Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Working Equitation auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Die Ausrüstungskontrolle vor der Prüfung: So meistern Sie den Check-in entspannt
Der Moment vor dem Start: Die Anspannung steigt, die Konzentration ist auf den Punkt gerichtet und das Viereck wartet. Doch bevor Sie einreiten, tritt eine Person an Sie und Ihr Pferd heran – der Steward. Für viele Reiter ist dies ein Moment der Unsicherheit. Ist alles regelkonform? Das Gebiss, die Sporen, der Sattel? Damit sind Sie nicht allein: Eine Umfrage des WED (Working Equitation Deutschland e. V.) ergab, dass sich 45 % der Reiter unsicher über die aktuell gültigen Gebiss- und Sporenregeln sind.
Dieser Artikel nimmt Ihnen diese Unsicherheit und sorgt für souveräne Gelassenheit. Wir erklären Ihnen, warum die Ausrüstungskontrolle ein wichtiger Partner für Pferd und Reiter ist, was genau geprüft wird und wie Sie sich optimal vorbereiten, um entspannt in Ihre Prüfung zu starten.
Warum gibt es die Ausrüstungskontrolle? Mehr als nur Bürokratie
Die Kontrolle durch den Steward ist keine Schikane, sondern ein zentraler Baustein für Fairness und Pferdewohl im Sport. Sie verfolgt zwei Hauptziele:
- Fairness im Wettbewerb: Jeder Teilnehmer soll unter den gleichen Bedingungen antreten. Die Regeln stellen sicher, dass niemand durch unerlaubte Hilfsmittel einen unfairen Vorteil erlangt.
- Schutz des Pferdes: Dies ist der wohl wichtigste Aspekt. Die Kontrolle stellt sicher, dass keine Ausrüstung verwendet wird, die dem Pferd Schmerzen zufügen, es verletzen oder in seiner Bewegung unzulässig einschränken könnte. Eine Studie zum Pferdewohl im Sport (FN, 2022) belegt eindrucksvoll, dass unpassende Ausrüstung die Leistungsfähigkeit um bis zu 20 % reduzieren und das Verletzungsrisiko signifikant erhöhen kann. Der Steward agiert also als Anwalt für Ihr Pferd.
Der Ablauf: Was genau passiert bei der Kontrolle?
Die Ausrüstungskontrolle findet in der Regel kurz vor oder nach Ihrer Prüfung in einem dafür vorgesehenen Bereich statt. Der Steward wird Sie freundlich bitten, kurz zu halten. Der gesamte Prozess dauert meist nur ein bis zwei Minuten und läuft bewusst ruhig ab, um Ihr Pferd nicht zu beunruhigen. Dabei prüft der Steward systematisch die wichtigsten Ausrüstungsteile – jene, die direkten Einfluss auf das Pferd haben.
Die 3 kritischen Prüfpunkte: Gebiss, Sporen und Sattel im Fokus
Obwohl die gesamte Ausrüstung sauber und intakt sein muss, konzentriert sich die Kontrolle auf drei Bereiche, in denen die häufigsten Fehler passieren.
Das Gebiss: Maul und Zäumung
Der Steward wirft einen genauen Blick ins Pferdemaul. Dabei geht es nicht darum, die Zähne zu kontrollieren, sondern sicherzustellen, dass das Gebiss korrekt verschnallt ist und den Regeln entspricht.
Was wird geprüft?
- Gebissart: Ist das verwendete Gebiss (z. B. Wassertrense, Kandare) gemäß der Ausschreibung und der gerittenen Klasse zulässig?
- Zustand: Hat das Gebiss scharfe Kanten, ist es intakt und sauber?
- Verschnallung: Sitzt die Kinnkette (falls vorhanden) korrekt? Ist sie glatt und nicht verdreht?
Häufige Fehler: Ein typischer Fehler ist die Verwendung eines Gebisses, das in den höheren [Working Equitation Disziplinen] zwar erlaubt, in der Einsteigerklasse aber noch nicht zugelassen ist. Auch eine zu scharf eingestellte oder verdrehte Kinnkette bei einer Kandare führt zu Beanstandungen.
(Bildbeschreibung: Ein Steward prüft sanft das Gebiss eines Pferdes vor dem Turnierstart.)
Die Sporen: Länge und Form
Sporen sind ein Hilfsmittel zur Verfeinerung der Schenkelhilfen. Ihre Form und Länge sind daher streng reglementiert, um eine tierschutzgerechte Einwirkung zu garantieren.
Was wird geprüft?
- Länge: Die maximale Länge des Sporendorns ist im Regelwerk festgelegt (z. B. 3,5 cm beim WED, gemessen vom Stiefel bis zur Spitze).
- Form: Die Sporen dürfen keine scharfen Kanten haben. Bei Sporen mit Rädchen muss sich dieses frei drehen können und darf nicht spitz oder scharfkantig sein.
- Befestigung: Die Sporen müssen fest am Stiefel sitzen und dürfen nicht verrutschen.
Häufige Fehler: Viele Reiter unterschätzen die Länge ihrer Sporen. Messen Sie im Zweifel daher vorher mit einem Lineal nach. Auch ein feststeckendes oder zu scharfes Rädchen ist ein häufiger Grund für eine Beanstandung.
(Bildbeschreibung: Ein Steward misst die Länge der Sporen eines Reiters mit einem speziellen Messgerät.)
