Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Barockpferde Ausbildung auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Typische Ausbildungsfehler bei jungen Iberern und wie Sie diese von Anfang an vermeiden
Sie haben ihn gefunden: Ihren Traum von einem spanischen Pferd. Elegant, intelligent und mit einer natürlichen Veranlagung für Versammlung, die Ihnen den Atem raubt. Doch im Training stellt sich leise Frustration ein. Die Leichtigkeit, von der Sie geträumt haben, fühlt sich manchmal blockiert an. Der Hals ist zwar hoch, aber der Rücken schwingt nicht. Woran liegt das?
Die Antwort ist oft einfacher und komplexer zugleich, als man denkt: Iberische Pferde sind keine Warmblüter mit mehr Mähne. Ihre Ausbildung verlangt ein Umdenken und ein tiefes Verständnis für ihre einzigartigen körperlichen und mentalen Eigenschaften. Viele gut gemeinte Trainingsansätze aus der klassischen Warmblut-Ausbildung führen bei ihnen in eine Sackgasse. Erkennen Sie die häufigsten Fehler von Anfang an – und legen Sie den Grundstein für eine harmonische Partnerschaft.

Der fundamentale Denkfehler: Ein Warmblut-Konzept für ein Barockpferd
Der häufigste Fehler beginnt im Kopf des Reiters: die Annahme, bewährte Methoden ließen sich eins zu eins übertragen. Doch die Anatomie eines iberischen Pferdes unterscheidet sich grundlegend von der eines modernen Sportpferdes.
Iberer – ob Pura Raza Española oder Lusitano – besitzen oft:
- einen kürzeren, kompakteren Rücken.
- einen höher angesetzen Hals.
- eine natürliche Aufrichtung und Bergauf-Tendenz.
- eine hohe Knieaktion und Beweglichkeit in der Vorhand.
Was auf den ersten Blick wie ein Vorteil für die Dressur aussieht, birgt eine Gefahr: Diese Merkmale verleiten dazu, Ausbildungsschritte zu überspringen. Ein junges Warmblut muss oft über Jahre mühsam lernen, Last auf die Hinterhand aufzunehmen. Ein junger Iberer bietet es Ihnen von Natur aus an. Doch dieses Angebot anzunehmen, bevor die Basis stimmt, ist der erste Schritt in die falsche Richtung.

Fehler 1: Die Falle der zu frühen Aufrichtung
Ein junges iberisches Pferd, das seinen Hals von selbst schön wölbt, ist ein herrlicher Anblick. Viele Reiter versuchen, diese Haltung mit der Hand zu „sichern“ und zu fixieren. Das Ergebnis ist jedoch keine reelle Versammlung, sondern eine spannige Illusion.
Das Problem: Das Pferd richtet sich auf, ohne die notwendige Kraft im Rücken und in der Hinterhand zu haben. Es drückt den Rücken weg, der Unterhals spannt sich an und es entsteht der gefürchtete „falsche Knick“ hinter dem Genick. Anstatt über einen schwingenden Rücken zu arbeiten, tritt die Hinterhand am Schwerpunkt vorbei. Das Pferd wird optisch kürzer, aber nicht getragener. Echter Schwung kann so gar nicht erst entstehen.
Die Lösung: Mut zum „vorwärts-abwärts“
Auch für ein Barockpferd ist die Dehnungshaltung der Schlüssel zu einem gesunden Rücken. In der Lösungsphase muss das Pferd lernen, den Hals fallen zu lassen, an das Gebiss heranzutreten und den Rücken aufzuwölben. Nur so kann sich die Oberlinie – die tragende Muskulatur – entwickeln. Diese Phase dauert bei Iberern oft länger, weil sie mental und körperlich lernen müssen, ihre natürliche Aufrichtung loszulassen. Geduld ist hier eine Investition in die gesamte Zukunft des Pferdes und entscheidend für eine Ausbildung nach der klassischen Ausbildungsskala, die auf Harmonie und Nachhaltigkeit ausgerichtet ist.

