Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Alta Escuela auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Die Ausrüstung der Alta Escuela: Wo Tradition auf Funktion trifft
Stellen Sie sich eine Szene vor, wie aus einer anderen Zeit: Ein Reiter in eleganter, traditioneller Kleidung sitzt auf einem stolzen iberischen Pferd. Mit kaum sichtbaren Hilfen lässt er sein Pferd tanzen, es steigt auf in die Levade – eine Lektion purer Kraft und Versammlung. Dieses Bild ist die Essenz der Alta Escuela: Die Hohe Schule der Reitkunst, einer Reitkunst, die tief in der europäischen Geschichte verwurzelt ist. Doch hinter dieser prachtvollen Fassade verbirgt sich ein System, in dem jedes Detail der Ausrüstung – vom Sattel bis zur Zäumung – eine präzise Funktion erfüllt.
Die Ausrüstung der Hohen Schule ist kein modisches Statement. Sie ist das Ergebnis jahrhundertelanger Entwicklung, die im militärischen Training der Renaissance ihren Ursprung hat. Reitmeister wie François Robichon de la Guérinière prägten eine Reitweise, die auf Leichtigkeit, Balance und perfekter Kommunikation basierte, und die Ausrüstung war das entscheidende Werkzeug, um diese Ziele zu erreichen. Heute stehen wir vor der spannenden Aufgabe, dieses Erbe zu verstehen und es mit modernen Erkenntnissen über Pferdeanatomie und Tierschutz in Einklang zu bringen.
Der Thron des Reiters: Der barocke Sattel
Wer zum ersten Mal einen traditionellen spanischen oder portugiesischen Sattel sieht, dem fallen sofort der hohe Vorder- und Hinterzwiesel auf. Diese „Galerien“ wirken fast wie ein Thron und haben einen zutiefst praktischen Grund: Sie geben dem Reiter maximale Stabilität und einen tiefen, sicheren Sitz. In Lektionen wie der Levade oder der Courbette, bei denen das Pferd sein gesamtes Gewicht auf die Hinterhand verlagert, war dieser Halt entscheidend.
Doch die wahre Genialität liegt darunter verborgen. Traditionelle Barocksättel wurden für die Anatomie von barocken Pferderassen: Eleganz und Kraft vereint konzipiert. Diese Pferde besitzen oft einen kürzeren, breiteren Rücken und eine kräftige Schulter. Deshalb verteilt der Sattel das Reitergewicht über eine möglichst große Auflagefläche, um Druckspitzen zu vermeiden und der Schulter maximale Freiheit zu gewähren.
Die Brücke zur Moderne: Passform ist alles
Was damals funktionierte, stößt heute an seine Grenzen. Nicht nur die Pferde haben sich verändert, auch die Reiter sind im Durchschnitt größer und schwerer als vor 200 Jahren. Ein historischer Sattel passt daher nur selten auf ein modernes Pferd. Seine starren Bäume und die standardisierte Polsterung können zu schmerzhaften Druckstellen führen und die Bewegungen des Pferdes blockieren.
Die Herausforderung besteht darin, die Vorteile des traditionellen Designs – den sicheren Sitz und die breite Auflage – zu bewahren und sie mit den Anforderungen an eine moderne, anatomisch korrekte Passform zu verbinden. Ein Sattel muss heute individuell anpassbar sein, um der Dynamik des Pferderückens in der Bewegung gerecht zu werden. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Ratgeber über der passende Sattel für Ihr barockes Pferd.
Die feine Verbindung: Kandarenzaum und Serreta
In der Hohen Schule dreht sich alles um die Verfeinerung der Kommunikation, wofür die Zäumung das zentrale Instrument ist. Traditionell kommt der Kandarenzaum zum Einsatz, eine Kombination aus einem Unterlegtrensen-Gebiss für Biegung und Stellung und einem Kandaren-Gebiss mit Hebelwirkung für Versammlung und Aufrichtung.
Es ist ein Werkzeug für Meister: In einer ruhigen, erfahrenen Hand erlaubt die Kandare eine Kommunikation in Nuancen. Doch ihre Wirkung kann schnell zu scharf werden, weshalb es entscheidend ist, genau zu wissen, wie die Kandarenzäumung richtig anwenden funktioniert, um dem Pferd nicht zu schaden.