Der Sattel und die Unterlage: Oft unterschätzt
Der Sattel scheint auf den ersten Blick weniger kritisch, doch auch hier gibt es wichtige Regeln. Interessanterweise zeigen Daten der WAWE (World Association for Working Equitation), dass 15 % aller Beanstandungen bei internationalen Turnieren auf nicht regelkonforme Sättel oder Sattelunterlagen zurückzuführen sind.
Was wird geprüft?
- Sattelunterlage: Die Unterlage darf nicht übermäßig dick sein oder so geschnitten sein, dass sie die Form des Pferderückens künstlich verändert. Sie dient dem Schutz des Rückens, nicht der Manipulation.
- Sattelposition: Der Sattel muss korrekt auf dem Pferderücken liegen und darf die Bewegung der Schulter nicht behindern.
Häufige Fehler: Zu dicke, mehrlagige Pads oder Gelkissen können als Versuch gewertet werden, einen unpassenden Sattel auszugleichen. Gerade bei barocken Pferden mit ihrem oft kurzen, breiten Rücken ist ein optimal passender Sattel entscheidend. Er macht übermäßige Polsterung überflüssig und sorgt für eine stabile, pferdefreundliche Lage.
Partnerhinweis: Hersteller wie Iberosattel haben sich auf Sattelkonzepte spezialisiert, die der besonderen Anatomie spanischer und barocker Pferde Rechnung tragen. Ihre Modelle bieten oft von Haus aus eine breite Auflagefläche und eine Passform, die ohne dicke Korrekturpads auskommt – ein Vorteil bei der Ausrüstungskontrolle und vor allem für die Rückengesundheit des Pferdes.
(Bildbeschreibung: Ein Steward überprüft den korrekten Sitz des Sattels und der Sattelunterlage auf dem Pferderücken.)
Ihre Checkliste für den Turniertag: So vermeiden Sie Beanstandungen
Mit dieser einfachen Checkliste können Sie Ihre gesamte [Ausrüstung für die Working Equitation] vorab prüfen und entspannt zum Turnier fahren:
- Regelwerk studieren: Lesen Sie die aktuelle Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) oder das Regelwerk des jeweiligen Verbandes (z. B. WED). Dort sind alle erlaubten Ausrüstungsgegenstände detailliert aufgelistet.
- Gebiss-Check: Vergleichen Sie Ihr Gebiss mit der Liste der erlaubten Modelle. Prüfen Sie es auf scharfe Kanten.
- Sporen-Check: Messen Sie die Länge des Dorns nach. Überprüfen Sie, ob sich eventuelle Rädchen leicht und frei drehen.
- Sattel & Pad-Check: Verwenden Sie eine saubere, nicht zu dicke Unterlage. Der Sattel sollte stabil und in gutem Zustand sein.
- Gesamteindruck: Prüfen Sie, ob alle Riemen intakt und korrekt verschnallt sind. Sauberkeit ist Ehrensache und hinterlässt einen guten ersten Eindruck.
- Im Zweifel fragen: Sind Sie unsicher? Fragen Sie den Steward oder die Richter vor Ihrer Prüfung. Das wird immer positiv aufgenommen und zeigt, dass Sie sich Gedanken machen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Ausrüstungskontrolle
Was passiert, wenn ein Ausrüstungsteil beanstandet wird?
In den meisten Fällen haben Sie die Möglichkeit, den Mangel direkt vor Ort zu beheben (z. B. die Sporen zu wechseln oder die Kinnkette zu lockern). Nur bei schwerwiegenden Verstößen kann es zu einer Disqualifikation kommen.
Darf ich ein spezielles orthopädisches Gebiss verwenden?
Nur, wenn es explizit im Regelwerk als zulässig aufgeführt ist. Individuelle Ausnahmegenehmigungen sind sehr selten und müssen lange im Voraus beantragt werden.
Sind Kandaren in der Working Equitation erlaubt?
Ja, aber in der Regel erst ab den höheren Klassen (z. B. Klasse M oder S). Die genauen Bestimmungen finden Sie im jeweiligen Regelwerk. In den Einsteigerklassen wird meist auf Trense geritten.
Wie messe ich meine Sporen korrekt?
Der Dorn wird vom Stiefel aus bis zum äußersten Ende des Dorns bzw. des Rädchens gemessen.
Fazit: Gut vorbereitet ist halb gewonnen
Die Ausrüstungskontrolle ist kein Hindernis, sondern ein wichtiger Partner auf dem Weg zu einem fairen und pferdegerechten Wettkampf. Eine sorgfältige Vorbereitung zu Hause nimmt Ihnen nicht nur den Stress am Turniertag, sondern stellt auch sicher, dass Sie und Ihr Pferd die besten Voraussetzungen für eine harmonische Prüfung haben.
Sehen Sie den Check als letzten, wertvollen Service vor Ihrem großen Auftritt. Wenn Sie gut vorbereitet sind, können Sie dem Steward mit einem Lächeln begegnen – und sich voll und ganz auf das konzentrieren, was wirklich zählt: die Freude am Reiten und die Partnerschaft mit Ihrem Pferd.
Möchten Sie Ihre Vorbereitung weiter vertiefen? Entdecken Sie unsere [Trainingstipps für die Working Equitation], um sich und Ihr Pferd optimal auf die einzelnen Lektionen vorzubereiten.