Fehler 2: Die sensible Seele des Südens missverstehen
Iberische Pferde sind für ihre Intelligenz und Sensibilität bekannt. Sie lernen schnell – Gutes wie Schlechtes. Während ein robusterer Pferdetyp eine grobe Hilfe vielleicht verzeiht, nimmt ein Iberer sie persönlich. Grober Druck, sei es durch eine harte Hand oder einen klemmenden Schenkel, führt selten zum Erfolg.
Das Problem: Ein überforderter oder unfair behandelter Iberer resigniert nicht einfach. Er wird entweder kreativ im Widerstand (Steigen, Bocken, Verweigern) oder zieht sich mental komplett zurück. Er wirkt dann „stur“ oder „faul“, obwohl er in Wahrheit aus Selbstschutz abschaltet. Diese Pferde verlieren ihr Vertrauen und damit die brillante Mitarbeit, die sie so auszeichnet.
Die Lösung: Ausbildung als Dialog
Die Arbeit mit diesen Pferden muss auf Vertrauen, Fairness und feiner Kommunikation beruhen. Verstehen Sie Ihr Training als Gespräch, nicht als Monolog. Geben Sie klare, aber sanfte Hilfen und loben Sie jeden richtigen Ansatz sofort. Wenn etwas nicht klappt, fragen Sie sich zuerst: „Habe ich es verständlich erklärt?“, anstatt mehr Druck aufzubauen. Bodenarbeit und Pausen sind essenzielle Bausteine, um die mentale Balance zu erhalten.
Fehler 3: Wenn die Ausrüstung zum schmerzhaften Hindernis wird
Der kompakte, oft breite und geschwungene Rücken eines Barockpferdes stellt besondere Anforderungen an die Ausrüstung. Ein Standard-Dressursattel, konzipiert für den langen, geraden Rücken eines Warmbluts, wird hier fast zwangsläufig zum Problem.
Das Problem: Ein unpassender Sattel verursacht immense Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Typische Folgen sind:
- Eingeklemmte Schulter: Der Sattel liegt zu weit vorne oder ist im Schulterbereich zu eng, was die freie Bewegung der Vorhand blockiert.
- Brückenbildung: Der Sattel liegt nur vorne und hinten auf, während in der Mitte ein Hohlraum entsteht.
- Zu enger Wirbelsäulenkanal: Die Sattelkissen drücken auf die Dornfortsätze und die empfindlichen Nervenbahnen.
- Kippen und Rutschen: Der Sattel findet keinen stabilen Halt und verursacht permanente Unruhe und Scheuerstellen.
Das Pferd reagiert darauf mit Taktfehlern, Anspannung, Schweifschlagen oder Verweigerung unter dem Reiter – Verhaltensweisen, die oft fälschlicherweise als Ungehorsam interpretiert werden.
Die Lösung: Ein maßgeschneiderter Ansatz
Für Barockpferde ist ein speziell angepasster Sattel keine Luxusoption, sondern eine Grundvoraussetzung für eine gesunde Ausbildung. Achten Sie auf eine große Auflagefläche zur Druckverteilung, maximale Schulterfreiheit und einen ausreichend breiten Wirbelsäulenkanal.
Partnerhinweis: Hersteller wie Iberosattel haben sich auf genau diese Anforderungen spezialisiert und entwickeln Sättel, die der Anatomie barocker Pferde gerecht werden. Eine professionelle Sattelanpassung durch einen Experten ist die beste Investition in die Gesundheit und Rittigkeit Ihres Pferdes.

Zusammenfassung: Die 3 Säulen der erfolgreichen Iberer-Ausbildung
Um das volle Potenzial Ihres iberischen Pferdes zu entfalten, konzentrieren Sie sich auf drei Grundpfeiler:
- Geduld & Zeit: Geben Sie dem Pferd Zeit, die notwendige Tragekraft über die Dehnungshaltung zu entwickeln. Erzwingen Sie keine Aufrichtung.
- Wissen & Verständnis: Verstehen Sie die rassespezifische Anatomie und mentale Veranlagung. Trainieren Sie mit dem Pferd, nicht gegen seine Natur.
- Partnerschaft & Fairness: Bauen Sie eine vertrauensvolle Beziehung durch feine Hilfen und positive Bestärkung auf. Überprüfen Sie Ihre Ausrüstung kritisch.
Ein iberisches Pferd, das korrekt und mit Respekt ausgebildet wird, ist ein Partner fürs Leben – ein Tänzer, der Ihnen Leichtigkeit, Kraft und Harmonie schenkt, wie es nur wenige andere können. Besonders in Disziplinen wie der Working Equitation oder der hohen Dressur können diese Pferde ihre Stärken voll ausspielen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ab wann darf ich meinen Iberer versammeln?
Echte Versammlung ist das Ergebnis einer soliden Grundausbildung, nicht eine Frage des Alters. Erst wenn Ihr Pferd in Dehnungshaltung taktrein in allen drei Grundgangarten geht, den Rücken aufwölbt und reell an die Hand herantritt, können Sie langsam beginnen, an der Aufrichtung zu arbeiten. Dies ist ein Prozess, der Jahre dauert.
Ist „vorwärts-abwärts“ bei einem Barockpferd wirklich notwendig?
Ja, absolut. Es ist die einzige Möglichkeit, die obere Hals- und Rückenmuskulatur so zu trainieren, dass sie das Pferd und den Reiter gesund tragen kann. Ohne diese gymnastizierende Basis führt jede Form der Aufrichtung zu Verspannungen und Verschleiß.
Mein junger Iberer ist oft angespannt und protestiert. Was kann ich tun?
Machen Sie einen Schritt zurück. Überprüfen Sie als Erstes den Sattel und die Zähne. Reduzieren Sie dann den Druck im Training. Bauen Sie mehr Pausen und vielseitige Arbeit wie Bodenarbeit oder entspannte Ausritte ein. Oft ist Anspannung ein Zeichen von Überforderung – entweder körperlich oder mental.



