Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Wissensrubrik Spanische und barocke Pferderassen auf das-spanische-pferd.de. In Zusammenarbeit mit Iberosattel - Entwickler von Premium Pferdesätteln mit Spezialisierung auf anspruchsvolle Pferderücken, besonders dort wo anatomische Besonderheiten und reale Nutzung klassische Sattelkonzepte überfordern.

Die Ausbildung des jungen Kladrubers: Wie man Kraft und Gelassenheit richtig fördert
Stellen Sie sich einen jungen, kraftvollen Schimmel auf einer weiten Koppel vor. Seine Bewegungen sind noch unkoordiniert, fast verspielt, doch in seinem Blick liegt bereits jene stoische Ruhe, die seine Vorfahren über Jahrhunderte in den prunkvollsten Zeremonien der europäischen Kaiserhöfe auszeichnete. Sie haben einen jungen Kladruber vor sich – einen sanften Riesen, dessen Ausbildung ebenso viel Fingerspitzengefühl wie Weitsicht erfordert.
Doch wie formt man aus diesem rohen Diamanten einen verlässlichen Partner, ohne seine spätreife Entwicklung zu überfordern? Der Schlüssel liegt darin, seine einzigartigen Eigenschaften nicht als Herausforderung, sondern als wertvollen Leitfaden für die Ausbildung zu begreifen. Dieser Artikel führt Sie durch die grundlegenden Prinzipien der Kladruber-Ausbildung und zeigt, wie Sie ein Fundament aus Vertrauen, Kraft und Gelassenheit legen.
Ein Erbe der Kaiser: Warum der Kladruber kein typisches Jungpferd ist
Wer einen jungen Kladruber pferdegerecht ausbilden will, muss seine Wurzeln verstehen. Diese Rasse, eine der ältesten der Welt, wurde nicht für schnelle Sprints oder sportliche Höchstleistungen gezüchtet, sondern für eine ganz andere Aufgabe: das Ziehen der schweren, prunkvollen Kutschen des Habsburger Kaiserhauses. Über Generationen hinweg wurden Pferde selektiert, die zwei entscheidende Merkmale vereinten: immense Kraft und ein unerschütterlich ruhiges Gemüt.
Dieses Erbe prägt den Kladruber bis heute und verleiht ihm als Ausbildungspferd ganz besondere Eigenschaften:
- Angeborene Gelassenheit: Während andere junge Pferde nervös oder hitzig reagieren, bleibt der Kladruber oft souverän. Diese Ruhe ist ein Schatz, den es zu bewahren gilt.
- Enorme Kraft: Sein barocker Körperbau ist für Zugleistung und Tragkraft ausgelegt. Diese Kraft muss gezielt in die richtigen Bahnen gelenkt und durch korrekte Muskulatur unterstützt werden.
- Spätreife Entwicklung: Der vielleicht wichtigste Punkt. Ein Kladruber ist kein Frühstarter. Sein Körper und Geist benötigen Zeit, um zu reifen.
Das Geheimnis liegt in der Geduld: Die spätreife Entwicklung verstehen
Während viele moderne Sportpferderassen bereits mit drei Jahren angeritten werden, wäre ein solch früher Start für einen Kladruber fatal. Sein Skelett, seine Sehnen und Bänder sind erst mit etwa sechs bis sieben Jahren vollständig entwickelt. Wer ihn vorher mit Reitergewicht und anspruchsvollen Lektionen belastet, riskiert irreparable gesundheitliche Schäden.
Geben Sie Ihrem jungen Kladruber die Zeit, die er braucht. Die ersten Lebensjahre sollte er in einem artgerechten Herdenverband verbringen – das schult sein Sozialverhalten und fördert eine gesunde körperliche Grundentwicklung. Jede verfrühte Arbeit gefährdet seine Zukunft als gesundes Reitpferd.
Die ersten Schritte: Ein Fundament aus Vertrauen und Gymnastik bauen
Die eigentliche Ausbildung beginnt lange vor dem ersten Aufsitzen. Sie startet am Boden, wo die Grundlagen für Kommunikation, Respekt und eine gesunde Bemuskelung gelegt werden.
Bodenarbeit und Longieren: Der Dialog beginnt am Boden
Die Zeit vor dem Anreiten, etwa im Alter von drei bis vier Jahren, ist ideal für eine vielseitige Bodenarbeit. Dabei geht es weniger um Lektionen als um grundlegende Fähigkeiten:
- Führtraining: Das Pferd lernt, Ihnen aufmerksam und respektvoll zu folgen.
- Gelassenheitstraining: Gewöhnen Sie es spielerisch an verschiedene Umweltreize wie Planen, Stangen oder ungewöhnliche Geräusche.
- Korrektes Longieren: Sobald das Pferd ausbalanciert genug ist, hilft das Longieren (anfangs ohne Ausbinder) dabei, Takt und Losgelassenheit zu finden. Fördern Sie eine entspannte Vorwärts-Abwärts-Haltung, damit die wichtige Rückenmuskulatur aktiviert wird.
Das Anreiten: Ein Meilenstein, kein Wettrennen
Das eigentliche Anreiten sollte frühestens im Alter von vier, besser noch fünf Jahren beginnen. Gehen Sie dabei mit viel Ruhe und positiver Verstärkung vor:
- Sattelgewöhnung: Machen Sie das Pferd in aller Ruhe mit dem Sattel vertraut.
