleinsten Ansatz: Schon der Versuch, aus der Hocke abzuspringen, wird ausgiebig gelobt, um dem Pferd die Idee positiv zu vermitteln.

Die Serie: Der Aufbau von Rhythmus und Kondition

Sobald der einzelne Sprung sicher und auf feine Hilfen abrufbar ist, kann an einer Serie von Sprüngen gearbeitet werden. Ein Meisterstück der Alta Escuela besteht darin, mehrere Courbetten hintereinander auszuführen, ohne dass die Vorderbeine den Boden berühren. Dies fordert vom Pferd extreme Kondition und Kraft.

Der Reiter unterstützt das Pferd dabei, einen Rhythmus zu finden und die Energie für den nächsten Sprung unmittelbar nach der Landung auf den Hinterbeinen wieder zu sammeln. Drei bis fünf Sprünge in Folge gelten als Ausdruck höchster Perfektion.

Ein PRE-Hengst in der Courbette, Vorderbeine angewinkelt, kraftvoller Absprung sichtbar.

Häufige Fehler und die Bedeutung der korrekten Ausbildung

Der Weg zur Courbette ist anspruchsvoll, und der Wunsch nach schnellen Erfolgen führt oft zu gravierenden Fehlern. Eine erzwungene oder falsch aufgebaute Courbette ist nicht nur unschön, sondern auch schädlich für das Pferd.

Gefahr der Überforderung: Zu früh, zu viel

Die Belastung für die Sprunggelenke und den Rücken des Pferdes ist bei der Courbette enorm. Ein Pferd, dessen Muskulatur und Sehnenapparat nicht über Jahre systematisch darauf vorbereitet wurden, erleidet schnell Verschleißerscheinungen oder akute Verletzungen. Geduld ist hier der wichtigste Leitsatz.

Verwechslung mit Steigen: Der feine Unterschied

Ein häufiger Fehler ist die Verwechslung der Courbette mit einem antrainierten Steigen. Der entscheidende Unterschied liegt in der Herkunft der Bewegung:

  • Die Courbette entsteht aus der Kraft der gebeugten Hinterhand. Das Pferd ist dabei versammelt und im Gleichgewicht.
  • Das Steigen ist hingegen oft eine Abwehrreaktion oder ein Verlust der Balance, bei dem das Pferd sich mit steifem Rücken nach oben wirft.

Die Rolle der Ausrüstung: Ein Sattel, der Bewegungsfreiheit garantiert

Für Lektionen, die ein solches Maß an Versammlung und Beweglichkeit erfordern, ist die Passform des Sattels entscheidend. Ein unpassender Sattel kann die Schulter blockieren, den Rücken schmerzhaft einengen und die feine Kommunikation zwischen Reiter und Pferd stören. Besonders bei Pferden mit dem typischen Körperbau spanischer und barocker Rassen – kurzer Rücken, breite Schultern – ist ein Standardmodell oft ungeeignet.

Ein Sattel muss dem Pferd erlauben, den Rücken aufzuwölben und die Hinterhand maximal unter den Schwerpunkt zu bringen. Ohne diese Freiheit ist eine korrekte Levade und damit auch eine gesunde Courbette unmöglich.

Partnerhinweis: Spezialisierte Hersteller wie Iberosattel haben Sattelkonzepte entwickelt, die gezielt auf die Anatomie barocker Pferde abgestimmt sind. Modelle mit großer Auflagefläche und maximaler Schulterfreiheit unterstützen das Pferd dabei, sein volles Bewegungspotenzial schmerzfrei zu entfalten, was insbesondere in der Hohen Schule von essenzieller Bedeutung ist.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Courbette

Ist die Courbette schädlich für das Pferd?

Bei einem korrekten, pferdegerechten Aufbau über viele Jahre ist die Courbette nicht schädlich, sondern ein Ausdruck ultimativer Stärke und Gymnastizierung. Wird die Lektion jedoch erzwungen oder mit einem körperlich unvorbereiteten Pferd trainiert, kann sie zu ernsthaften gesundheitlichen Schäden führen.

Kann jedes Pferd die Courbette lernen?

Theoretisch ja, aber praktisch sind bestimmte Rassen aufgrund ihres Körperbaus und Temperaments prädestiniert. Pura Raza Española (PRE), Lusitanos oder Lipizzaner bringen von Natur aus eine größere Fähigkeit zur Versammlung und eine stärkere Hinterhand mit.

Wie lange dauert die Ausbildung zur Courbette?

Die Ausbildung ist höchst individuell und dauert mehrere Jahre. Sie ist der Höhepunkt einer langen, soliden Dressurausbildung und sollte niemals ein Ziel an sich sein, sondern sich aus der Entwicklung des Pferdes ergeben.

Was ist der historische Ursprung der Courbette?

Die Courbette gehört zu den Schulsprüngen, die ihren Ursprung in der militärischen Reiterei haben. Ein Pferd, das auf Kommando springen konnte, verschaffte dem Reiter im Kampfgetümmel einen Vorteil, indem es beispielsweise über am Boden liegende Gegner sprang oder Angreifer abwehrte.

Fazit: Die Courbette als Symbol der Harmonie

Die Courbette ist weit mehr als eine spektakuläre Showlektion. Sie ist der sichtbare Beweis für eine Ausbildung, die auf Logik, Geduld und tiefem Respekt vor dem Pferd fußt. Sie verkörpert die ultimative Versammlung und die Bereitschaft des Pferdes, seine gesamte Kraft in den Dienst des Reiters zu stellen. Für den Reiter, der diesen Weg beschreitet, ist nicht der ausgeführte Sprung das Ziel, sondern die jahrelange, vertrauensvolle Reise dorthin – eine Reise, die Pferd und Mensch in wahrer Harmonie vereint.

Wenn Sie tiefer in die faszinierende Welt der iberischen Reitweisen eintauchen möchten, erfahren Sie mehr über die Working Equitation, eine Disziplin, die traditionelle Arbeitsreitweisen mit moderner Dressur verbindet.

Birgit Thoma
Birgit Thoma

Birgit Thoma ist Gründerin von Das-Spanische-Pferd.de und Geschäftsführerin von Iberosattel Reitsport GmbH, spezialisiert auf iberische Pferde und klassische Sattelsysteme.