Ein weiteres traditionelles Element ist die Serreta, ein gezahnter Nasenbügel aus Metall, der ursprünglich zur Ausbildung junger Pferde am Boden diente. Wegen ihrer potenziell scharfen Wirkung wird sie in der modernen, pferdefreundlichen Ausbildung kritisch gesehen. Heutige Alternativen wie gut angepasste Kappzäume aus Leder erzielen die gleiche Wirkung, sind dabei aber wesentlich sanfter.
Die Uniform der Tradition: Der Traje Corto
Die Kleidung des Reiters, der sogenannte „Traje Corto“, ist mehr als nur eine Uniform. Sie stammt von der Arbeitskleidung der andalusischen Landbesitzer und Gutsverwalter („Señoritos“) ab und ist tief in der Kultur der Doma Vaquera verwurzelt.
Jedes Detail hat dabei seinen praktischen Zweck:
- Die kurze Jacke (Chaquetilla): Sie sorgt für maximale Bewegungsfreiheit im Oberkörper.
- Die enganliegende Hose (Calzona): Oft mit Lederbesatz versehen, schützt sie die Beine und sorgt für guten Halt.
- Der breitkrempige Hut (Sombrero de ala ancha): Er schützte traditionell vor der unerbittlichen spanischen Sonne.
Der Traje Corto ist somit ein Symbol für die Verbindung von Arbeit, Kultur und Reitkunst. Er unterstreicht die Eleganz und den Stolz, die untrennbar mit der iberischen Reitweise verbunden sind.
Fazit: Tradition ehren, Pferdewohl respektieren
Die Ausrüstung der Alta Escuela ist ein faszinierendes Zeugnis der Reitgeschichte, das zeigt, wie eng Form, Funktion und Kultur miteinander verwoben sind. Als moderne Reiter ist es unsere Aufgabe, dieses Erbe zu verstehen und es verantwortungsvoll in die Gegenwart zu übertragen. Das bedeutet, die traditionelle Ästhetik zu schätzen, aber bei Passform und Anwendung von Sattel und Zaumzeug das Wohl des Pferdes an die erste Stelle zu setzen.
Moderne, anatomisch durchdachte Sättel, die speziell für den barocken Pferdetyp entwickelt wurden, sind hierbei der Schlüssel. Sie verbinden die Optik und den sicheren Sitz der traditionellen Vorbilder mit dem Wissen über Biomechanik und Rückengesundheit.
Partner-Hinweis: Hersteller wie Iberosattel haben sich darauf spezialisiert, diese Brücke zu schlagen und bieten Lösungen an, die Tradition und moderne Ergonomie vereinen, um Reiter und Pferd eine gesunde und harmonische Zusammenarbeit zu ermöglichen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum braucht man für die Alta Escuela einen speziellen Sattel?
Die Lektionen der Hohen Schule erfordern ein hohes Maß an Versammlung und Stabilität. Ein Barocksattel bietet dem Reiter durch seine hohen Galerien einen tiefen, sicheren Sitz und verteilt gleichzeitig das Gewicht optimal auf dem oft kurzen, breiten Rücken eines iberischen Pferdes.
Ist eine Kandare für die Hohe Schule immer notwendig?
Traditionell werden die höchsten Lektionen auf Kandare geritten, da sie eine sehr feine Hilfengebung ermöglicht. Der Weg dorthin führt jedoch über eine solide Grundausbildung auf Trense. Der Einsatz einer Kandare erfordert viel Erfahrung, Gefühl und eine unabhängige Hand.
Was ist der Unterschied zwischen Alta Escuela und klassischer Dressur?
Beide Disziplinen streben nach Harmonie und Perfektion in der Ausbildung des Pferdes und teilen viele Lektionen. Die Alta Escuela: Die Hohe Schule der Reitkunst ist jedoch stärker in der iberischen Tradition verwurzelt, was sich in der Ausrüstung, der Pferdeauswahl und der Ausführung bestimmter Lektionen (z. B. den Schulsprüngen) zeigt.
Wo kann man die Alta Escuela live erleben?
Berühmte Institutionen wie die Spanische Hofreitschule in Wien oder die Königlich-Andalusische Reitschule in Jerez de la Frontera (Spanien) bieten regelmäßig Vorführungen an. Auch auf großen Pferdemessen und Shows werden oft Darbietungen der Hohen Schule gezeigt.