- Gewichtsgewöhnung: Beginnen Sie mit leichtem Auflehnen über den Sattel, bevor der Reiter das erste Mal vollständig aufsitzt.
- Erste Schritte: Die ersten Einheiten unter dem Reiter sollten kurz sein, nicht länger als fünf bis zehn Minuten, und ausschließlich im Schritt stattfinden – idealerweise geführt von einer erfahrenen Person.
Es geht vor allem darum, die Erfahrung für das Pferd so stressfrei und positiv wie möglich zu gestalten.
Kraft gezielt fördern: Vom Tragpferd zum Athleten
Der Kladruber zeichnet sich von Natur aus durch einen kräftigen Körperbau mit hohem Halsansatz und starker Hinterhand aus. Diese Veranlagung ist ein Segen für Disziplinen wie die Dressur, birgt aber auch die Gefahr einer falschen Bemuskelung. Ohne einen starken, tragfähigen Rücken kompensiert das Pferd das Reitergewicht: Es drückt den Rücken durch und überlastet die Gelenke.
Die Ausbildung sollte daher gezielt die Rumpf- und Rückenmuskulatur stärken. Dies gelingt durch:
- Vielseitiges Training: Regelmäßige Arbeit über Stangen, sanftes Klettern im Gelände und gymnastizierendes Longieren fördern die richtigen Muskelgruppen.
- Korrekte Haltung unter dem Reiter: Von Anfang an sollte auf eine losgelassene Vorwärts-Abwärts-Dehnung geachtet werden, um den Rücken aufzuwölben.
Entscheidend für den korrekten Muskelaufbau ist auch die Ausrüstung. Gerade barocke Pferde wie der Kladruber haben oft einen kurzen, breiten Rücken, der spezielle Anforderungen an die Passform des Sattels stellt. Ein unpassender Sattel erzeugt Druckpunkte, blockiert die freie Bewegung des Rückens und behindert damit den Muskelaufbau. Es empfiehlt sich daher, Sättel zu wählen, die speziell für diesen Pferdetyp entwickelt wurden.
Partnerhinweis: Hersteller wie Iberosattel haben sich auf Lösungen für barocke Pferderassen spezialisiert und bieten Sättel mit breiten Auflageflächen und spezieller Passform an, um die Rückengesundheit und den korrekten Muskelaufbau optimal zu unterstützen.
Die Seele des Kladrubers: Angeborene Gelassenheit bewahren und nutzen
Die vielleicht wertvollste Eigenschaft des Kladrubers ist seine mentale Stärke. Verwechseln Sie seine Ruhe niemals mit Faulheit oder mangelnder Intelligenz. Ein Kladruber lernt schnell – Gutes wie Schlechtes. Eine laute, ungeduldige oder unfaire Ausbildung kann sein Vertrauen nachhaltig erschüttern.
Arbeiten Sie mit seiner Intelligenz, nicht gegen sie. Klare, konsistente und faire Hilfen sind der Schlüssel zu seiner Kooperationsbereitschaft. Belohnen Sie gewünschtes Verhalten und geben Sie ihm Zeit, über neue Aufgaben nachzudenken. So bewahren Sie seine natürliche Gelassenheit und gewinnen einen Partner, auf den Sie sich in jeder Situation verlassen können.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Kladruber-Ausbildung
Wann ist ein Kladruber wirklich ausgewachsen?
Physisch und mental kann man von einem vollständig erwachsenen Kladruber erst im Alter von etwa sieben Jahren sprechen. Die anspruchsvolle Ausbildungsarbeit sollte erst nach Abschluss des Hauptwachstums mit etwa fünf bis sechs Jahren beginnen.
Sind Kladruber nur für das Fahren geeignet?
Nein, ganz und gar nicht. Aufgrund ihrer Kraft, ihres ruhigen Temperaments und ihrer natürlichen Veranlagung zur Versammlung sind sie exzellente Partner für die klassische Dressur, die Working Equitation und als verlässliche Freizeitpferde.
Wie erkenne ich, ob mein junger Kladruber überfordert ist?
Achten Sie auf feine Signale wie Zähneknirschen, einen festgehaltenen Rücken, Schweifschlagen oder plötzlichen Widerstand gegen bekannte Übungen. Ein überfordertes Pferd zieht sich oft mental zurück und verliert seine Motivation.
Welche Ausrüstung ist für den Start wichtig?
Investieren Sie in einen gut sitzenden Kappzaum für die Longenarbeit und später in einen professionell angepassten Sattel. Ein unpassender Sattel ist eine der häufigsten Ursachen für Rittigkeitsprobleme und gesundheitliche Schäden.
Fazit: Ein Partner fürs Leben formen
Die Ausbildung eines jungen Kladrubers ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Sie erfordert vom Reiter vor allem Geduld, ein tiefes Wissen um die Besonderheiten der Rasse sowie die Bereitschaft, dem Pferd die nötige Zeit für seine Entwicklung zu lassen. Wer diesen Weg mit Bedacht geht, wird am Ende mit einem majestätischen, loyalen und mental starken Partner belohnt, der die Ruhe eines Kaisers und die Kraft eines ganzen Hofstaates in sich vereint.



